Australien
Wilsons Promontory: Gipfelglück und Abendgewitter
Heute Morgen scheint völlig unerwartet die Sonne. Vom angekündigten Heavy Rain keine Spur – der soll jetzt angeblich erst am Nachmittag kommen. Das nutzen wir aus.
Nach dem Frühstück schnüren wir direkt vom Campground aus die Wanderschuhe. Genau das ist das Schöne hier am Tidal River Campground im Wilsons Promontory National Park: Das Auto kann einfach stehen bleiben, denn sämtliche Wege starten quasi vor der Haustür. Um 8:45 Uhr sind wir abmarschbereit.
Zuerst geht es über die Footbridge, dann auf dem kleinen Verbindungsweg Richtung Lilly Pilly Carpark. Von dort steigen wir zum Mount Bishop auf.
Der Weg hier gefällt uns deutlich besser als der zum Mount Oberon gestern. Statt breiter Maintenance Road führt der Lilly Pilly Gully Track durch dichten, fast tropisch wirkenden Wald.
Hohe, sehnige Rindenbäume säumen den Weg, es ist schwül, die Luft steht ein bisschen – Regenwald-Feeling mitten in Victoria. Der Pfad windet sich um die südöstliche Basis des Mount Bishop und zieht dann stetig hinauf zum Gipfel. Gegen Ende tauchen erste beeindruckende Granitfelsen auf – ein Vorgeschmack auf das, was oben wartet.
Um 10:15 Uhr stehen wir am Gipfel. Der Himmel ist noch immer herrlich blau, als hätte jemand die Regenprognose einfach gelöscht. Die Aussicht ist spektakulär: hinüber zum Mount Oberon, über die zerklüftete Küste und die vorgelagerten Inseln – wieder einmal 360 Grad Staunen.
Wir gönnen uns ein gutes halbes Stündchen Pause, wechseln ein paar Worte mit Campingnachbarn, essen ein Sandwich und genießen einfach diesen Moment.
Auf dem Rückweg kommen uns nun rudelweise Wanderer entgegen. Da haben wir mit unserem frühen Start wohl alles richtig gemacht – für diese Menge wird es oben am Aussichtspunkt ganz schön eng werden.
Zurück an der Weggabelung hängen wir noch die Runde auf dem Lilly Pilly Track dran.
Und es gibt sogar noch Wildlife: Am Wegrand entdecken wir eine ziemlich große Blue-Tongue Lizard, die sich von unserer Begeisterung nur mäßig beeindrucken lässt.
Als wir wieder am Carpark ankommen, hat sich der Himmel deutlich zugezogen. Kaum noch Blau, aber es sieht noch nicht wirklich nach Weltuntergang aus. Also beschließen wir, das trockene Zeitfenster weiter auszunutzen und machen noch einen Abstecher zum Pillar Point und anschließend zum Tidal Lookout.
Von oben haben wir einen wunderbaren Blick auf die Squeaky Beach – und tatsächlich kämpft sich die Sonne noch einmal durch die Wolken. Es sieht plötzlich immer weniger nach Regen aus.
Gegen 14:30 Uhr sind wir zurück am Campground. Im General Store kaufen wir uns erst einmal ein Eis – kleine Belohnung für die Höhenmeter.
Zurück an unserem Platz erleben wir dann eine kleine Überraschung: Jemand stellt gerade unseren Tisch und unsere Stühle beiseite und fährt rückwärts in „unseren“ Stellplatz. Auf Nachfrage zücken sie ihre Buchung – exakt derselbe Platz wie unserer. Offenbar eine Doppelbuchung. Gut, dass wir zuerst da waren 😉
Die beiden fahren zum Visitor Center, um das zu klären, und tauchen danach nicht wieder auf. Wir gehen also davon aus, dass eine Lösung gefunden wurde.
Wir lassen uns mit einem kühlen Getränk nieder, ich nutze den Nachmittag für eine ausgiebige Dusche – hier kann man zu Stoßzeiten tatsächlich Schlange stehen, also lieber jetzt.
Langsam zieht sich der Himmel doch wieder zu. In der Ferne grollt erster Donner. Ganz werden wir um den angekündigten Regen wohl doch nicht herumkommen …
Und dann geht es tatsächlich los. Punkt 17:00 Uhr öffnet der Himmel seine Schleusen. Als hätte jemand auf „Jetzt!“ gedrückt.
Wir verkrümeln uns zufrieden in den Camper – mit dem leisen Gefühl, heute timingtechnisch wirklich alles richtig gemacht zu haben 👍
Während draußen der Regen aufs Dach trommelt, wird drinnen gekocht. Es gibt Pasta mit wildem Brokkoli – unkompliziert, genau richtig für so einen Abend. Als wir mit Essen und Spülen fertig sind, wird das Trommeln immer leiser. Fast schon wieder vorbei.
Wir drehen noch eine kleine Runde über den Campground, atmen die frische Regenluft ein, spielen später noch eine Runde Karten – und ehe man sich versieht, ist wieder ein Urlaubstag vorbei.
Und ganz leise schleicht sich der Gedanke ein: So viele sind es nicht mehr.