Australien
Zwischen Leuchtturmlicht und Südseegefühl
Der Tag beginnt mit „Fernsehen im Bett“. Sendetitel: Die Kängurus und das Meer.
Wir öffnen die hinteren Türen des Campers und liegen noch unter der Decke, während draußen die Kängurus über den Strand ziehen. Einige stehen direkt am Wasser, andere hüpfen durch den Sand, und es sieht wirklich fast so aus, als würden sie überlegen, ob sie nicht doch noch in die Wellen springen sollen. Besser kann ein Morgen nicht starten.
Irgendwann reißen wir uns los – der Tag wartet.
Duschen, frühstücken, spülen – die üblichen Camper-Rituale – und gegen 9:00 Uhr rollen wir los.
Nach etwa 45 Minuten erreichen wir Ulladulla und machen Halt am Warden Head Lighthouse. Der kleine, weiß gestrichene Leuchtturm wurde ursprünglich an einer anderen Stelle im Hafen errichtet und 1889 an seinen heutigen, exponierteren Standort versetzt. Gemeinsam mit den Lichtern auf Montague Island und Green Cape bildete er einst ein Navigationsdreieck für die Schifffahrt entlang der Südküste von New South Wales.
Gebaut aus dicken Eisenplatten, mit runden Bullaugenfenstern – eher ungewöhnlich für australische Leuchttürme – wirkt er fast ein wenig maritim-industriell. Die Technik entwickelte sich im Laufe der Zeit vom Öllampenschein über Acetylen bis zur Elektrifizierung. Heute reicht sein Licht beeindruckende 28 Kilometer weit hinaus aufs Meer und weist noch immer Schiffen den Weg.
Der kleine Rundweg durchs Warden Head Reserve führt durch lichten Küstenwald. Zwischen den Bäumen kündigt sich langsam der Herbst an – und tatsächlich entdecken wir die ersten Pilze am Wegesrand. Gegen 11:00 Uhr sind wir zurück am Auto und setzen unsere Fahrt fort.
In Vincentia erledigen wir noch schnell ein paar Einkäufe bei Coles – dann geht es weiter zu einem der berühmtesten Strände Australiens: Hyams Beach.
Und ja – das mit dem weißen Sand stimmt wirklich. Hyams Beach wird oft als einer der weißesten Sandstrände der Welt bezeichnet und schaffte es damit sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Der Sand ist so hell, dass er im Sonnenlicht fast blendet. Dazu dieses türkisfarbene Wasser – Südseegefühl inklusive.
Wir entdecken sogar Delfine vom Strand aus, die draußen ihre Bögen ziehen (natürlich nur gaaaanz winzig 😉)
Und natürlich wird angebadet – der neue Badeanzug feiert Premiere. Die Wellen sind moderat, das Wasser frisch, aber erträglich. Nach all den Küstentagen, an denen wir eher spazieren als schwimmen waren, fühlt sich das besonders gut an.
Wir bleiben lange. Einfach sitzen, schauen, laufen, nochmal ins Wasser. Es ist einer dieser Strände, an denen man die Zeit vergisst.
Gegen 15:30 Uhr fahren wir weiter zu unserer nächsten Station: Green Patch Campground im Booderee National Park.
Hier bleiben wir zwei Nächte – allerdings ohne Stromanschluss. Also Energiesparmodus: außer dem Kühlschrank bleibt alles aus. Gekocht wird deshalb heute auch nicht im Camper, sondern ganz pragmatisch am BBQ des Campgrounds.
Auf dem Grill landet Lammrücken – perfekt gegart. Ein klares Lob an den Grillmeister 👍
Später drehen wir noch eine große Runde über den Platz. Die Lage ist wunderschön: eigener Strand, viel Grün, mitten im Nationalpark. Trotzdem bleibt ein Stirnrunzeln – für das Gebotene finden wir den Preis doch außerordentlich sportlich.
Aber im Gesamtbudget dieser Reise geht das wohl im großen Rauschen unter 🤣 Also beschließen wir, uns nicht weiter darüber aufzuregen und einfach die Umgebung zu genießen.
Der Abend verläuft eigentlich genauso ruhig, wie wir es uns vorgestellt hatten. Ein bisschen draußen sitzen, aufs Meer hören, den Tag Revue passieren lassen. Weißer Sand, Delfine, Leuchtturm – das war schon ziemlich gut.
Und dann passiert das, womit wir insgeheim ohnehin gerechnet hatten: Der Kühlschrank beginnt zu piepen.
Nicht überraschend. Nicht dramatisch. Eher erwartbar. Die einzige offene Frage war ja nie ob, sondern wann – nach drei oder nach fünf Stunden ohne Strom. Unser Camper bleibt sich treu: eine rollende Fehlkonstruktion.
Wir nehmen es zur Kenntnis, organisieren innerlich schon mal den Speiseplan nach Dringlichkeit („Was muss morgen als Erstes weg?“) und beschließen, uns davon die Laune nicht verderben zu lassen.
Unpowered heißt eben wirklich unpowered.
Mit leicht ironischem Kopfschütteln über unsere mobile Wohnlösung geht schließlich das Licht aus – morgen sehen wir weiter.