Australien
Cumberland River: Schlangenpfad und Lagerfeuerabend
In der Nacht hat es noch einmal ordentlich aufs Camperdach getrommelt, aber als wir gegen 7:00 Uhr aufstehen, bricht die Sonne durch und verspricht einen weiteren schönen Tag an der Great Ocean Road.
Wir frühstücken heute ganz gemütlich in der Camp-Küche direkt neben unserem Platz. Sauber, geräumig und irgendwie ein kleines bisschen komfortabler als drinnen im Camper. Draußen fällt das Frühstück ausnahmsweise aus – die Stühle sind von der Nacht noch klatschnass.
Um 8:45 Uhr brechen wir auf, unser Ziel für heute ist der Cumberland River Campground.
Unterwegs legen wir nach etwa einer halben Stunde noch einen Zwischenstopp am Kennett River ein. Hier drehen wir eine Runde auf dem Kennett River Nature Walk, einem hochgelobten Spot für Koala-Sichtungen.
Tja – die Natur hat offenbar ihren eigenen Kopf. Der einzige Koala bleibt der auf dem Schild am Anfang. Aber auch ohne pelzige Hauptdarsteller ist der Spaziergang entlang des Flusses richtig schön, und es gibt genug andere Vögel und Kleintiere zu entdecken.
Auf dem weiteren Weg Richtung Campground passieren wir noch einige Viewpoints entlang der Great Ocean Road. Allerdings liegen viele davon auf der rechten Straßenseite, oft direkt in engen Kurven – mit dem Camper nicht ganz so entspannt erreichbar, so dass wir oft weiterfahren.
Das spricht tatsächlich dafür, die Great Ocean Road eher von Ost nach West zu fahren, wie es wohl die meisten tun.
So sind wir schon gegen 11:00 Uhr am Campingplatz – eigentlich ziemlich früh. Aber der Platz ist leer, wir können direkt einchecken und parken uns schön im Schatten eines Baumes ein. Zum ersten Mal haben wir hier keinen Stromanschluss am Platz. Hoffentlich hält der Kühlschrank die nächsten zwei Tage durch. Bei den milden Temperaturen stehen die Chancen aber gar nicht schlecht.
Beim Einrichten kommen wir mit einem Australier ins Gespräch, der erzählt, dass es hier vor zwei Wochen eine heftige Flash Flood gegeben hat. Die Leute mussten damals auf die umliegenden Hügel flüchten. Ähm… hoffen wir mal sehr, dass uns so ein Abenteuer erspart bleibt.
Die Spuren dieser Sturzflut sind jedenfalls noch deutlich zu sehen – und der Wanderweg zu den Cumberland River Falls ist aus Sicherheitsgründen offiziell noch gesperrt.
Wir beschließen trotzdem, zumindest ein Stück hineinzugehen, und brechen gegen 12:30 Uhr direkt vom Campingplatz aus auf.
Unterwegs müssen wir immer wieder über umgestürzte Bäume klettern, überall liegen noch Reste der Schäden.
An den Jebbs Pools könnte man wunderbar baden – ein paar junge Männer nutzen die Gelegenheit auch sofort.
Wir folgen dem Track weiter: mal am Bach entlang, mal durch den Bach, mal durchs Gestrüpp. Wobei letzteres nach kurzer Zeit keine Option mehr ist – nachdem wir innerhalb von drei Minuten gleich drei große Schlangen sehen, bleiben wir lieber konsequent am Wasser und auf den offenen Steinen.
Zur Sicherheit bewaffnen wir uns mit zwei großen Stöcken und klopfen den Weg vor uns ab. Denn selbst auf den Felsen direkt am Fluss liegt eine Schlange herum, als wäre das hier ihr ganz persönlicher Sonnenplatz.
Die Cumberland River Falls selbst sind dann… sagen wir mal: nicht das große Highlight. Aber bei dieser Wanderung ist ganz klar der Weg das Ziel.
Weitere Schlangenbegegnungen bleiben uns zum Glück erspart, dafür treffen wir noch den lachenden Hans, der sich völlig entspannt fotografieren lässt, als hätte er den ganzen Tag nichts anderes vor.
Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder zurück am Campingplatz – müde, zufrieden und bereit für einen richtig gemütlichen Nachmittag.
Wir lassen uns erstmal einfach vor dem Camper nieder, trinken etwas, schauen eine Weile nur ins Grün und genießen dieses herrliche Gefühl, heute nichts mehr tun zu müssen. Keine großen Pläne, kein Weiterfahren – nur Campground-Ruhe und das leise Rauschen des Flusses in der Nähe.
Und weil hier für jede Site bereits eine Feuerstelle bereitsteht – so eine Art halbes Metallfass – beschließen wir spontan, den Abend mit einem Lagerfeuer ganz im Stil klassischer Campingromantik zu krönen.
Also geht es später noch einmal runter an den Strand, um Treibholz zu sammeln.
Zurück am Platz übernimmt Andreas dann die Hauptrolle: einmal Tom Hanks in Cast Away. „Ich habe Feuer gemacht!“ 😂 Und tatsächlich: Nach ein bisschen Gefummel lodert es und unser kleines Abendfeuer knistert zufrieden vor sich hin.
Zum Essen gibt es heute ganz bodenständig Bratwürste und Caesar Salad – Campingküche mit Wohlfühlfaktor. Die Mücken haben allerdings ebenfalls Interesse am Dinner und umkreisen uns hartnäckig, sodass wir, sobald es geht, näher an das Feuer rücken.
Und siehe da: plötzlich lassen sie uns in Ruhe.
So sitzen wir schließlich am knisternden Lagerfeuer, satt, warm und glücklich. Ein richtig schöner, gemütlicher Abend – und wir sind uns schnell einig: Das werden wir morgen wahrscheinlich direkt wiederholen.