Australien

Mörsern, Märkte und Warane – unterwegs in Bangkok

Auch heute beginnt der Tag wieder früh. Um 6:30 Uhr sitzen wir bereits am erneut beeindruckend reichhaltigen Frühstücksbuffet unseres Hotels – diesmal allerdings eine Reihe weiter hinten. Kurz zuvor hat ein kräftiger Regenschauer den Flussbereich einmal ordentlich durchgespült, und als wir ankommen, glänzt noch alles vor Nässe.

Eigentlich hatte ich mich innerlich schon auf das hervorragende Green Curry von gestern gefreut. Doch die warme Theke präsentiert sich heute komplett neu. Offenbar wechselt das Angebot täglich – eine wunderbare Nachricht für Foodies, aber auch eine kleine Herausforderung: Wenn das so weitergeht, schaffe ich es in dieser Woche nie, alles zu probieren. Ein echtes Luxusproblem.

Also gibt es es von allem nur Mini-Portiönchen, damit wir möglichst viel probieren können.

Nach dem Frühstück rufen wir uns ein Grab – das thailändische Pendant zu Uber – und fahren zum Treffpunkt unserer heutigen Mission: einem thailändischen Kochkurs.


Wir sind deutlich zu früh dran und haben noch eine gute halbe Stunde Zeit. Perfekt für einen kleinen Abstecher zum benachbarten Sri Maha Mariamman Temple, auch bekannt als Wat Khaek.

Der farbenprächtige Hindu-Tempel wirkt mit seinen unzähligen Figuren und Ornamenten fast wie ein dreidimensionales Puzzle aus Göttern, Dämonen und mythologischen Wesen. Geweiht ist er der südindischen Regengöttin Mariamman – und wenn man bedenkt, wie oft es hier regnet, scheint sie in Bangkok durchaus gefragt zu sein.

Leider gilt im Inneren Fotografierverbot, also müssen wir die Eindrücke einfach im Kopf abspeichern.


Pünktlich um 8:45 Uhr stehen wir wieder vor der Kochschule. Unser Kurs besteht aus neun Teilnehmern aus allen möglichen Ecken der Welt – Kanada, Korea, Malaysia und wir mittendrin.

Unsere Kochlehrerin Fern ist von der ersten Sekunde an ein Energiebündel: enthusiastisch, laut, gut gelaunt und mitreißend. Kurz gesagt: genau die Art Mensch, die man sich für einen Kochkurs wünscht.

Los geht es mit einem Marktbesuch.

Ausgestattet mit stylischen Einkaufskörbchen ziehen wir los, um die Zutaten für unser Menü einzukaufen.

Es wandern Garnelen, Gemüse, Früchte und eine frische Kokosnuss in unsere Körbe. Diese wird direkt vor Ort in einer Maschine zerhäckselt.

Nebenbei erfahren wir, dass viele Thailänder lieber täglich auf dem Markt einkaufen als im Supermarkt – nicht nur wegen der Frische, sondern auch, weil es deutlich günstiger ist.

Mit Tuk-Tuks geht es anschließend zur Küche.

Dort folgt zunächst eine kleine Einführung in die Welt der thailändischen Küche: Neben den typischen Kräutern wie Zitronengras, Galgant und Kaffir-Limettenblättern werden auch verschiedene Gewürze sowie die unterschiedlichen Nudel- und Reissorten und ihre Verwendung erklärt. Alles wird beschnuppert, probiert und anschaulich erläutert.

Und Fern sorgt dabei immer wieder für einen Lacher, wenn sie mit einem breiten Grinsen betont: „more chili – more sexy“. 🌶️😄

Dann wird es ernst.

Die frisch geraspelte Kokosnuss vom Markt wird mit Wasser vermischt, und wir kneten die Masse mit den Händen. Fern feuert uns lautstark an: „Massage! Massage! Massage!“

Also wird fleißig massiert, gedrückt und geknetet, bis aus der Mischung tatsächlich frische Kokosmilch entsteht, die sich später automatisch in eine dickere Kokoscreme und dünneres Kokoswasser trennen wird. Beides werden wir für unsere Gerichte verwenden – die cremigere Variante fürs Curry, der leichtere Teil fürs Desserts.

Der Kurs ist hervorragend organisiert: In einem Raum wird geschnippelt, im nächsten gekocht, im dritten gegessen. 3-2-{2026-Australien-78-20, 2026-Australien-78-21, 2026-Australien-78-22}

Arbeitsteilung gibt es im Gegensatz zu unseren bisherigen Kochkursen keine – jeder kocht jedes Gericht für sich allein. Das bedeutet auch: Jeder isst am Ende genau das, was er selbst produziert hat.

Auf dem Menü stehen fünf Klassiker der thailändischen Küche.

1. Tom Yum Goong – eine scharf-saure Garnelensuppe

Die Balance aus Schärfe, Säure und frischen Kräutern ist direkt ein gelungener Auftakt.

2. Pad Thai – gebratene Reisnudeln:

Pfanne an, Hitze hoch – hier geht alles schnell, und am Ende steht ein richtig gutes Streetfood-Klassiker-Gericht auf dem Teller.

3. Papaya Salad:

Frisch, knackig und ordentlich würzig – deutlich schärfer, als erwartet.

4. Green Curry mit Huhn — inklusive selbstgemachter Currypaste:

Das Herstellen der Currypaste wird zum sportlichen Höhepunkt des Tages. Die Zutaten müssen im Mörser zerstoßen werden – und zwar mit ordentlich Kraft. Schnell zeigt sich: Das ist Teamarbeit. Wir wechseln uns ab, während Fern uns motiviert („Strong man, keep going, strong man! 😅“).

