Australien
Wilsons Promontory: Aussicht, Sonne und Tidal River
Über Nacht hat es sich komplett abgeregnet – und heute Morgen scheint wieder die Sonne. Als wäre gestern nur ein kleiner Wetter-Testlauf gewesen. Sehr schön.
Wir sind inzwischen im gemütlichen Reisemodus angekommen. Andreas dreht erst noch eine Laufrunde, danach frühstücken wir entspannt in der Camp Kitchen. Kein Stress, kein Zeitdruck – alles ein bisschen langsamer ist ja eigentlich ganz angenehm.
Noch einmal Wasser auffüllen, Abwasser entsorgen – die glamourösen Seiten des Camperlebens – und gegen 9:30 Uhr rollen wir vom Platz. Phillip Island hat uns richtig gut gefallen, selbst wenn das Wetter gestern nur so mittel war.
Heute geht es weiter in den Wilsons Promontory National Park. Rund 150 Kilometer liegen vor uns.
Ein paar Eindrücke von unterwegs:
In Wonthaggi entdecken wir erstaunlich günstigen Sprit. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Also wird vollgetankt – nicht, dass wir wieder in ein Apollo-Bay-Déjà-vu geraten und mit nervösem Blick auf die Restreichweite fahren 😉
Gegen 12:00 Uhr erreichen wir den Telegraph Saddle, Ausgangspunkt für die Wanderung zum Mount Oberon. Schon bei der Anfahrt ahnen wir: Das könnte mit dem Parkplatz sportlich werden. Offenbar sind wir nicht die Einzigen mit dieser Idee.
Nach einer kleinen Ehrenrunde passiert das Wunder: Ein Auto fährt raus – wir blinken quasi schon im Vorbeifahren und schnappen uns den Platz. Perfektes Timing.
Rucksack packen, Sonnencreme drauf, Wasserblase füllen – um 12:30 Uhr laufen wir bei makellos blauem Himmel los.
Der Weg führt zunächst über eine breite Maintenance Road aus Gravel stetig bergauf. Technisch völlig unkompliziert, angenehm zu gehen – aber landschaftlich noch kein Feuerwerk. Der Andrang unterwegs passt zum vollen Parkplatz: hier ist einiges los.
Das letzte Stück geht über Treppenstufen oberhalb der Funkmasten – und dann passiert dieser typische Gipfelmoment: Plötzlich öffnet sich die Landschaft.
Oben wartet ein 360-Grad-Blick, der alles relativiert. Tidal River liegt uns zu Füßen, die Küste zieht sich zerklüftet ins Meer, Inseln liegen verstreut im tiefblauen Wasser. Wirklich gigantisch. Der Aufstieg mag unspektakulär gewesen sein – die Aussicht ist es definitiv nicht.
Wir machen eine ausgedehnte Mittagspause, essen unsere Sandwiches und genießen einfach nur. Beim Abstieg kommen uns weiterhin stetig Wanderer entgegen. Offenbar ist heute Gipfeltag.
Gegen 15:00 Uhr sind wir zurück am Parkplatz – immer noch rappelvoll. Viele starten von hier aus zu mehrtägigen Touren auf die Ostseite der Halbinsel.
Da für morgen wieder Regen angekündigt ist, beschließen wir spontan, das gute Wetter heute noch maximal auszunutzen. Einchecken können wir später – Sonne hat Priorität.
Erster Stopp: Whisky Bay. Große, rund geschliffene Granitfelsen liegen dekorativ im Sand, als hätte jemand sie dort absichtlich drapiert. Wir laufen ein Stück am Strand entlang, genießen die Sonne, die kraftvollen Wellen und dieses satte Küstenblau, das man kaum beschreiben kann, ohne kitschig zu werden.
Danach schauen wir noch kurz bei der Picnic Bay vorbei – ganz ohne Picknick, aber mit schönem Blick – und fahren anschließend weiter zum Campground.
Gegen 17:00 Uhr kommen wir an. Hier gibt es keine klassische Rezeption – man fährt direkt auf seinen vorgebuchten Platz. Klingt unkompliziert, ist bei der Größe des Campgrounds aber eher eine kleine Orientierungsaufgabe.
Zum Glück habe ich mir zuhause einen Plan ausgedruckt und unseren Platz markiert. Sonst hätten wir vermutlich eine interne Navigationskonferenz einberufen.
Der Stellplatz ist großzügig, mit Strom, aber ohne Wasseranschluss und ohne WLAN. Camp Kitchens sind auch nicht direkt um die Ecke – aber man kann ja nicht alles haben 🤣
Dafür ist die Lage ein Traum: direkt am Tidal River, nur wenige Schritte vom Meer entfernt. Mehr Prom-Feeling geht kaum.
Wir richten uns ein, bauen den Camper in den Schlafmodus um und drehen eine kleine Erkundungsrunde. Danach wird gekocht – und zwar erstaunlich ambitioniert: marokkanische Lammküchlein mit Kartoffel-Karotten-Kürbis-Püree. Nicht gerade die klassische „Dose-auf-und-fertig“-Variante.
Nach dem Essen spazieren wir noch am Tidal River entlang. Das Licht wird weicher, die Stimmung ruhiger, und irgendwo zwischen Wasser, Sand und Abendhimmel stellt sich dieses Gefühl ein: Jetzt sind wir richtig hier angekommen.
Später telefonieren wir noch mit Michelle und Markus, die gerade in Indien unterwegs sind – ein Geburtstagsgruß über mehrere Zeitzonen hinweg. Und danach ist es Zeit fürs Bett.