Australien

Nebelklippen und Lyrebird-Balz im Regenwald

Andreas startet den Tag wie gewohnt sportlich und geht früh laufen. Ich nutze die Gelegenheit, währenddessen noch ein bisschen weiterzudösen – schließlich muss ja jemand die Schlafquote im Camper hochhalten.

Als er zurückkommt, bringt er ein paar richtig schöne Eindrücke aus den Blue Mountains mit – genau so, wie wir uns das hier erhofft hatten.

Und auch beim Frühstück überrascht das Wetter ein wenig: Die Sonne scheint tatsächlich noch, und unten im Tal liegt ein leichter Nebelschleier. Laut Wetterbericht sollte es eigentlich schon längst regnen. Also beschließen wir kurzerhand, das kleine Zeitfenster auszunutzen.

Der Abwasch vom Frühstück bleibt demonstrativ stehen – Prioritäten müssen schließlich richtig gesetzt werden.


Gegen 9:30 Uhr laufen wir direkt vom Campground los. Unser Ziel ist der Prince Henry Cliff Walk, einer der bekanntesten Wege entlang der Felskante der Blue Mountains.

Zunächst geht es zu den Katoomba Falls, wo das Wasser über mehrere Stufen in die Tiefe stürzt.

Danach folgen wir dem Cliff Walk weiter entlang der Felskante. Und sehr schnell wird klar: Dieser Weg ist eigentlich eine einzige Aneinanderreihung von Aussichtspunkten. Einer folgt auf den nächsten. Jeder mit vielversprechendem Namen und Infotafeln.

Nur leider gibt es ein kleines Problem.

Man sieht … nichts. Wirklich gar nichts. Nur Nebel.

Einer der Aussichtspunkte trägt sogar stolz den Hinweis, dass hier einmal Queen Elizabeth II gestanden hat. Wir hoffen sehr für sie, dass das Wetter an diesem Tag etwas kooperativer war als heute. Bei uns reicht die Aussicht nämlich ungefähr bis zum nächsten Geländerpfosten.

Ganz ohne Reiz ist das allerdings nicht. Der Nebel verleiht der Landschaft eine gewisse Mystik. Felsen tauchen plötzlich aus dem Grau auf, Bäume verschwinden wieder darin – fast wie eine Kulisse aus einem Fantasyfilm. Trotzdem hätten wir gegen ein kleines bisschen Panorama nichts einzuwenden.

Über uns schwebt zwischendurch die Gondel der Scenic Skyway über das Tal. Die Touristen darin rauschen durch die Wolken und fotografieren fleißig in alle Richtungen. Viel mehr sehen können sie allerdings auch nicht – aber vielleicht gehört das Fotografieren bei solchen Attraktionen einfach zum Pflichtprogramm.

Nach einer Weile tauchen schließlich die berühmten Three Sisters vor uns auf. Drei markante Felsnadeln, die sich aus dem Nebel schälen wie Geistergestalten. Zumindest ein bisschen lassen sie sich erkennen – mehr als viele der anderen Aussichtspunkte heute hergeben.

Kurz danach erreichen wir die Giant Stairway. Und dann geht es abwärts. Sehr weit abwärts.

Gefühlt ungefähr eine Million Stufen führen hinunter ins Tal. Meine Knie sind begeistert. Wirklich. Man merkt förmlich, wie sie sich bedanken.

Unten angekommen verändert sich die Landschaft plötzlich komplett. Vom Nebel merkt man hier kaum noch etwas. Stattdessen stehen wir mitten im feuchten, dichten Regenwald des Jamison Valley. Hohe Farne, moosige Felsen und das stetige Tropfen von Wasser aus den Baumkronen – das Ganze wirkt fast ein wenig wie eine Szene aus einem Jurassic-Park-Film.

Wir folgen nun dem Federal Pass, der am Fuß der Felsen entlangführt.

Die Geräuschkulisse hier unten ist beeindruckend. Vor allem die Papageien scheinen beschlossen zu haben, heute als Alleinunterhalter aufzutreten. Ihr Geschrei hallt durch den Wald, als würden sie versuchen, sich gegenseitig zu übertönen.

Unterwegs entdecken wir außerdem erstaunlich viele Pilze. Offensichtlich kündigt sich auch hier langsam der Herbst an.

Ein besonderes Highlight ist dann ein Vogel, den wir eine Weile beobachten können. Er hat einen langen, eleganten Schwanz und führt einen richtigen Balztanz auf – immer wieder stellt er sein Gefieder auf und präsentiert sich. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Superb Lyrebird, einen der berühmtesten Vögel Australiens. Die Männchen sind bekannt für ihre spektakulären Balzrituale und ihren fächerartigen Schwanz.

Der Weg führt uns weiter vorbei an den Marguerite Cascades und den Linda Falls. Überall plätschert und rauscht Wasser über moosige Felsen – das passt erstaunlich gut zur feuchten Regenwaldstimmung.

Schließlich erreichen wir den Amphitheatre Track. Und genau hier meldet sich der Wetterbericht zurück.

Erst ein fernes Grollen. Dann noch eins.

Und kurz darauf beginnt es zu regnen. Nicht nur ein bisschen, sondern so richtig. Der Himmel öffnet seine Schleusen und innerhalb weniger Minuten sind wir ordentlich durchnässt.

Aber ändern können wir es ohnehin nicht. Also laufen wir unsere Runde tapfer weiter.

Unterwegs kommen wir noch an den Leura Cascades und den Upper Leura Cascades vorbei. Wasserfälle wirken bei Regen ja bekanntlich besonders authentisch.


Schließlich verlassen wir den Rundweg und laufen hinüber ins kleine Städtchen Katoomba. Nach der Wanderung meldet sich langsam der Hunger, und wir machen uns auf die Suche nach einem späten Lunch.

Fündig werden wir schließlich in einem kleinen Sushi-Restaurant. Neben Sushi vom Fließband gibt es dort auch andere japanische Gerichte. Andreas bleibt beim Sushi, während ich mich für ein Udon-Nudelgericht mit Garnelen entscheide.

Danach bummeln wir noch ein wenig durch die Main Street von Katoomba, schauen in ein paar Läden und lassen es langsam angehen. Der Regen hat inzwischen etwas nachgelassen.

Schließlich laufen wir zurück zum Camper und erreichen den Campground gegen 16:30 Uhr.

Erste Maßnahme: raus aus den nassen Sachen und eine warme Dusche. Danach holen wir den Abwasch vom Morgen nach – der stand ja noch demonstrativ in der Spüle – und gehen anschließend zum gemütlichen Teil des Tages über.