Australien
Seebärenkino zwischen Mystery Bay und Bingi Bingi
Der Himmel zeigt sich heute Morgen deutlich versöhnlicher als gestern. Noch kein strahlendes Blau, aber Bewegung in den Wolken, Struktur, Aufhellungen – wir wittern Wetterbesserung. Andreas dreht früh seine Laufrunde, ich bleibe noch ein paar Minuten im Halbschlafmodus liegen.
Beim Frühstücksvorbereiten gibt es dann unerwarteten Besuch: Eine Känguru-Dame mit Nachwuchs im Beutel steht plötzlich direkt vor der offenen Campertür. Gerade mal einen Meter entfernt. Sie schnuppert, reckt neugierig den Kopf herein und mustert sehr interessiert die Lunch-Brote, die ich gerade schmiere. Man hätte wirklich meinen können, sie überlegt, ob sie höflich nach einem Bissen fragen soll.
Als Andreas vom Duschen zurückkommt, muss er sich fast an ihr vorbeischlängeln. Madame zeigt keinerlei Eile. Als sie aber dann ernsthafte Einzugspläne schmiedet und zum Sprung ansetzt, ziehen wir vorsichtshalber den Vorhang zu.
Das scheint sie persönlich zu nehmen – nach einem kurzen, beleidigten Innehalten hüpft sie weiter zum Nachbarplatz, wo sie offenbar erfolgreicher ist.
Wir frühstücken in Ruhe, packen alles zusammen und rollen gegen 9:30 Uhr schließlich los in Richtung Batemans Bay.
Gegen 11:00 Uhr erreichen wir den ersten Zwischenstopp Mystery Bay. Und tatsächlich: Erste blaue Fetzen am Himmel! Die Sonne kämpft sich durch, die Luft ist angenehm warm – nur das Wasser bleibt kompromisslos eiskalt 🥶
Wir spazieren am Strand entlang, genießen das Licht, das plötzlich wieder alles freundlicher erscheinen lässt, und kommen anschließend noch mit einem australischen Pärchen ins Gespräch, das neben uns parkt. Nach einer guten Dreiviertelstunde geht es weiter.
Nächster Halt: Narooma. Wir laufen hinaus zur Landzunge Bar Rock Lookout.
Und dort liegen sie – die australischen Seebären – auf den Felsen, geschniegelt von der Sonne, während andere elegant durch die Wellen pflügen. Direkt vor uns, ohne Zaun, ohne Eintritt. Wir setzen uns mit unserem Lunch in die erste Reihe und genießen Naturdoku live. Sehr cool.
Nur wenige Schritte weiter befindet sich der berühmte Australia Rock – ein Felsen mit einem Loch, das tatsächlich erstaunlich stark an die Umrisse Australiens erinnert.
Und wenn man genau durch dieses „Australien“ hindurchschaut, entdeckt man dahinter noch einen zweiten kleinen Felsbogen. Quasi ein Double Arch. Küstenkunst vom Feinsten.
Gegen 14:00 Uhr brechen wir wieder auf.
Eine Stunde später erreichen wir Bingi Bingi Point.
Hier fallen sofort die ungewöhnlichen Felsformationen ins Auge: Helle und dunkle Gesteinsschichten durchziehen sich gegenseitig – entstanden aus unterschiedlichen Magmen, die vor rund 380 Millionen Jahren tief unter der Erde eingeschlossen wurden und sich nie richtig vermischten.
Viel länger als eine halbe Stunde bleiben wir allerdings nicht – die Rezeption unseres nächsten Campgrounds schließt bald, und wir wollen rechtzeitig da sein.
Zwei Minuten vor Toresschluss rollen wir auf den Platz. Leicht hektisch – und völlig unnötig, wie sich herausstellt. Für Spätankömmlinge gibt es einen Safe mit allen Infos. Die SMS mit dem Code hatte ich sogar schon bekommen. Nun ja. Sicher ist sicher.
Wir richten uns gemütlich ein – unser Stellplatz liegt direkt am Meer. Besser geht’s kaum. Ein paar Kängurus hüpfen über die Wiese, die Brandung rauscht, wir lehnen uns zurück und lassen den Tag Revue passieren. So darf Ankommen aussehen.
Kulinarisch bleibt es heute einfach obwohl es opulent klingt: ein 3-Gänge-Menü auf dem Campingplatz: Vorspeise: ein schnell zusammengerührter Caesar Salad. Hauptgang: Seafood Salad von der Frische-Theke im Supermarkt. Nachtisch: ein aufgewärmtes Süppchen aus dem Whole Foods.
Mit Blick aufs Meer klingt der Abend entspannt aus. Noch ein bisschen sitzen, schauen, genießen – und schon ist wieder ein Tag vorbei.