Australien

Sydney erstrahlt – Willkommen 2026

Noch einmal kommen drei Stunden Zeitverschiebung zu den sieben von Singapur obendrauf. Unser Körper ist entsprechend verwirrt, der Schlaf auch. Gegen 5:00 Uhr sind wir hellwach, schaffen es dann aber doch noch, bis etwa 9:00 Uhr weiterzuschlafen. Gut so, denn heute wird ein langer Tag.

Viel Zeit bleibt dann allerdings nicht mehr. Um 10:30 Uhr startet unsere Stadtführung, die wir bei Sydney Sights gebucht haben – „Walk with a Local“. Also schnell unter die Dusche, dann ein fixes Frühstück im Zimmer: Müsli mit Obst, Granola und Joghurt, dazu Instant-Kaffee. Nicht glamourös, aber effektiv.


Gegen 10:00 Uhr brechen wir auf. Wie sich zeigt, ist das aber recht sportlich knapp kalkuliert: die T1 fährt nur in größeren Abständen und wir kommen erst ein paar Minuten nach dem offiziellen Startzeitpunkt der Tour an der Station Townhall an. Mit leicht erhöhtem Puls halten wir Ausschau nach Guides in grünen T-Shirts – und entdecken sie zum Glück sofort. Sie stehen entspannt in einer größeren Gruppe vor der St Andrew’s Cathedral. Glück gehabt. Für heute Abend merken wir uns trotzdem: früher losgehen. Die Silvester-Cruise wird sicher nicht auf uns warten.

Die Führung beginnt mit einem Streifzug durch Sydneys Geschichte. Es geht um die Aborigines als ursprüngliche Bewohner des Landes, um die britische Kolonialzeit und die Stadtentwicklung – immer wieder untermalt von kleinen Anekdoten, die das Ganze lebendig machen.

Erste Station ist das Queen Victoria Building. Das prachtvolle Gebäude aus der Zeit um 1900 mit seinen Kuppeln, Mosaiken und Glasfenstern war ursprünglich als Markthalle gedacht und ist heute ein Einkaufszentrum.

Weiter geht es in den Hyde Park, die grüne Lunge der Innenstadt. Der von Frankreich gestiftete Archibald Fountain mit seinen mythologische Figuren soll ein Symbol für Frieden nach dem Ersten Weltkrieg sein.

Gleich daneben erhebt sich die St Mary’s Cathedral, die wichtigste katholische Kirche Australiens. Sie ist im neugotischen Stil erbaut, erinnert stark an europäische Kathedralen und steht sinnbildlich für den Einfluss der Kirche während der Kolonialzeit.

Am Sydney Hospital bleiben wir bei einem eher unscheinbaren Detail stehen: einer kleinen Schweinefigur. Wer ihr über die Nase reibt, soll Glück haben. Gleichzeitig steht das Schwein auch für die koloniale Geschichte des Landes – unter anderem für medizinische Versorgung, die den Siedlern Stabilität brachte und Unabhängigkeit von Großbritannien förderte.

Ein eher verstecktes, aber spannendes Highlight ist Angel Place mit den berühmten Vogelkäfigen. Hoch über der Gasse hängen leere Käfige, aus Lautsprechern ertönen Vogelrufe. Die Installation erinnert an das Verschwinden einheimischer Vogelarten durch Urbanisierung – leise, aber eindringlich.

Zwischendurch gibt es eine kurze, etwa 15-minütige „Mittagspause“ am Gateway Food Center. Offiziell zum Toilettengang, inoffiziell auch zum Durchatmen.

Danach stehen die großen Ikonen auf dem Programm. Am Sydney Opera House geht es um die bewegte Entstehungsgeschichte des Gebäudes – von der visionären Idee über explodierende Kosten bis zur späten Anerkennung des Architekten Jørn Utzon. Auch die Harbour Bridge kommt nicht zu kurz. Wir erfahren, wie sie in den 1930er-Jahren gebaut wurde, wie wichtig sie für die Verbindung der Stadtteile war – und dass sie bis heute eines der wichtigsten Wahrzeichen Australiens ist.

Um 13:15 Uhr endet die Tour. Zum Abschluss gibt es noch Hinweise auf die besten Aussichtspunkte fürs Feuerwerk, die für uns allerdings theoretischer Natur bleiben – wir haben ja unsere Cruise gebucht.


Wir laufen anschließend über die Harbour Bridge zurück nach North Sydney. Von oben beobachten wir tausende Menschen, die schon jetzt – mehr als zehn Stunden vor Mitternacht – Decken, Rucksäcke und Kühltaschen strategisch positioniert haben. Silvester in Sydney ist definitiv kein Last-Minute-Event.

