Australien
Tuk-Tuks, Tempel und der Chao Phraya – Auftakt in Bangkok
Der Jetlag hält sich erstaunlich in Grenzen. Um 4:30 Uhr sind wir zwar wach, aber da wir ohnehin gegen halb sechs aufstehen wollten, passt das schon.
Bangkok begrüßt uns mit einem ruhigen Morgen.
Wir sitzen direkt am Chao Phraya, während die ersten Sonnenstrahlen den Fluss in warmes Gold tauchen und vereinzelte Boote fast lautlos vorbeiziehen.
Diese besondere Morgenstimmung begleitet uns weiter beim Frühstück – wir sitzen direkt am Fluss und genießen eines der besten Hotel-Frühstücks ever.
Das Buffet ist einfach nur fantastisch.
Von tropischen Früchten über warme asiatische Gerichte bis hin zu allem, was ein europäisches Frühstücksherz begehrt – die Auswahl scheint endlos.
Entsprechend ausgiebig schlagen wir zu und lassen den Blick immer wieder über den Fluss schweifen. Ein ziemlich perfekter Start in den ersten Bangkok-Tag.
Um 8:00 Uhr steigen wir auf das kostenlose Shuttleboot des Hotels und schippern flussabwärts zum Sathorn Pier.
Dort treffen wir Artty, unseren Guide für heute. Kaum begrüßt, lotst er uns auch schon weiter zum nächsten Boot – diesmal eines der öffentlichen Boote mit orangefarbener Flagge, die wie eine Art Wasserbus den Fluss entlangfahren.
Unser Ziel ist der Grand Palace.
Bevor wir hinein dürfen, steht allerdings erst einmal eine kleine Kleiderprüfung an: Schultern und Knöchel müssen bedeckt sein. Also schnell noch ein bisschen „standesgemäße“ Kleidung übergezogen, und dann geht es hinein in eine Welt aus Gold, glitzernden Mosaiken und kunstvollen Dächern.
Artty erweist sich schnell als großartiger Geschichtenerzähler. Während wir durch die Anlage laufen, erfahren wir nicht nur viel über die Geschichte des Palastes, sondern auch über den Buddhismus und einige Besonderheiten des thailändischen Alltags.
So erzählt er zum Beispiel, dass in Thailand auf offiziellen Dokumenten wie der ID-Karte die Religionszugehörigkeit vermerkt ist. Sie wird in der Regel von der Familie übernommen, kann aber jederzeit geändert werden. Praktisch hat das vor allem Bedeutung für religiöse Zeremonien – etwa im Todesfall, wenn klar sein soll, nach welchem Ritus jemand bestattet wird.
Auch über buddhistische Bestattungsrituale lernen wir etwas: Verstorbene werden meist eingeäschert. Die Asche wird häufig aufgeteilt – ein Teil bleibt bei der Familie, ein Teil wird in fließendes Wasser gegeben, und ein Teil kann an einem öffentlich zugänglichen Ort aufbewahrt werden, damit Menschen dort Respekt erweisen können.
Der Grand Palace selbst war lange Zeit die Residenz der thailändischen Könige. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts lebte hier die königliche Familie, danach zog der Hof in andere Residenzen um und die Anlage wurde zunächst für die Thailänder, später auch für Besucher geöffnet.
Herzstück des Komplexes ist der Tempel des Smaragd-Buddha – innen leider fotografierfrei. Also müssen die Eindrücke im Kopf gespeichert werden.
Gegen 11:00 Uhr haben wir den Palastkomplex ausführlich erkundet. Artty erklärt uns, dass dies wohl der schönste Tempel Bangkoks sei – zumindest der prächtigste.
Weiter geht es stilecht mit dem Tuk-Tuk. Die Fahrt ist kurz, aber rasant – und unterwegs erklärt Artty gleich noch das lokale Preisgefüge: Wenn er mit uns fährt, kostet das Tuk-Tuk 100 Baht. Wäre er allein gefahren, hätte es 50 Baht gekostet. Und wenn wir Touristen allein eingestiegen wären, wären vermutlich 200 Baht fällig gewesen. Ein System mit… sagen wir mal… flexibler Preisgestaltung.
Nächstes Ziel: der Wat Pho.
Wat Pho gilt als einer der bedeutendsten Tempel Bangkoks und ist berühmt für seinen 46 Meter langen liegenden Buddha.
