Australien
Cape Otway: Leuchtturm, Parker Inlet und Ameisenalarm
Die übliche Morgenzeremonie im Camperleben – wobei Andreas heute nach seiner Laufrunde mit ein paar richtig schönen Eindrücken zurückkommt:
Gegen kurz vor 9:00 Uhr rollen wir los. Wir wollen nachholen, was wir gestern wegen der dramatisch sinkenden Tankanzeige lieber verschoben hatten. Noch sieht das Wetter harmlos aus, aber für den frühen Nachmittag ist Heavy Rain angekündigt. Also: besser keine Zeit verlieren.
Unser Ziel ist der Cape Otway Nationalpark.
Zuerst steuern wir das historische Cape Otway Lighthouse an, das seit 1848 hier draußen über die gefährliche Küste wacht. Ein großes Schild wirbt selbstbewusst mit „Australia’s most significant lighthouse“ – und irgendwie passt das auch: Man spürt sofort, dass dieser Ort mehr ist als nur ein hübscher Fotostopp.
Pünktlich um 9:30 Uhr öffnet das Gelände. Wir zahlen heute etwas weniger Eintritt, weil der Zugang zum Turm selbst wegen Renovierungsarbeiten gesperrt ist. Stattdessen gibt es Ranger-Talks und Erklärungen – was mindestens genauso spannend ist.
Auf dem Gelände liegt auch ein gewaltiger Anker, der einst zu einem Schiff namens Eric the Red gehörte, das 1880 am Otway Reef gestrandet ist. Schon verrückt, wie viele Schiffe hier draußen früher ihr Ende fanden.
Wir hören uns einen Talk über die Telegraphie an: Cape Otway war einst ein wichtiger Kommunikationspunkt, lange bevor es Satelliten oder Funk gab. Von hier aus liefen Nachrichtenverbindungen über Unterseekabel weiter Richtung Tasmanien und Melbourne – lebenswichtig für die Schifffahrt, weil man so überhaupt erst Warnungen und Neuigkeiten entlang dieser abgelegenen Küste übermitteln konnte.
Nach etwa einer Stunde schnüren wir die Wanderschuhe und machen uns auf den Weg: entlang des Great Ocean Walk in Richtung Parker Inlet.
Der Track führt durch wunderschönen Küstenwald, sonnig, angenehm, immer wieder mit Blick auf das Meer. Fast schon idyllisch – wären da nicht diese Fliegen. Und zwar nicht ein paar, sondern eine komplette australische Luftwaffe. Es dauert nicht lange, bis wieder Kopfnetze angesagt sind.
Als wir gegen 12:00 Uhr am Parker Inlet ankommen, würden wir eigentlich gerne länger Pause machen. Aber die Plagegeister lassen das nicht zu: Gesicht geschützt, ja – aber Arme und Beine werden gnadenlos belagert.
Also bleibt es bei einer kurzen Viertelstunde, gerade genug, um die beeindruckenden Felsformationen zu bestaunen. Das Gestein hier ist voller kleiner Löcher und Mulden, ausgewaschen von Wind und Wasser, fast wie ein steinernes Schwamm-Muster. Es sieht aus, als hätte die Natur hier jahrhundertelang geduldig Skulpturen geschnitzt.
Für den Rückweg nehmen wir den Parker Hill Track – und der wirkt wirklich wie das Koalaparadies schlechthin: Eukalyptusbäume, dichter Wald, genau das, was man sich vorstellt. Angeblich soll es hier nur so von Koalas wimmeln. Wir scannen jeden Ast, schauen uns fast die Hälse steif – aber entdecken keinen einzigen.
Tja. Immerhin: Im Souvenirshop am Lighthouse kaufen wir uns dann eben einen Koala für zu Hause. Man muss Prioritäten setzen 😜
Um kurz nach zwei sind wir zurück am Parkplatz. Timing perfekt – denn genau in dem Moment, als wir den Camper aufschließen, fängt es an zu tröpfeln.
Also beschließen wir, den Lunch einfach drinnen zu essen.
Und dann… Ameisenattacke 🐜
Offenbar stand unser Camper direkt neben einem Ameisenhaufen, und während wir gemütlich wandern waren, haben die kleinen Biester beschlossen, unser Fahrzeug zu übernehmen. Erst außen, dann auch innen – die kommen ja durch jede noch so kleine Ritze. Jedenfalls wimmelt es plötzlich überall von ihnen.
Wir fahren sofort los, um dem Epizentrum zu entkommen, und halten auf dem nächstbesten Parkplatz. Eine halbe Stunde lang versuchen wir, so viele wie möglich einzusammeln, zu entfernen, auszuschütteln… aber hundert Prozent schafft man natürlich nicht. Die kriechen in jede Spalte. Das wird ja ein Spaß heute Nacht, falls wir welche im Bett finden 😳
Immerhin: Während des Ameisenchaos entdecken wir dann doch noch einen Koala in den Bäumen 🐨. Na bitte. Australien hat Humor.
Zurück in Apollo Bay gehen wir noch schnell in den IGA einkaufen – denn in Cumberland River wird es die nächsten zwei Tage keine Versorgungsmöglichkeiten geben – und dann zurück zum Campground.
Inzwischen hat es sich endgültig eingeregnet. Der Heavy Rain kommt zwar später als angekündigt… aber er kommt.
Am Campground putzen wir den Camper erst einmal gründlich durch, um auch die letzten Spuren der Ameisen-Attacke zu beseitigen. Danach bleibt uns eigentlich nur noch eins: Regen aussitzen.
Eigentlich hätten wir nochmal ins Städtchen laufen wollen, aber bei dem unsicheren Wetter und drei Kilometern pro Strecke sparen wir uns das lieber. Also gibt es wieder Campingküche: Pasta mit wildem Brokkoli und einer Käse-Sahne-Soße – geht irgendwie immer 😋.
Zur Abwechslung kochen wir diesmal nicht im Camper, sondern in der Gemeinschaftsküche des Campgrounds. Das ist richtig nett, denn auch andere Gäste sind dort zugange, und ganz nebenbei kommen wir mit ein paar Leuten ins Gespräch.
Am Abend wird es dann gemütlich: Karten spielen im Camper, ein bisschen Nachrichten mit den Daheimgebliebenen austauschen – und irgendwann beruhigt sich auch das Wetter wieder.