Australien

Torquay: Planänderung mit Meerblick

Der Tag beginnt… sagen wir mal: weniger idyllisch als erhofft. Schon gestern Abend hatte der Kühlschrank angefangen, penetrant zu piepen. Offenbar ist unsere zweite Batterie – die eigentlich das Camper-Innenleben am Laufen halten soll – nicht mal in der Lage, einen halben Tag ohne Stromanschluss durchzuhalten. Vielleicht stammt sie aus derselben Montags-Charge wie die Hauptbatterie, die wir ja schon tauschen mussten. Man weiß es nicht.

Damit wir überhaupt schlafen können, schalten wir den Kühlschrank schließlich ab. Und am Morgen gibt es dann Frühstück ohne Kaffee – nicht aus Überzeugung, sondern aus Batteriespargründen. Camperromantik kann manchmal ganz schön technisch sein.

Um 8:45 Uhr fahren wir los nach Lorne, zum Trailhead einer Wasserfallwanderung. Nach kurzer Zeit ist die Batterieanzeige auch schon wieder fast voll, aber die Motivation bekommt direkt den nächsten Dämpfer: Der Trail ist gesperrt. Wie viele andere Wege in der Gegend ist auch dieser noch von den Schäden der Flash Flood vor ein paar Wochen betroffen.

Auf ein weiteres Abenteuer mit umgestürzten Bäumen und halb gesperrten Pfaden haben wir heute keine Lust. Wir beraten kurz – und entscheiden dann ziemlich spontan: Wir verlassen die Gegend und fahren weiter Richtung Torquay. Den bezahlten Campingplatz nehmen wir innerlich als Lehrgeld… zumindest kurz.

Denn zurück am Campground frage ich einfach mal an der Rezeption nach. Und tatsächlich: Die Dame dort ist unglaublich freundlich, klärt es kurz mit ihrem Manager – und keine fünf Minuten später bekommen wir die zweite Nacht erstattet. Manchmal läuft es dann doch.

Um 9:30 Uhr brechen wir endgültig auf.

Ein erster Halt führt uns zum Great Ocean Road Memorial Arch.

Hier wird nochmal deutlich, dass diese Straße nicht nur eine spektakuläre Küstenroute ist, sondern auch ein Denkmal: Sie wurde als Arbeitsprojekt für heimgekehrte Soldaten des Ersten Weltkriegs begonnen und gleichzeitig als Memorial für die Victorians errichtet, die zwischen 1914 und 1918 gedient haben.

Der heutige Bogen ist bereits der dritte an dieser Stelle – der erste stammt aus dem Jahr 1939, ein späterer wurde bei den Ash-Wednesday-Fires 1983 zerstört. Kaum zu glauben, wie viel Geschichte in so einem Fotostopp steckt.


Unterwegs buchen wir uns spontan einen Ersatz-Campground bei Torquay und halten danach am Split Point Lighthouse. Hier ist wieder ordentlich Touristenbetrieb, also belassen wir es bei ein paar Fotos – und flüchten dann ins Lighthouse Tea House, um den heute Morgen schmerzlich vermissten Kaffee nachzuholen.

Nach Cappuccino und einem Stück Kuchen sieht die Welt dann auch gleich wieder deutlich freundlicher aus.

Weiter geht es bis Bells Beach. Gegen Mittag starten wir dort zu einer kleinen Küstenwanderung Richtung Point Addis. Keine gesperrten Wege, keine umgestürzten Bäume, keine Schlangen-Paranoia – einfach nur schöne Ausblicke und ein angenehmer Ersatz für die ausgefallene Wasserfalltour.

Der Surf Coast Walk führt zunächst in einer Schleife durch einen herrlichen Eukalyptuswald, bevor man wieder Richtung Küste kommt. Doch auch hier hat das Unwetter seine Spuren hinterlassen: Ein Stück der Klippen ist abgerutscht, der Weg unten am Strand ist blockiert, und oben verläuft der Pfad stellenweise so nah am Abbruch, dass wir kein Risiko eingehen wollen. Also drehen wir um und nehmen denselben Weg zurück.

Immerhin bauen wir noch ein paar kleine Schlenker ein, damit es nicht ganz dieselbe Strecke bleibt – unter anderem zum Startplatz der Gleitschirmflieger. Zwei sind gerade kurz vor uns gestartet, und wir beobachten eine Weile fasziniert, wie sie über der Küste schweben. Die Landung hier wirkt allerdings wie eine kleine Herausforderung: Meer, Felsen, Gebüsch – man hat nicht gerade unendlich viele Optionen.


Gegen 16:30 Uhr sind wir zurück am Parkplatz und wenig später auf dem Campground in Torquay. Der Platz ist riesig, aber vor allem von Dauercampern belegt – es gibt nur wenige powered Sites für Reisende wie uns. Gut, dass wir früh reserviert haben.

Wir stöpseln den Camper erstmal wieder brav an den Strom an, damit sich die Batterie-Sorgen zumindest für heute erledigt haben, und gehen zum bewährten Nach-der-Wanderung-Programm über: ein Bierchen, eine Runde nichts tun, einfach kurz ankommen.

Am Abend wird gekocht – heute mal indisch in der Campingküche: Chicken Korma mit Reis. Danach noch ein bisschen Nachrichten mit Zuhause austauschen, und dann ist auch dieser Tag wieder vorbei.