Australien
Abschied von der Küste – ein Tag im Booderee Nationalpark
Der erste Blick heute Morgen gilt dem Kühlschrank. Natürlich ist das Eisfach komplett abgetaut und alles schwimmt fröhlich im Wasser. Also erst mal den Motor starten und fünf Minuten laufen lassen, damit der Kühlschrank wieder in Fahrt kommt – und anschließend die kleine morgendliche Aufräumaktion.
Während Andreas seine übliche Morgenrunde laufen geht, kümmere ich mich um den Rest, damit wir frühstücken können, wenn er zurück ist. Danach lassen wir es heute eher gemütlich angehen: den Camper ein paar Kilometer bewegen (Stichwort Batterie 🙄) und ansonsten hier im Booderee National Park noch ein bisschen wandern.
Gegen 9:30 Uhr machen wir uns vom Campground aus auf Richtung Murrays Beach.
Von dort laufen wir auf dem Murrays Trail: zunächst oberhalb der Küste durch den Busch, immer wieder mit Blick hinunter auf den Strand, bis zum Governor Head.
Von hier schauen wir hinüber zur Bowen Island – und halten natürlich Ausschau nach Delfinen, die man hier öfter sieht.
Ein Stück weiter kommen wir am spektakulären Devils Elbow vorbei. Die steilen Klippen hier gehören zu den ältesten Gesteinsformationen im Park. Gelb-brauner Sandstein, durchzogen von Schichten aus Schiefer und Schluffstein, in denen sogar rund 280 Millionen Jahre alte Meeresfossilien gefunden wurden. Die Felsen fallen an die 60 Meter tief ins Meer ab – beeindruckend anzusehen, aber definitiv kein Ort, an dem man der Klippenkante zu nahe kommen sollte.
Heute ist es extrem schwül und warm – vielleicht schon ein kleiner Vorgeschmack auf Bangkok nächste Woche. Wir wollen uns aber mal nicht beklagen. Nach drei Tagen grauem Himmel fühlt sich das eher wie ein verspätetes Küstengeschenk an.
Was uns heute außerdem auffällt: Wir sehen ungewöhnlich viele Bull Ant. Diese riesigen roten Ameisen sind wirklich beeindruckend – und ein bisschen furchteinflößend. Sie gelten als ziemlich wehrhaft und ihr Stich soll nicht gerade angenehm sein. Wir haben sogar gelesen, dass sie besonders aggressiv werden können, wenn man ihrem Bau zu nahe kommt.
Dieser ist kein klassischer Ameisenhaufen, sondern eher ein unscheinbarer Eingang, der wie ein Tunnel direkt in den Boden führt. Wir halten respektvollen Abstand, da wir das Gelesene nicht unbedingt am eigenen Leib überprüfen wollen.
Unterwegs haben wir dann noch eine nette Begegnung: Ein Polizeiauto fährt langsam an uns vorbei, hält kurz an und fragt, ob bei uns alles in Ordnung sei und wohin wir unterwegs seien. Wahrscheinlich hat mein hochroter Kopf bei der Schwüle etwas alarmierend ausgesehen. Sie bieten uns sogar Wasser an – unglaublich freundlich. Aber wir sind gut versorgt und bedanken uns.
Gegen 12:00 Uhr sind wir wieder am Parkplatz. Zeit für den nächsten Tagesmodus: Wanderkluft gegen Beach-Kluft tauschen, Strandtücher schnappen und runter zum Murrays Beach.
Es ist unser letzter Tag an der Küste, bevor wir morgen in die Blue Mountains weiterfahren – und bei Sonnenschein muss man da nicht lange überlegen. Also verbringen wir den gesamten Nachmittag am Strand.
Immer wieder ins türkisblaue Wasser springen, sich in der Sonne aufwärmen, wieder ins Wasser hüpfen – das Ganze in angenehmer Endlosschleife. Andreas versucht sich zwischenzeitlich an einer Sandburg, ich nutze die Gelegenheit zum Chatten nach Hause. So vergeht der Nachmittag schneller, als man denkt.
Gegen 16:30 Uhr brechen wir auf. Noch kurz im Supermarkt ein Eis holen, dann zurück zum Campingplatz.
Dort folgt das übliche Camper-Szenario. Da das Huhn aus unserem Witz von einem Kühlschrank als erstes verarbeitet werden muss, wird direkt gekocht: Chicken Tikka Masala, Brokkoli und Reis. Solide Campingküche – komplett ohne Strom.
Abends machen wir noch einen letzten Strandspaziergang. Morgen verlassen wir die Küste, und das hier ist unser letzter Abend am Meer. Die Bucht verabschiedet sich mit einer besonders schönen Lichtstimmung.
Auf dem Rückweg zum Platz läuft uns dann im Dunkel tatsächlich noch ein Brushtail Possum über den Weg – eines dieser Beuteltiere mit langem Schwanz, die man auch oft auf den gelben Warnschildern an australischen Straßen sieht. Ein bisschen wie eine Mischung aus Katze, Eichhörnchen und großer Ratte. Damit ist unsere Wildlife-Sammlung wieder um eine Begegnung reicher.
Zurück am Camper genießen wir noch ein bisschen die Abendstimmung – und verschwinden dann irgendwann in die Koje.