Bevor wir ins Hotel zurückkehren, stoppen wir noch in einem Supermarkt beziehungsweise einem BWS Store – Beer, Wine, Spirits. Das muss man hier erst einmal wissen. Wir besorgen ein paar Getränke für den Abend, denn auf der Cruise gilt: ein Glas Sekt zur Begrüßung ist inklusive, Essen und Softdrinks auch – alles andere heißt BYO, bring your own.

Zurück im Hotel machen wir uns frisch und legen eine kurze Verschnaufpause ein. Der Abend wird lang. Gegen 16:00 Uhr brechen wir schließlich wieder auf, diesmal in Richtung Darling Harbour.


Von der Metro-Station Barangaroo aus schlendern wir entspannt die gleichnamige Avenue entlang in Richtung Darling Harbour. Die Gegend wirkt modern, geschniegelt und ziemlich international – ein schöner Kontrast zum historischen Teil der Stadt. Als wir den Anleger für unser Boot gefunden haben, gönnen wir uns in einem der Restaurants am Wasser noch eine Margarita. Schließlich ist heute Silvester.

Gegen 18:00 Uhr läuft unser Boot ein: „Champagne Sailing“. Insgesamt sind wir etwa 30 Passagiere, eine bunte internationale Mischung. Schnell kommen wir mit einem amerikanischen Paar aus Nebraska ins Gespräch – sehr nett, sehr unkompliziert. Die Stimmung an Bord ist von Anfang an entspannt.

Etwa eine Viertelstunde später legen wir ab, gleiten durch den Hafen und unter der Harbour Bridge hindurch, bevor wir an einer Position ankern, von der aus man beste Sicht auf das Feuerwerk hat.

Es gibt Begrüßungssekt – der erstaunlicherweise immer wieder nachgeschenkt wird. Unsere eigenen Getränke bleiben daher weitgehend unberührt, mit Ausnahme von Andreas’ Bier. Auch das Essen an Bord ist völlig in Ordnung: kalte Vorspeisen, BBQ und zum Abschluss viel frisches Obst.

Aber natürlich ist das alles nur Beiwerk. Alle warten auf das große Highlight des Abends.

Um 21:00 Uhr gibt es zunächst ein erstes, kleineres Feuerwerk. Es dauert nur etwa fünf Minuten, dient vor allem Familien und Kindern als frühe Feier – und ist trotzdem ein wunderschöner Vorgeschmack. Ein verzauberter Himmel über dem Hafen, begleitet von kollektivem Staunen an Bord.

Danach heißt es: warten. Die Stimmung bleibt gut, wir wechseln immer wieder ein paar Worte mit unterschiedlichen Leuten, schauen auf das Lichtermeer der Stadt – und merken langsam, dass es ganz schön frisch wird. Ich bin echt froh, mich gegen ein Kleid entschieden zu haben. Sonst hätte ich mir hier definitiv den Hintern abgefroren.

Eine Gruppe junger Mädchen an Bord hält tapfer in ihren leichten Outfits durch – sehr schick, aber sie müssen ganz schön viel trinken und ziemlich laut singen, um die Kälte ignorieren zu können 😅.

Kurz vor Mitternacht steigt die Spannung spürbar. Dann ist es endlich so weit: das große Neujahrsfeuerwerk beginnt. Und es ist schlicht überwältigend. Explosionen aus Licht, Farben und Formen, perfekt inszeniert über Opernhaus, Harbour Bridge und Skyline. Der Himmel scheint zu brennen, das Wasser spiegelt alles wider, die Stimmung an Bord ist ausgelassen, euphorisch, einfach mega. Ein echtes Gänsehaut-Erlebnis und definitiv das beeindruckendste Feuerwerk, das wir je gesehen haben.

Nach Mitternacht machen wir uns langsam auf den Rückweg in Richtung Hafen. Das dauert – verständlicherweise – etwas, denn unzählige Boote müssen koordiniert wieder zurück.

Gegen 1:15 Uhr legen wir am Darling Harbour an, eine Viertelstunde später stehen wir an der Metro-Station. Hier heißt es zunächst anstehen: Menschenmassen wollen gleichzeitig nach Hause. Aber es geht schneller als erwartet, und gegen 2:00 Uhr sind wir wieder im Hotel.

Dann nur noch schnell in die Koje schlüpfen, nachdem wir mit allen Daheimgebliebenen Neujahrsgrüße ausgetauscht haben.

Ein langer, intensiver Tag – und ein ziemlich perfekter Start ins neue Jahr.