Australien

Auf der Suche nach Aussicht im Nebel der Blue Mountains

Neuer Tag – neues Glück? Nun ja. Zumindest wettertechnisch eher nicht.

Als wir morgens aus dem Fenster schauen, begrüßt uns wieder der Nebel des Grauens. Die Welt außerhalb des Campers wirkt wie mit einem grauen Filter überzogen – irgendwo da draußen müssten eigentlich die berühmten Schluchten der Blue Mountains liegen, aber heute sehen wir davon ungefähr so viel wie von der Skyline von Sydney neulich.

Andreas lässt sich davon nicht beirren und geht wie gewohnt seine Morgenrunde laufen. Mich dagegen lockt heute wirklich gar nichts aus dem Bett. Der Nebel wirkt erstaunlich überzeugend, wenn es darum geht, liegen zu bleiben.

Wir starten also in entsprechend gemütlichem Tempo in den Tag und überlegen beim Frühstück, was man mit so einem Wetter anfangen könnte. Wandern? Eher nicht. Ich habe ehrlich gesagt null Motivation, bei Regen und Nebel noch einmal kilometerlang durch die Gegend zu stapfen.

Die große Frage des Tages lautet also: Welchen Nebel schauen wir uns heute an?

Ganz auf dem Campingplatz bleiben wollen wir aber auch nicht. Also rollen wir gegen 10:30 Uhr einfach mal los und drehen eine Runde auf dem Blue Mountains Scenic Drive. Irgendwo entlang dieser Route muss es doch bestimmt etwas geben, das sich auch bei mittelmäßigem Wetter anschauen lässt.

Erster Versuch: das Mount Victoria Museum. Klingt vielversprechend.

In der Theorie zumindest.

In der Praxis stellen wir fest, dass das Museum nur samstags geöffnet hat. Heute ist leider nicht Samstag. Also weiter.

Nächster Versuch: die Hartley Historic Site. Das kleine historische Dorf liegt etwas abseits des Great Western Highway und gilt als eine der am besten erhaltenen Siedlungen aus der Kolonialzeit in New South Wales.

Im 19. Jahrhundert war Hartley ein wichtiger Zwischenstopp auf der Route zwischen Sydney und dem Inland – mit Gasthäusern, Gerichtshaus, Kirche und einigen stattlichen Sandsteingebäuden. Heute wirkt der Ort eher wie eine kleine Zeitkapsel: ein paar historische Häuser, weite Wiesen und erstaunlich viel Ruhe.

Wir laufen zunächst ein Stück zum Bell Rock, einem markanten Felsen oberhalb der Ebene, und anschließend noch über den Hartley Sculpture Trail.

Der Trail verspricht eigentlich Kunstwerke entlang des Weges.

Leider begegnen wir genau null Skulpturen.

Vielleicht sind sie im Nebel verschwunden. Oder wir haben sie einfach übersehen. Man weiß es nicht.

Anschließend schauen wir noch bei der alten Hartley Historic Village Service Station vorbei.

Die ehemalige Tankstelle ist heute eine Art Sammelparadies für alles, was irgendwie „Vintage“ ist. In den Räumen stapeln sich alte Möbel, angestaubtes Geschirr, Schallplatten, Puppen und Puppenwagen, Kronleuchter und allerlei Kuriositäten. Ein bisschen wie ein Flohmarkt, der dauerhaft eingezogen ist.

Das alte Hartley Courthouse und die historische St Bernards Church könnte man ebenfalls besichtigen – allerdings nur gegen 12 AUD Eintritt. Wir entscheiden uns spontan dagegen und fahren lieber weiter.

Der Rest der Fahrt über den Great Western Highway bleibt unspektakulär. Nebel, Regen, Straße. Zwischendurch beobachten wir an den Tankstellen ein ganz anderes Schauspiel: die explodierenden Spritpreise.

Zu Beginn unseres Urlaubs lag Diesel noch bei etwa 1,65 AUD. Jetzt sehen wir Preise von bis zu 2,40 AUD – mit erstaunlichen Schwankungen zwischen den einzelnen Stationen. Wo es günstiger ist, stehen teilweise lange Schlangen von Autos, die auf ihre Chance warten.

Wir nutzen eine halbwegs akzeptable Gelegenheit und tanken ebenfalls noch einmal voll.

Gegen 14:00 Uhr sind wir wieder zurück auf dem Campground.


Erst einmal ein bisschen chillen, dann beginnt langsam der organisatorische Teil des Tages: Koffer packen. Morgen früh geht es zurück nach Sydney, und der Camper muss abgegeben werden. Also wird sortiert, verstaut und versucht, alles wieder in halbwegs flugtaugliche Ordnung zu bringen.

Am späten Nachmittag laufen wir noch einmal nach Katoomba ins Städtchen, um etwas essen zu gehen.

Gegen 16:30 Uhr machen wir uns auf den Weg und kommen dabei an einem kleinen Street-Art-Walk vorbei, der sich entlang einiger Hauswände und Gassen zieht. Die bunten Murals bringen zumindest ein wenig Farbe in den grauen Tag – und gefallen uns deutlich besser als die große, deutlich berühmtere Street-Art-Szene in der Hosier Lane in Melbourne.

Schließlich landen wir im The Bowery.

Den Namen hatten wir anfangs übrigens versehentlich als „Brewery“ gelesen – was unsere Erwartungen in eine völlig andere Richtung gelenkt hatte. Statt Bierbrauerei erwartet uns jedoch ein stilvolles Restaurant in einer ehemaligen Kirche. Hohe Decken, warmes Licht, gemütliche Atmosphäre.

Das Essen ist hervorragend, der Service freundlich – ein richtig schöner Abschluss für unseren letzten Abend in den Blue Mountains.

Gegen 19:30 Uhr sind wir zurück am Campground. Es folgt noch ein Telefonat mit Andreas’ Eltern, bevor wir den Abend ruhig im Nebel ausklingen lassen.

Auch wenn das Wetter heute wirklich nicht viel hergegeben hat – irgendwie war es doch ein ganz passender letzter Camper-Tag.