Australien

Wilsons Promontory: Küstenpfade, Krabbenarmeen und Kino mit Wombat

Die Tage werden immer gemütlicher. Als Andreas gegen 8:00 Uhr von seiner Laufrunde zurückkommt, liege ich noch im Bett. Kurz schrecke ich hoch – verschlafen?! – und dann die beruhigende Erkenntnis: Wir sind ja im Relax-Modus.

Frühstück, Abwasch, ein bisschen in den Tag trödeln – und gegen 9:45 Uhr sind wir startklar für unsere Wanderung auf dem Oberon Bay Walking Track.

Der Himmel ist so blau, wie man sich das im Urlaub bestellt, und heute ist kein Nachmittagsgewitter angekündigt. Beste Voraussetzungen.

Der Einstieg ist etwas tricky, weil auf dem Campingplatz umfangreiche Bauarbeiten laufen und der eigentliche Zugang gesperrt ist. Also laufen wir erst ein Stück Straße, bevor wir auf den Track treffen. Aber dann wird es richtig schön.

Immer an der Küste entlang – erst mit Blick auf Norman Beach, später auf die Little Oberon Bay und schließlich auf die Oberon Bay. Küstenheide, warmes Licht, dieses satte Blau des Meeres. Genau unser Ding.

Und natürlich: Wildlife.

Auf einem Felsen liegt eine Schlange – diesmal eine Copperhead. Nicht ganz so berüchtigt wie die Brown Snakes, aber definitiv nichts, dem man näherkommen möchte. Wir bleiben also auf respektvoller Distanz und setzen unseren Weg fort.

Am Norman Point machen wir einen kurzen Abstecher. Fantastische Aussicht, wilder Fels, türkisblaues Wasser. Einer dieser Orte, an denen man einfach gerne verweilt.

An der Little Oberon Bay bleiben wir allerdings nicht lange – hier wimmelt es nur so von Horse Flies. Kaum steht man, wird man inspiziert. Also weiter.

Unterwegs schlängelt sich erneut eine Schlange über den Weg. Winzig diesmal. Aber „klein“ ist in Australien kein verlässliches Kriterium für „harmlos“, also halten wir auch hier respektvoll Abstand.

Als wir die Oberon Bay erreichen, herrscht totale Ebbe. Der breite Sandstrand liegt fast menschenleer vor uns. Erst einmal Lunchpause.

Danach laufen wir am Strand entlang – und entdecken plötzlich Bewegung im Sand. Überall. Hunderte. Tausende. Vielleicht Millionen.

Kleine Wesen wuseln über den feuchten Strand und verschwinden blitzschnell, sobald man sich nähert. Zuerst halten wir sie für Spinnen, was das spontane Wohlgefühl deutlich reduziert. Barfuß laufen? Eher nicht.

Beim genaueren Hinsehen identifizieren wir jedoch 10 Beine und eine kurze Recherche später kommt die Entwarnung: Es sind Sandkrabben. Bei Ebbe kommen sie in regelrechten „Armeen“ aus ihren kleinen Löchern, laufen seitlich über den Strand und filtern organisches Material aus dem Sand. Und sobald man ihnen zu nahe kommt, drehen sie sich mit einer erstaunlich eleganten Bewegung spiralförmig in den Boden – Sekunden später ist alles wieder glatt, als wäre nichts gewesen. Wie ein perfekt koordinierter Rückzug.

Faszinierend anzusehen. Trotzdem verspüren wir keinerlei Bedürfnis, unser Badetuch genau hier auszubreiten.

Gegen 13:30 Uhr packen wir zusammen und machen uns auf den Rückweg.

An der Little Oberon Bay ist der weiße Sand zwar sehr verführerisch, aber die Horse Flies sind immer noch in Hochform. Nach einem schnellen Getränk ziehen wir weiter.

Am Norman Beach wählen wir diesmal den Strand für den Rückweg – deutlich schöner als die Asphaltstraße vom Vormittag.


Um 15:30 Uhr sind wir zurück am Campground – rechtzeitig, bevor der General Store schließt. Wir füllen unser Gefrierfach im Kühlschrank mit Eisvorräten🍦 auf. Rein vorsorglich. Und essen tun wir natürlich auch gleich eins 😉.

Danach folgt das klassische Nach-der-Wanderung-Programm: in der Sonne sitzen, ein bisschen Papierkram, duschen. Duschen ist hier übrigens eine Frage des Timings. Wer falsch plant, steht Schlange. Wir haben heute Glück – sofort frei. Es bleibt sogar Zeit für einen Sundowner.

Abends wird heute gegrillt. Premiere: Känguru-Steaks mit Kartoffelsalat. Geschmacklich irgendwo zwischen Rind und Wild – definitiv gelungen.

Und dann geht es noch ins Freilichtkino auf dem Campingplatz. Andreas behauptet, er wolle Abwechslung vom ständigen Verlieren beim Kartenspielen. Ich enthalte mich eines Kommentars 😅.

Gezeigt wird „Anaconda“. Aber ehrlich gesagt ist der Film Nebensache. Der eigentliche Star des Abends taucht irgendwann zwischen den Zuschauerreihen auf: ein Wombat. Offenbar ein Stammgast. Wegen des Popcorns.

Seelenruhig trottet er zwischen den Füßen der Besucher hindurch, schnuppert hier, knuspert dort. Menschen stören ihn nicht im Geringsten. Die Jugendlichen hinter uns dürfen ihn sogar streicheln. Australien eben.

Damit ist auch unsere ersehnte Wombat-Sichtung im Prom abgehakt 😉

Gegen 22:00 Uhr endet der Film, und wir fallen ziemlich zufrieden ins Bett.