Australien

Ein leiser Tag am Bottom Lake

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen des gepflegten Nichtstuns. Wir schlafen aus, frühstücken in aller Ruhe und machen uns gegen 9:30 Uhr direkt vom Campground auf den Weg zu einem Spaziergang entlang des Bottom Lake.

Boot oder Kanu lassen wir bleiben – der Wind pfeift ordentlich übers Wasser. Für meine Knie wäre Paddeln zwar vermutlich die komfortablere Variante gewesen, aber gegen Windböen anzukämpfen klingt jetzt auch nicht nach maximalem Urlaubsgenuss. Also laufen wir.

Der Himmel ist komplett bedeckt, Sonne Fehlanzeige. Aber nur auf dem Campingstuhl sitzen ist auch keine Option. Also gehen wir los – einfach immer am Ufer entlang.

Angler sind hier eindeutig in der Überzahl. Manche hochkonzentriert, andere tiefenentspannt. Andreas kommt mit einigen ins Gespräch und fachsimpelt über Köder, Fangquoten und die „richtige“ Technik. Ich höre interessiert zu – zumindest so lange, bis das Thema sehr detailliert wird 😉

Später landen wir wieder an der Fischsäuberungsstation. Und da ist sie wieder: die Pelikan-Show.

Ein besonders ambitioniertes Exemplar staubt einen erstaunlich großen Fisch ab. Danach beginnt ein durchaus dramatischer Verdauungskampf. Der Hals arbeitet sichtbar, der Schnabel geht auf und zu, der ganze Vogel wirkt kurzzeitig leicht überfordert. Naturdokumentation in Echtzeit.

Noch spannender wird es, als wir beobachten, wie ein Pelikan scheinbar seinen kompletten Kopf im Hals eines anderen versenkt. Unser erster Gedanke: dreister Fischdiebstahl. Ein Umstehender klärt uns auf – es handelt sich um die Fütterung eines Jungtiers. Aha. Wieder was gelernt. Sieht spektakulärer aus, als es ist.


Gegen 14:00 Uhr sind wir zurück am Camper. In gemütlichem Tempo haben wir immerhin 12 Kilometer gesammelt. Kilometerstand des Campers: 0. Auch das hat Qualität.

Der Nachmittag gehört dem Müßiggang: Beine hochlegen, ein Glas Wein, Papierkram der letzten Wochen aufarbeiten, mit Christian telefonieren. Nebenbei beobachten wir unsere Nachbarn beim Finska-Spielen – hochkonzentriert und erstaunlich ehrgeizig.

Direkt neben unserer Site sitzt inzwischen wieder ein Koala im Baum und mampft stoisch Eukalyptusblätter. Er bewegt sich kaum, wirkt aber vollkommen zufrieden mit seiner Lebensentscheidung. Ein gutes Vorbild für heute.

Gegen 18:00 Uhr spazieren wir noch einmal ins Städtchen. Kochen? Heute nicht. Im Mallacoota Hotel werden wir fündig: Andreas entscheidet sich standesgemäß für Fish & Chips, ich nehme mexikanische Tacos. Eine solide, unkomplizierte Wahl – passend zum Tag.

Zurück am Camper lassen wir den Abend genauso ausklingen, wie er begonnen hat: Karten spielen, lesen, früh ins Bett.

Kein Adrenalin, kein Abenteuer. Aber viel Wind, ein kämpfender Pelikan, ein fütterndes Elterntier und ein Koala mit beneidenswertem Lebensstil.

Und manchmal ist genau das vollkommen ausreichend.