Australien
Highway, Kaffeejagd und hungrige Pelikane
Der Tag beginnt ruhig. Andreas kränkelt ein wenig und verzichtet auf seine morgendliche Laufrunde. Auch das Frühstück fällt reduziert aus – eine schnelle Portion Müsli, mehr nicht. Dafür sind wir bereits um 8:30 Uhr abfahrbereit.
Was ganz praktisch ist, denn auch heute liegt eine ordentliche Strecke vor uns. Es geht über die Great Alpine Road Richtung Nordosten – das letzte größere Teilstück in Victoria.
Der Himmel zeigt sich wechselhaft. Mal Sonne, mal ein kurzer Schauer. Uns stört das nicht weiter – der Camper bekommt immerhin eine kleine Gratiswäsche verpasst.
Die Fahrt selbst ist… nun ja… Highway. Viel Landschaft, wenig Ortschaften. Dafür tauchen in regelmäßigen Abständen verheißungsvolle Schilder auf: „Coffee“. Ein kleiner Muntermacher wäre durchaus willkommen. Doch an wirklich jeder dieser Locations hängt nach der großen Ankündigung dann entweder ein „Closed“-Schild oder gleich „For Sale“. Ein koffeintechnisches Trauerspiel.
Erst in Cann River werden wir schließlich fündig. Ein großes Stück Kuchen, ein noch größerer Cappuccino – und die Welt sieht wieder deutlich freundlicher aus. Die letzten 70 Kilometer lassen sich damit gut bewältigen.
Gegen 12:45 Uhr erreichen wir Mallacoota und checken auf dem riesigen Campground ein. Ohne Lageplan wäre man hier vermutlich verloren. Wir bekommen eine großzügige Site, schließen alles an und kommen erst einmal an.
Beim Erkunden des Platzes entdecken wir – kaum angekommen – schon wieder Koalas. Zwei Stück, gemütlich im Baum. Es kündigt sich ein tierischer Aufenthalt an.
Später laufen wir eine Runde am Bottom Lake entlang.
Zahlreiche Pelikane und andere Wasservögel sind unterwegs.
Besonders spektakulär wird es an der Stelle, an der die Angler ihre Fische säubern. Dort versammelt sich ein regelrechter Pulk von Pelikanen, die geduldig – oder weniger geduldig – auf Fischreste und Gräten warten.
Ein beeindruckendes Schauspiel: Schnäbel schnellen vor, Flügel werden ausgebreitet, Möwen werden konsequent verjagt. Jeder kämpft um den besten Happen. Naturdokumentation live.
Wir schauen noch beim Bootsverleih vorbei und überlegen, morgen vielleicht aufs Wasser zu gehen. Aber der Wind soll in den nächsten Tagen recht kräftig werden. Also vertagen wir die Entscheidung und holen uns im Visitor Center noch ein paar Alternativideen.
Zurück am Campground wird die Wäsche von der Waschmaschine in den Trockner umgeladen – auch das gehört zum Reisealltag.
Später bummeln wir noch einmal durch das kleine Örtchen. Viel los ist nicht, aber genau das hat auch etwas Beruhigendes.
Abends wird gegrillt: Hähnchenspieße mit einem großen Salat – halb Nudelsalat, halb Caesar. Dazu ein Glas Wein für mich, ein Bier für Andreas.
Der Abend verläuft entspannt. Ein bisschen Papierkram, noch ein Spaziergang über den riesigen Campground, eine Runde Karten, ein wenig Lesen. Kein großes Highlight, kein spektakulärer Programmpunkt und keine Fotos 😉
Aber manchmal sind es genau diese ruhigen Tage zwischen langen Fahrten, die sich wie ein tiefer Atemzug anfühlen.