Die Figur stellt den Buddha im Moment seines Eintritts ins Nirwana dar und wirkt trotz ihrer Größe erstaunlich harmonisch – die Proportionen orientieren sich an menschlichen Maßstäben. Besonders beeindruckend sind auch die kunstvoll verzierten Füße mit Perlmutt-Einlagen.
Hier nehmen wir auch an einer kleinen Zeremonie teil: In einer Reihe stehen 108 Metallschalen, in die Besucher Münzen werfen. Die Zahl 108 hat im Buddhismus symbolische Bedeutung und steht unter anderem für die verschiedenen menschlichen Eigenschaften. Während wir Münze für Münze einwerfen, entsteht ein rhythmisches Klimpern, das durch den Tempel hallt.
Der Brauch soll Glück bringen – und Artty erklärt uns mit einem Augenzwinkern, dass Paare diese Runde gerne gemeinsam machen, damit sie im nächsten Leben wieder zusammenfinden.
Wat Pho ist übrigens auch ein Zentrum traditionellen Wissens. Auf zahlreichen Tafeln sind medizinische und anatomische Informationen festgehalten – darunter auch frühe Darstellungen der Druckpunkte, die später zur Grundlage der berühmten Thai-Massage wurden.
Nach so viel Tempelkunst setzen wir mit der Fähre über den Fluss und besuchen noch den Wat Arun, den „Tempel der Morgenröte“.
Sein hoher zentraler Prang ragt direkt am Flussufer in den Himmel und ist mit unzähligen kleinen Mosaiken geschmückt – viele davon bestehen aus zerbrochenem chinesischem Porzellan, das im Sonnenlicht in allen Farben schimmert. Früher kam es als Ballast auf Handelsschiffen nach Siam und wurde hier kreativ weiterverwendet.
Nach all diesen Eindrücken ist gegen 13:00 Uhr der offizielle Teil unserer Tour beendet. Artty bringt uns noch mit dem Tuk-Tuk hinüber zum Wang Lang Market, einem lebhaften lokalen Markt auf der anderen Flussseite.
Hier zeigt er uns noch schnell das Restaurant, das wir als Empfehlung von Michelle bekommen haben. Dann verabschieden wir uns – allerdings nur bis übermorgen, denn da haben wir mit ihm noch eine zweite Tour geplant.
Das Essen ist ausgezeichnet und vor allem erstaunlich günstig. Frisch, würzig und voller Geschmack – genau so stellt man sich Streetfood in Bangkok vor.
Danach drehen wir noch eine Runde über den Markt. Überall duftet es nach gebratenen Nudeln, Süßspeisen und Gewürzen. Irgendwo unterwegs gönnen wir uns noch einen Nachtisch, bevor wir schließlich zum Bootsanleger Tha Wang Lang Pier gehen und wieder zum Sathorn Pier und von dort mit dem Hotel Shuttle zurück fahren.
Gegen 15:30 Uhr sind wir wieder im Hotel.
Andreas zieht sofort seine Laufschuhe an und startet zu einer Runde durch die schwülwarme Nachmittagshitze, während ich mich deutlich strategischer positioniere: am Pool. Mit Cocktail in der Hand lässt sich Bangkok nämlich auch ganz hervorragen aus der Liegeperspektive erkunden.
Nebenbei buche ich noch eine Spa-Behandlung für Samstag. Man muss schließlich Prioritäten setzen.
Gegen 17:00 Uhr kommt Andreas von seiner Laufrunde zurück und gesellt sich – ebenfalls mit einem Cocktail bewaffnet – zu mir an den Pool. Man muss schließlich für einen ausgeglichenen Tagesablauf sorgen 😉
Kurz darauf gibt es dort noch eine kleine Tanzvorführung von zwei Thai-Frauen. Wir schauen eine Weile zu, eher nebenbei, während wir weiter am Pool sitzen und den späten Nachmittag genießen.
Als es langsam Abend wird, drehen wir noch eine kleine Runde spazieren. Am Chao Phraya River sitzen wir später noch einmal mit einem Cocktail und schauen aufs Wasser, wo die Boote ihre Bahnen ziehen und langsam überall die Lichter angehen.
Viel mehr Programm braucht es heute auch nicht mehr. Der Tag war lang, und der Jetlag meldet sich noch ein bisschen zu Wort. Also geht es nicht allzu spät zurück aufs Zimmer.