Australien
Gerüche, Gräber und eine Dschunke – Bangkok abseits der Touristenpfade
Der heutige Tag beginnt deutlich entspannter als die letzten. Statt wie gewohnt um halb sieben sitzen wir erst eine gute Stunde später beim Frühstück – fast schon ausschlafen nach unseren bisherigen Bangkok-Maßstäben. Der Appetit ist inzwischen auch wieder zurück, und so probieren wir uns erneut durch das nach wie vor fantastische Buffet.
Allerdings stellen wir fest, dass wir hier schlicht zu gut versorgt werden. Jeden Morgen schlemmen wir ausgiebig und auch mittags entdecken wir irgendwo unterwegs immer wieder etwas Leckeres. Abends sind wir deshalb meistens noch satt, weshalb wir kurzerhand unsere Reservierung für das morgige Dinner im Hotelrestaurant stornieren. Noch mehr Essen würde wahrscheinlich langsam in Arbeit ausarten.
Anschließend bestellen wir uns einen Grab und fahren zum Khlong Toey Market, einem riesigen Markt, der vor allem von Einheimischen besucht wird. Touristen sehen wir hier praktisch keine – außer uns beiden.
Schon beim Betreten wird klar: Das hier ist kein Markt für zarte Gemüter.
Überall stapeln sich Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Gewürze. Händler rufen durcheinander, Mopeds schlängeln sich durch die Gassen, und die Gerüche sind… sagen wir: intensiv.
Zwischendurch beobachten wir, wie große Blöcke Eis angeliefert und direkt vor Ort zerkleinert werden – offenbar zur Kühlung der Fischstände. Ein ziemlich pragmatisches System, das hier im Dauereinsatz zu sein scheint.
Zwischen frischen Kräutern, exotischen Früchten und Fischständen gibt es immer wieder Ecken, die eher nach Abenteuer als nach Gourmetküche riechen. Aber genau das macht den Reiz aus.
Natürlich bleiben wir nicht ganz nur beim Schauen: Am Ende wandert noch frische Currypaste für zuhause in unseren Beutel – ein kleines Stück Thailand zum Mitnehmen.
Wir schlendern eine gute Stunde durch das Gewirr aus Ständen und Gassen und nehmen so viele Eindrücke auf, wie wir können.
Als wir uns schließlich am Straßenrand kurz ausruhen und überlegen, was wir als Nächstes unternehmen könnten, passiert es direkt vor uns: Mit einem heftig lauten Knall kollidiert ein Pick-up mit einem Moped. Die beiden vom Moped, ein älteres Paar, wirken verletzt.
Wir gehen kurz hinüber, um zu schauen, ob wir helfen können. Doch schnell merken wir, dass vor allem die Sprachbarriere ein Problem ist. Zum Glück ist sofort eine Frau in Uniform da, die übernimmt und sich um die beiden kümmert. Nur wenige Minuten später trifft bereits ein Krankenwagen ein.
Wir stehen noch einen Moment etwas fassungslos daneben, bevor wir langsam weiterziehen – nicht ganz ohne den Gedanken, wie viel Glück wir gestern auf unserer Fahrradtour im chaotischen Verkehr eigentlich hatten. Bei den Straßenverhältnissen hier wundert man sich fast, dass so etwas nicht noch viel häufiger passiert.
Unser nächstes Ziel ist der Teochew Cemetery, also rufen wir wieder einen Grab. Diesmal dauert es erstaunlich lange, bis wir einen Fahrer finden – eine gute Viertelstunde warten wir, bevor endlich jemand den Auftrag annimmt.
Am Friedhof angekommen, staunen wir nicht schlecht. Das Gelände wirkt auf den ersten Blick weniger wie ein Friedhof als wie eine Art Freizeitpark. Gleich am Eingang sehen wir Menschen, die auf Fitnessgeräten trainieren oder ihre Joggingrunden drehen – mit Blick auf alte Grabstätten.
Tatsächlich handelt es sich um einen ehemaligen chinesischen Friedhof, der heute kaum noch genutzt wird. Viele Gräber sind verfallen oder überwuchert, teilweise wachsen sogar Bananenstauden darauf.
Zwischen den Grabreihen befinden sich Massageangebote, kleine Buden und sogar mehrere Karaokebars 😳
Während also zwischen den alten Grabsteinen gesungen wird, drehen andere ihre Runden auf der rund 1,3 Kilometer langen Laufstrecke, die sich durch das Gelände zieht. Ein ziemlich ungewöhnlicher Ort – irgendwo zwischen Geschichte, Alltag und Improvisation.
Mit einem eiskalten Getränk in der Hand schauen wir uns das Ganze noch eine Weile an, bevor wir gegen halb zwölf langsam weiterziehen.
Der Weg führt uns ein gutes Stück entlang von Kanälen und durch kleine Hinterhöfe. Überraschenderweise sind viele der Wände hier mit bunten Wandmalereien verziert – offenbar Teil des „Sathon Canal Art“-Projekts. Pflanzen und Lichterketten schmücken die Gassen, optisch wirklich hübsch. Nur der Geruch aus den Kanälen passt nicht ganz ins idyllische Bild.
Schließlich erreichen wir den Tempel Wat Yannawa.
Schon von außen fällt sofort auf, dass dieser Tempel etwas anders aussieht als die meisten in Bangkok. Der zentrale Bau ist nämlich wie eine große chinesische Dschunke gestaltet – ein Segelschiff, wie es früher im Handel zwischen China und Siam unterwegs war.
Der Tempel stammt aus dem 19. Jahrhundert und sollte symbolisch an die Zeit erinnern, bevor Dampfschiffe den traditionellen Segelschiffen den Rang abliefen. Trotz seiner ungewöhnlichen Architektur ist der Tempel bei internationalen Besuchern erstaunlich wenig bekannt.
Nach dem Tempelstopp gönnen wir uns noch ein kühles Getränk im Food Court von Bangrak, bevor wir um 13:15 Uhr das Boot zurück zum Hotel nehmen.
Der Nachmittag gehört dann ganz bewusst der Entspannung. Zuerst sitzen wir gemeinsam am Pool und genießen einfach mal ein paar ruhige Stunden.
Später trennen sich unsere Wege kurzzeitig: Andreas zieht seine Laufschuhe an und dreht eine Runde, während ich im Spa-Bereich des Hotels verschwinde. Zwei Stunden Massage – pure Entspannung. Danach fühle ich mich, als hätte jemand den Reset-Knopf gedrückt.
Am Abend sitzen wir wieder gemütlich draußen am Fluss, natürlich mit einem Cocktail in der Hand. Dazu bestellen wir einen Papayasalat. Ich entscheide mich vorsichtig für „medium scharf“ – was sich allerdings als sehr optimistische Einschätzung herausstellt. Das Gericht ist so feurig, dass mir ordentlich die Lippen brennen. 🌶️
Zurück im Zimmer wartet dann noch eine kleine Überraschung auf uns: Jemand hat einen Briefumschlag unter der Tür durchgeschoben. Darin entschuldigt sich das Hotel höflich dafür, dass das Dinner-Buffet für morgen abgesagt wird. Offenbar haben sich zu wenige Gäste angemeldet.
Ich hoffe ja sehr, dass das nichts damit zu tun hat, dass wir heute Morgen unsere Reservierung storniert haben. Nicht, dass wir hier am Ende noch für die Absage des ganzen Buffets verantwortlich sind. 😉