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Zwischen Krokodilen, Kanälen und Chinatown – Bangkok auf zwei Rädern

Auch heute sitzen wir wieder pünktlich um 6:30 Uhr beim inzwischen wohlbekannten, herausragenden Frühstücksbuffet. Allerdings wirkt Andreas diesmal erstaunlich zurückhaltend. Nach dem gestrigen kulinarischen Marathon – erst das üppige Frühstück und später der Kochkurs mit fünf Gängen – ist er praktisch schon satt, bevor er überhaupt angefangen hat.

Ich dagegen sehe das pragmatisch: Irgendjemand muss sich schließlich weiter tapfer durch das Buffet probieren.


Um 8:00 Uhr nehmen wir wieder das kostenlose Shuttleboot unseres Hotels und fahren zum Sathorn Pier.

Dort wartet schon Artty auf uns. Nachdem wir mit ihm vorgestern die großen Sehenswürdigkeiten Bangkoks erkundet haben, steht heute etwas anderes auf dem Programm: eine Fahrradtour durch Viertel, in die sich die meisten Touristen eher selten verirren. Bangkok einmal aus der Perspektive der Locals also.

Unsere erste Station ist das alte französische Viertel rund um die Assumption Cathedral, die einzige römisch-katholische Kathedrale Bangkoks. Das Viertel entstand im 19. Jahrhundert rund um europäische Händler und Missionare und wirkt mit seinen kolonialen Gebäuden fast ein wenig wie ein kleines Stück Europa mitten in der thailändischen Metropole.

Kurz darauf tauchen wir bereits in ganz andere Welten ein: ein muslimisches Viertel mit Moschee und Friedhof. Artty erklärt uns, dass die Gräber oft nach einiger Zeit wiederverwendet werden – Platz ist schließlich auch in Bangkok begrenzt. Deshalb findet man hier meist keine klassischen Grabsteine.

Weiter geht es zum historischen Hauptpostamt der Stadt. Das Gebäude stammt aus der Zeit von König Rama V., dessen Familie legendär groß war – fast hundert Kinder soll er gehabt haben. Eines von ihnen war maßgeblich am Aufbau des modernen Postsystems beteiligt.

Zwischendurch radeln wir durch ein Viertel, das heute eher als Bangkoks Hipster- und Kunstszene gilt. Zwischen alten Lagerhäusern und Werkstätten entdecken wir große Wandgemälde internationaler Street-Art-Künstler. Ein überraschend kreativer Kontrast zum geschäftigen Alltag ringsum.

An einem unscheinbaren Haus hält Artty kurz an und zeigt auf die Hausnummer: Nummer 1. Hier soll sich das erste offiziell registrierte Haus Bangkoks befunden haben – gewissermaßen die „Adresse Eins“ der Stadt.

Das Fahrradfahren hier ist übrigens ein echtes Abenteuer. Immer wieder geht es durch schmale Marktgassen, vorbei an Gemüsebergen, Mopeds, Fußgängern und gelegentlich auch Lastwagen, die sich irgendwie ebenfalls durch die engen Straßen quetschen. Navigieren zwischen all dem erfordert Konzentration – aber genau das macht den Reiz dieser Tour aus.

Im Viertel Talat Noi stoppen wir bei einem der letzten traditionellen Schmiede der Gegend. Früher war das Viertel voller kleiner Handwerksbetriebe, heute sind nur noch wenige übrig geblieben. Der Schmied arbeitet hier noch ganz klassisch mit Hammer, Amboss und glühendem Metall.

Natürlich führt uns der Weg auch durch Chinatown, wo sich Garküchen, Goldläden und Kräutershops dicht an dicht drängen und die Straßen voller Leben sind.

Ein besonders ungewöhnlicher Stopp erwartet uns im Tempel Wat Chakrawat Rachawat Woramahawihan. Dort leben tatsächlich mehrere Krokodile in einem Gehege innerhalb der Tempelanlage. Der Legende nach sollen sie einst bei einer Überschwemmung aus dem Fluss hierher gelangt sein. Heute gehören sie gewissermaßen zum Inventar des Tempels – inzwischen bereits in zweiter oder dritter Generation.

Am Wat Prayurawongsawat Worawihan wird es dann deutlich friedlicher. Hier füttern wir Schildkröten, die im Tempelteich leben. Artty kauft Papayastücke, die wir auf kleine Stöcke spießen und ins Wasser halten. Die Schildkröten kommen erstaunlich neugierig heran und schnappen sich das Futter mit sichtlicher Begeisterung.