Irgendwann fällt dabei auch die Bemerkung, dass früher hier entschieden wurde, ob jemand heiratstauglich ist – wer ordentlich mörsern konnte, hatte gute Karten. Ob das wirklich so war oder eher in die Kategorie Küchenlegende gehört, lassen wir mal dahingestellt 😅.

5. Sticky Rice mit Mango

Den Nachtisch bekommen wir schließlich serviert – wir haben unseren Teil schließlich schon zu Beginn beim Kokosnussmassieren erledigt. Und natürlich schmeckt auch der hervorragend.

Gegen 12:30 Uhr endet der Kurs. Wir bekommen kleine Geschenke, ein Diplom – und sind vor allem eines: komplett satt. Außerdem hatten wir eine Menge Spaß. Eine tolle Gruppe, eine begeisternde Lehrerin und ein sehr kurzweiliger Vormittag.


Jetzt hilft nur eines: Bewegung.

Also starten wir zu einem ausgedehnten Verdauungsspaziergang. Der erste Stopp ist der Wat Hua Lamphong. Der Tempel kann zwar nicht ganz mit den großen Highlights von gestern mithalten, strahlt aber eine ruhige, angenehme Atmosphäre aus und ist durchaus fotogen.

Kaum sind wir dort angekommen, öffnet der Himmel erneut seine Schleusen. Wir stellen uns unter und warten ab. Artty hatte uns gestern beruhigt: Wenn es in Bangkok regnet, dann meist nur kurz. Und tatsächlich – nach etwa einer halben Stunde ist der Spuk vorbei.

Also weiter.


Unser nächstes Ziel ist der Lumphini Park, das grüne Herz der Stadt.

Hier wirkt Bangkok plötzlich fast ländlich: Frösche quaken, Menschen joggen um den Lumphini-See, und zwischen all dem bewegen sich gemächlich die eigentlichen Stars des Parks – bis zu anderthalb Meter lange Bindenwarane, die völlig unbeeindruckt zwischen Spaziergängern und Wasserflächen unterwegs sind.

Dazu kleine Brücken, Tretboote und der Blick auf die Hochhäuser von Silom – eine erstaunlich entspannte Oase mitten in der Metropole.


Von dort laufen wir weiter zum Erawan Shrine.

Der kleine Schrein an einer belebten Kreuzung gehört zu den bekanntesten religiösen Orten der Stadt. Er ist dem hinduistischen Gott Brahma gewidmet, und viele Menschen kommen hierher, um für Glück, Erfolg oder Gesundheit zu beten.

Wer ein Gebet erhört sieht, kann als Dank eine traditionelle Tanzzeremonie buchen – mit geschmückten Tänzerinnen, die direkt vor dem Schrein auftreten.


Für das nächste Stück entscheiden wir uns spontan für ein Tuk-Tuk. Der erste Fahrer verlangt 300 Baht bis zum Wat Traimit. Das erscheint uns etwas ambitioniert. Beim nächsten Fahrer beginnen wir direkt mit 200 Baht. Nach kurzem Feilschen – er versucht noch 250 herauszuschlagen – bleiben wir standhaft. Deal.

Am Tempel angekommen, kauft sich Andreas erst einmal eine der berühmten Elefantenhosen zum Überziehen, damit die Kleiderordnung erfüllt ist.

Dann betreten wir den Tempel, der für seine Hauptattraktion bekannt ist: den größten massiven Gold-Buddha der Welt. Die Statue ist über fünf Meter hoch, wiegt mehr als fünf Tonnen und besteht aus nahezu reinem Gold. Lange Zeit wusste übrigens niemand davon – die Figur war jahrhundertelang mit Gips überzogen, vermutlich um sie vor Plünderern zu schützen. Erst bei einem Unfall in den 1950er-Jahren brach der Putz auf – und darunter kam plötzlich das Gold zum Vorschein.


Mittlerweile ist es bereits 16 Uhr, und wir machen uns langsam auf den Rückweg Richtung Fluss.

Kurz vor dem Sathorn Pier legen wir noch einen Zwischenstopp in der Palate Bar ein – eine Empfehlung von Michelle und Markus. Auf der kleinen Rooftop-Terrasse gönnt sich Andreas ein Bier, ich einen Cocktail, während unten das geschäftige Treiben der Stadt weiterläuft.

Danach nehmen wir das Shuttleboot zurück zum Hotel.

Gegen 18:30 Uhr sind wir wieder angekommen und springen erst einmal unter die Dusche. Nach diesem langen, erlebnisreichen Tag fühlt sich das ausgesprochen gut an.

Viel mehr steht heute eigentlich auch nicht mehr auf dem Programm. Der Kochkurs hat uns gut beschäftigt und vor allem sehr satt gemacht. Trotzdem zieht es uns später noch einmal hinaus an den Fluss. In der Long Bar am Ufer des Chao Phraya bestellen wir uns einen letzten Cocktail und schauen den Booten zu, die in der Abenddämmerung vorbeiziehen.

Die Lichter spiegeln sich im Wasser, eine leichte Brise weht vom Fluss herüber – ein ziemlich schöner Ausklang für einen Tag zwischen Marktständen, Mörserarbeit und Bangkoks Tempeln. Nicht allzu spät geht es schließlich zurück aufs Zimmer. Morgen wartet schon das nächste Kapitel dieser Reise.