Australien

Nebel, Niesel und Nostalgie – ein letzter Tag Down Under

In unserer letzten Nacht im Camper trommelt der Regen zuverlässig aufs Dach und wiegt uns in den Schlaf. Leider hört er auch bis zum Morgen nicht auf. Der neue Tag beginnt also genauso, wie sich die beiden letzten präsentiert haben: grau, nass und wenig motivierend. Der Abschied vom Camperleben fällt uns heute erstaunlich leicht.

Andreas verzichtet sogar auf seine sonst so eiserne morgendliche Laufrunde, als wir gegen 6:30 Uhr aufstehen. Stattdessen konzentrieren wir uns lieber darauf, diesem Wetter möglichst bald zu entkommen.

Obwohl wir gestern Abend schon einen Großteil der Sachen gepackt hatten, dauert es dann doch wieder erstaunlich lange, bis alles verstaut ist und der Camper halbwegs abgabefähig aussieht. Wie das beim Packen so ist: Erst denkt man, man sei fast fertig – und dann tauchen plötzlich überall noch Dinge auf, die irgendwo hinein müssen.

Am Ende wird es 9:30 Uhr, bis wir den Campground verlassen und das letzte Stück zurück nach Sydney in Angriff nehmen.

Die Scheibenwischer laufen im Dauermodus, aber immerhin verschwindet der Nebel irgendwann.

Gegen 11:30 Uhr erreichen wir schließlich die Station von THL (Tourism Holdings Limited), wo wir den Camper zurückgeben.

Insgesamt 3791 Kilometer haben wir mit der Kiste zurückgelegt – quer durch New South Wales, Victoria und South Australia.

Unsere grundsätzliche Freude am Campen hat dieses Modell zwar tapfer versucht zu sabotieren – zum Glück ohne nachhaltigen Erfolg.

Die Rückgabe selbst läuft unkompliziert. Unsere 4500 Euro Kaution wird direkt zurücküberwiesen – mit dem freundlichen Hinweis, dass es 2–3 Wochen dauern kann, bis das Geld bei uns ankommt. Beim Abbuchen ging das damals übrigens deutlich schneller. Das spielte sich eher im Minutenbereich ab. Aber gut.

Danach rufen wir uns ein Uber und fahren zum View Sydney, wo wir gegen 12:30 Uhr ankommen.


Eigentlich wollen wir nur unsere Koffer abstellen, denn Check-in ist offiziell erst ab 15:00 Uhr. Doch die Dame an der Rezeption überrascht uns positiv: Unser Zimmer sei bereits fertig, wir könnten direkt hoch.

Perfekt.

Das gibt uns die Chance, unsere diversen nassen Jacken, Schuhe und sonstigen Regenopfer bis morgen noch halbwegs trocken zu bekommen. Also wird im Zimmer erst einmal alles aufgehängt, ausgebreitet und über Stühle drapiert.

Bevor wir losziehen, werfen wir natürlich noch einen Blick aus dem Fenster: Die Aussicht auf die Sydney Harbour Bridge ist tatsächlich fantastisch.

Allerdings hat der Nebel aus den Blue Mountains inzwischen offenbar beschlossen, ebenfalls nach Sydney umzuziehen.

Egal – wir brechen trotzdem auf.

Mit der Sydney Trains T1 North Shore Line fahren wir bis Town Hall Station und laufen von dort gemütlich Richtung Chinatown.

Unterwegs kommen wir an der beeindruckenden St Andrew’s Cathedral vorbei – mitten zwischen Hochhäusern steht die neugotische Kirche wie ein kleiner Zeitsprung in eine andere Epoche.

Der Hunger meldet sich bald darauf ziemlich deutlich. Also greifen wir zu einer sehr unkomplizierten Lösung: Streetfood beim Inder.

Wir bestellen Hühnchen mit schwarzem Pfeffer. Die Verkäuferin warnt uns vorsichtig, das sei very spicy. Andreas winkt großspurig ab: Das mache uns nichts aus.

Also nehmen wir eine kleine Portion zusammen mit Garlic Naan.

Zwei Minuten später sitzen wir beide da und hicksen synchron, weil das Ganze unfassbar scharf ist 🥵🤣.

Die Verkäuferin beobachtet uns eine Weile amüsiert und bringt uns schließlich eine Schüssel mit milder Butter-Chicken-Sauce, die wir unterrühren sollen. Danach geht es tatsächlich deutlich besser. Aber lecker war es nichtsdestotrotz – und erstaunlich günstig noch dazu.

Wir bummeln weiter durch die Straßen von Chinatown und landen schließlich in der berühmten Spice Alley in der Kensington Street.

Hier reiht sich ein kleiner asiatischer Streetfood-Stand an den nächsten: vietnamesisch, thailändisch, malaysisch, chinesisch, japanisch. Über den Gassen hängen bunte Lampions, überall klappern Woks und dampfen Nudeltöpfe, und man sitzt an einfachen Holztischen mitten im Gewusel.

Da ich schon lange einmal originale Ramen probieren wollte, nutze ich die Gelegenheit am japanischen Stand. Eine große Schüssel dampfender Nudelsuppe später bin ich sehr zufrieden mit dieser Entscheidung.

Inzwischen hat der Nebel endgültig dem Regen Platz gemacht. Beim weiteren Bummel achten wir deshalb darauf, möglichst oft unter Vordächern oder Arkaden entlangzulaufen.

Zwischendurch gönnen wir uns noch einen Nachtisch bei Noggi Frozen Yogurt und schaffen es später sogar noch rechtzeitig vor Ende der Happy Hour in den The Morrison Bar & Oyster Room für einen Cocktail.

Mittlerweile hat der Regen tatsächlich aufgehört. Also fassen wir einen spontanen Plan: Noch einmal zu Fuß über die Harbour Bridge laufen.

Oben auf der Brücke werden wir tatsächlich mit einem schönen Blick auf die Sydney Opera House und die Skyline belohnt. Der Hafen liegt ruhig unter uns, die Lichter beginnen langsam zu leuchten.

Und dann passiert das, was heute offenbar zum Tagesprogramm gehört: Irgendjemand dreht wieder den Regen-Schalter um.

Von einer Sekunde auf die andere öffnet sich der Himmel, und wir werden ein weiteres Mal komplett durchnässt.


Gegen 19:00 Uhr erreichen wir wieder das Hotel und schlüpfen erst einmal in trockene Sachen.

Danach erledigen wir den Online-Check-in für unseren morgigen Flug nach Bangkok und klären an der Rezeption noch, dass wir unser Zimmer bis 12:00 Uhr behalten dürfen – normalerweise wäre schon um 11:00 Uhr Schluss.

Den Rest des Abends verbringen wir entspannt im Zimmer und genießen die Aussicht auf die Harbour Bridge.

Langsam löst sich der mystische Nebel über dem Hafen auf, und am Ende zeigt sich Sydney doch noch einmal von seiner schönsten Seite: mit einem versöhnlichen Nachtbild aus funkelnder Brücke, Lichtern der Skyline und ruhigem Wasser im Hafen.

Ein passender Abschiedsgruß für unseren letzten Abend in Australien.