Australien

Tasmanien: Zwischen Linksverkehr und Teufeln

Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr – gefühlt mitten in der Nacht. Unser Körper sieht das ähnlich, aber hilft ja nichts: Heute geht es weiter nach Tasmanien. Wir verstauen die letzten Sachen, vertilgen die restlichen Müslivorräte und machen uns mit Metro und Zug auf den Weg zum Domestic Airport. Nicht ganz so komfortabel wie ein Taxi, aber deutlich günstiger – und genauso schnell.

Um 7:00 Uhr sind wir am Flughafen, checken unser Gepäck am Self-Service-Schalter ein und haben noch gut eine Stunde bis zum Abflug. Die nutzen wir für Telefonate nach Hause und weitere Neujahrswünsche.

Der Flieger startet pünktlich, und gegen 10:45 Uhr landen wir in Hobart. Da es ein Inlandsflug ist, gibt es keinerlei Einreiseformalitäten. Die Koffer lassen etwas auf sich warten, dafür läuft es bei Avis umso entspannter. Eine sehr nette Mitarbeiterin versorgt uns gleich noch mit Tipps zu Restaurants und Sehenswürdigkeiten rund um Hobart.

Unser Auto ist ein weinroter Nissan mit gerade mal 1.200 Kilometern auf dem Tacho – also quasi neu. Wir sind sehr zufrieden und starten direkt mit dem Linksverkehr. Wie immer braucht es ein paar Kilometer Eingewöhnung. Blinken und Scheibenwischer bleiben erstmal Zufallstreffer.


Erster Stopp ist ein Woolworths in Sorell für den obligatorischen Ersteinkauf unserer Rundreise. Alles, was wir für die nächsten Tage brauchen, ist schnell besorgt – inklusive BWS direkt daneben. Danach sind es nur noch 50 Kilometer bis zu unserer Unterkunft. Gegen 14:00 Uhr kommen wir bei Mason’s Cottage an.

Hier werden wir von Denise herzlich empfangen. Sie zeigt uns unser kleines Häuschen, erklärt alles Wichtige und lässt uns ankommen.


Nach einer kleinen Stärkung brechen wir eine Stunde später wieder auf – Ziel: der Tasmanian Devil Unzoo.

Der Unzoo verfolgt ein ganz anderes Konzept als klassische Tierparks. Statt Zäunen gibt es offene, naturnahe Flächen. Einige Tiere, wie die tasmanischen Pademelons (kleine Wallaby-Arten), können kommen und gehen, wie sie möchten. Der Park versteht sich vor allem als Schutz- und Bildungsprojekt.

Zuerst begegnen wir den Kängurus. Die meisten liegen entspannt in der Sonne, andere hüpfen neugierig herum. Einige lassen sich streicheln und füttern, viele Weibchen tragen ihre Babys im Beutel. Besonders unterhaltsam sind ein paar junge Männchen, die sich gegenseitig necken und am Schwanz ziehen. Die Rangerin erklärt uns schmunzelnd, dass das im Grunde schon eine Form von Flirten ist.

Dann folgt die Fütterung der Tasmanischen Teufel – begleitet von sehr spannenden Erklärungen.

Die Devils gibt es weltweit nur noch hier auf Tasmanien in freier Wildbahn. Ein großes Problem für die Population ist ein ansteckender Gesichtstumor, der sich durch Bisse überträgt – etwas, das bei der ruppigen Lebensweise der Teufel leider häufig vorkommt. Die Tumore verhindern irgendwann das Fressen, viele Tiere verhungern, was in manchen Regionen zu dramatischen Bestandsrückgängen geführt hat.

Wir erfahren auch, wie extrem die Fortpflanzung der Devils ist: Ein Weibchen bringt bei der Geburt bis zu 50 winzige Jungtiere zur Welt, doch sie hat nur vier Zitzen. Nur die schnellsten schaffen es an diese – alle anderen überleben nicht und werden von der Mutter gefressen.

Die vier Auserwählten hängen dann drei Monate ununterbrochen an der Zitze - lassen sie nicht mehr los - und bleiben später noch einige Zeit bei der Mutter, bevor sie auf sich gestellt sind.

Die weißen Flecken im Fell sind übrigens bei jedem Tier unterschiedlich – fast wie ein Fingerabdruck.

Bei der Fütterung kommt es zu lautstarken Rangeleien um das Fleisch. Viel Geknurre, Gezeter und kleine Kämpfe – ziemlich beeindruckend und irgendwie auch faszinierend. Besonders auffällig ist dabei, wie kräftig das Gebiss dieser doch eher kleinen Tiere ist: Die Knochen des Futters werden mit einem regelrechten Krachen zerknackt. Von so einem Biss möchte man definitiv keinen abbekommen.

Zum Abschluss dürfen wir noch Rosellas füttern, eine bunte Papageienart. Sie landen direkt auf Arm und Schulter und sind völlig unscheu.

Gegen 17:30 Uhr schließt der Park offiziell, aber es wird nicht allzu streng gesehen, und wir bleiben noch ein wenig länger.


Danach laufen wir zurück und halten unterwegs am Norfolk Bay Restaurant. Ein gemütlicher Ort mit Fokus auf Fisch und Meeresfrüchte. Wir teilen uns eine Paella, die richtig gut ist, und beschließen spontan, morgen gleich noch einmal hierher zu kommen.

Zurück in unserer Unterkunft lassen wir den Abend ruhig ausklingen. Ein erster, sehr eindrucksvoller Tag in Tasmanien geht zu Ende.