Danach gehen wir in den großen weißen Chedi der Tempelanlage. Im Inneren stehen mehrere Buddha-Statuen – jeweils eine für jeden Wochentag. Jeder Besucher sucht sich den Buddha seines Geburtstags aus, denkt sich einen Wunsch und klebt ein kleines Blatt Gold an die Statue.

Auch wir machen mit und läuten anschließend noch einige der Glocken, die symbolisch für Gesundheit, Glück und andere gute Wünsche stehen.

Unsere Tour führt weiter zur Santa Cruz Church, einer katholischen Kirche aus der portugiesischen Gemeinde, die hier schon seit Jahrhunderten ansässig ist.

Im Tempel Wat Kanlayanamit Woramahawihan beeindruckt uns eine riesige goldene Buddha-Statue. Als sie im 19. Jahrhundert errichtet wurde, galt sie als die größte sitzende Buddhafigur Thailands. Auch hier dürfen wir wieder die große Tempelglocke dreimal anschlagen – für Glück, versteht sich.

Im Wat Intharam Worawihan sehen wir schließlich die vielleicht ungewöhnlichsten Opfergaben des Tages: Neben Blumen und Räucherstäbchen liegen hier tatsächlich auch Schweineköpfe oder symbolische Gegenstände wie Messer und Dolche – Geschenke an die Geisterwelt, um Schutz oder Glück zu erbitten.

Ein kurzer Stopp führt uns noch an einen kleinen lokalen Markt entlang der Bahnlinie. Hier fährt derselbe Zug vorbei, der später durch den berühmten „Train Market“ rollt – nur deutlich weniger touristisch. Wir probieren dort auch ein typisch thailändisches Eis: Kokosnusseis mit rohem Eigelb. Klingt abenteuerlich, schmeckt aber erstaunlich gut.

Weitere Tempel folgen – darunter Wat Paknam Bhasicharoen, bekannt für seine große Buddha-Statue und seine Rolle als bedeutendes buddhistisches Meditationszentrum.

Unser letzter Stopp ist schließlich Wat Nang Chi Chotikaram. Im Inneren sticht vor allem die grün leuchtende Decke hervor, die dem Tempel eine eigene, fast schon leicht mystische Atmosphäre verleiht.

Von hier steigen wir mit unseren Fahrrädern in ein Longtail-Boot und fahren durch einige der unzähligen Kanäle Bangkoks zurück zum Chao-Phraya-Fluss. Eine Stunde später legen wir wieder am Sathorn Pier an.

Gegen 14:00 Uhr verabschieden wir uns von Artty. Auch diese Tour war wieder großartig – eine Seite von Bangkok, die viele Besucher wahrscheinlich nie zu sehen bekommen.


Bevor wir zum Hotel zurückfahren, setzen wir noch mit der Fähre auf die andere Flussseite über.

Das riesige Einkaufszentrum ICONSIAM lassen wir zunächst links liegen und laufen erst noch zur Che Chin Khor Temple and Pagoda. Von ganz oben hat man einen schönen Blick über den Fluss und die umliegenden Viertel.

Danach zieht es uns doch noch ins ICONSIAM – allerdings weniger zum Shoppen als wegen der Rooftop-Bar Fallabella River Front im sechsten Stock. Bei einem Bier für Andreas und einem Cocktail für mich genießen wir noch einmal den Blick über den Chao Phraya.

Beim Hinausgehen gönnt sich Andreas im Food Court noch eine Portion frittierte Garnelen, bevor wir mit der Fähre wieder zum Sathorn Pier übersetzen.

Dort bleibt noch etwas Zeit für einen kleinen Abstecher in den Bangrak Food Court. Ein Green Curry mit Rind – unglaublich lecker und selbst für thailändische Verhältnisse fast schon lächerlich günstig.


Anschließend nehmen wir wieder das Shuttleboot zurück zum Hotel.

Dort angekommen springe ich erst einmal unter die Dusche, während Andreas noch kurz zum Seven-Eleven geht, um Getränke zu besorgen.

Danach lassen wir den Tag ganz entspannt ausklingen mit einem Cocktail am Fluss, während nach und nach die Lichter der Stadt über dem Chao Phraya angehen.