Australien
Ein grauer Tag an der Küste
Der Tag beginnt so, wie angekündigte Regentage eben beginnen: ohne Eile. Da ohnehin nichts als Niederschlag gemeldet ist, drehen wir uns nochmal gemütlich im Bett um und schlafen aus. Andreas dreht später trotzdem eine Laufrunde – unerschütterlich – während ich den ersten Blick nach draußen wage: grau. Komplett grau.
Zum Frühstück bekommen wir Besuch von ein paar Kängurus – allerdings nicht als vorbeiziehende Statisten, sondern als sehr aufmerksame Beobachter. Keine zwei Meter entfernt sitzen sie im Gras, schauen uns unverwandt an und wirken dabei erstaunlich interessiert an unserem Speiseplan.
Während wir gemütlich unsere Brote schmieren, scheinen sie jede Bewegung zu verfolgen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass zumindest eines davon ernsthaft überlegt hat, ob ein Nutellabrot wohl in sein Beuteschema passen würde.
Besseres Frühstücksfernsehen gibt es nicht – nur diesmal sind wir offenbar die Sendung 😅.
Noch ist es trocken, also nutzen wir das Zeitfenster und fahren gegen 9:15 Uhr nach Merimbula. Ein bisschen Bewegung, ein bisschen Stadtbummel – mehr erwarten wir heute gar nicht.
Der Mundooi Walk führt uns rund um die Back Lagoon. Anfangs stapfen wir durch tiefen Sand, der ein bisschen kräftezehrend ist – jeder Schritt ein kleines Workout.
Später wird der Weg fester und führt durch lichten Küstenwald. Hier passt das Wetter plötzlich ganz gut: Das gedämpfte Licht lässt alles ruhiger wirken, die Farben satter, der Wald fast ein bisschen mystisch. Immer wieder stehen am Weg hohe Termitenhügel – kleine architektonische Meisterwerke, perfekt klimatisiert und stabiler gebaut als so manches Menschenhaus.
Wir überqueren den Merimbula Creek, der still unter uns dahinfließt. Ab und zu durchbricht ein springender Fisch die glatte Oberfläche. Ein Plattypus wäre natürlich die Krönung gewesen – für unsere persönliche Wildlife-Sammlung fehlt das schließlich noch – aber man kann nicht alles haben.
Anschließend drehen wir eine Runde durch die Innenstadt. In der Market Street ist es angenehm entspannt. Ich erstehe spontan einen neuen Badeanzug – optimistisch wie ich bin. Drei Tage Küste liegen schließlich noch vor uns. Irgendwo wird sich doch noch ein Sonnenfenster auftun 😉.
Danach laufen wir über den Djirringanj Walking Track durch den Rotary Park. Auf mehreren Schautafeln wird die Geschichte der Djirringanj People erzählt, die hier seit Tausenden von Jahren lebten. Wir lesen, wie sie die Pflanzen der Region nutzten – für Nahrung, Werkzeuge und Medizin – und wie stark ihr Leben mit den Lagunen, Flüssen und dem Meer verbunden war.
Spektakulär ist das alles nicht. Aber es ist genau das Richtige für so einen Vormittag.
Gegen 13:30 Uhr erreichen wir wieder den Parkplatz an der Tura Beach. Der Nieselregen wird langsam ernsthafter. Wir essen unsere Brote im Auto und studieren dabei den Bordcomputer, der uns erneut mitteilt, dass wir Kühlmittel nachfüllen sollen. Vor zehn Tagen hat Ignorieren geholfen. Wissenschaftlich nicht fundiert – aber erfolgreich. Wir beobachten das also weiter mit australischer Gelassenheit.
Ein kurzer Stopp bei Woolworths zum Auffüllen der Vorräte – und siehe da: Die Kühlmittelmeldung ist verschwunden. Manchmal lösen sich Probleme eben von selbst.
Zurück in Pambula Beach regnet es inzwischen richtig. Um 15:00 Uhr sind wir wieder am Campground, und kurz darauf prasselt es beständig aufs Camperdach. Aber wir sind nicht überrascht – genauso war es angekündigt.
Also machen wir es uns drinnen gemütlich. Lesen, Nachrichten schauen, Karten spielen. Irgendwann wird Pasta gekocht – unkompliziert und lecker.
Draußen trommelt der Regen, drinnen ist es trocken und warm. Nicht jeder Tag muss spektakulär sein. Manche sind einfach nur ruhig.
Und wer weiß – vielleicht hebt sich der Vorhang morgen wieder ein Stück.