Australien
Klippenkino deluxe: Loch Ard, Razorback und die 12 Apostel
Heute lacht die Sonne vom ersten Augenblick an, so dass wir nach Andreas’ sportlicher Morgenaktivität und meiner etwas ausführlicheren Augenpflege wieder draußen frühstücken können.
Wir lassen es gemütlich angehen und fahren erst gegen 9:30 Uhr los – auch heute steht nochmal ein ganzer Tag entlang der Great Ocean Road auf dem Programm.
Eine halbe Stunde später erreichen wir den Parkplatz zur Loch-Ard-Schlucht. Ruhe liegt über dem Ort, noch keine Touristenschwärme stören das Bild. Zwischen den Klippen und der Brandung schwingt die Erinnerung an die Loch Ard mit, die hier einst sank und nur zwei Überlebende zurückließ.
Zahlreiche kurze Rundwege eröffnen vom Parkplatz aus herrliche Ausblicke auf die Schlucht.
Am Tom and Eva Lookout fragen wir uns erst, wer diese beiden wohl gewesen sein mögen. Später lesen wir ihre Geschichte:
Von den 54 Menschen an Bord der Loch Ard überlebten nur zwei – die 18-jährige Eva Carmichael und der Schiffslehrling Tom Pearce. Tom trieb stundenlang unter einem umgestülpten Rettungsboot, bis ihn die Gezeiten in diese Schlucht spülten. Kurz darauf hörte er Hilferufe und sah Eva, die sich an einem Holzstück festklammerte. Er schwamm hinaus und kämpfte fast eine Stunde, um sie ans Ufer zu bringen.
Eine unglaubliche Geschichte – und plötzlich wirkt die friedliche Bucht hier noch eindrucksvoller.
Am Razorback staunen wir über den scharfkantigen Felsen, dessen Form von Wind, Gischt und der unermüdlichen Erosion des Southern Ocean geprägt wurde. Ein Felsen, der langsam aber sicher immer weiter abgetragen wird – Welle für Welle.
Beim Viewpoint The Wreck blicken wir hinunter in die Schlucht und zur Carmichael Cave. Hier wird klar, wie verzweifelt die letzten Minuten des Schiffes gewesen sein müssen: Anker wurden geworfen, Segel gesetzt, wieder gekappt – aber Wind und Strömung trieben die Loch Ard unaufhaltsam gegen die Klippen.
Wir laufen weiter vorbei an Muttonbird Island und zur Thunder Cave, wo früher einmal eine Natural Bridge stand, die – wie die London Bridge 1990 – irgendwann unter ihrer eigenen Last zusammenbrach.
Beim Sherbrook River kommen wir schließlich tatsächlich hinunter an den Strand.
Und auf dem Rückweg zum Parkplatz entdecken wir sogar noch ein Echidna – ein schöner Bonus.
Als wir gegen 12:15 Uhr wieder am Carpark ankommen, ist die Lage komplett gekippt: Autos kreisen, Busse reihen sich an Busse, Touristen überall. Wie froh wir sind, früh hier gewesen zu sein.
Nur fünf Kilometer weiter: die Twelve Apostles. Und natürlich dasselbe Spiel, nur in größer. Eine riesige Schlange am Parkplatz, mindestens zwanzig Tourbusse allein auf dem Overflow-Bereich.
Zum Glück gibt es einen separaten Parkplatz für lange Fahrzeuge – unser Camper rettet uns hier tatsächlich den Tag.
Vor Ort verteilt es sich dann glücklicherweise etwas besser, weil der Boardwalk, von dem aus man die Apostel sehen und fotografieren kann, recht lang ist. Trotzdem: TikTok-Posen, Selfie-Stops, Gedränge.
Und: Zwölf Apostel sind es längst nicht mehr. Ursprünglich standen hier nie exakt zwölf, und mehrere der Kalksteinfelsen sind im Laufe der Jahrzehnte eingestürzt – der bekannteste 2005. Die Küste verändert sich ständig, etwa zwei Zentimeter pro Jahr trägt die Brandung das Gestein ab. Irgendwann bricht alles zusammen – und irgendwo entsteht wieder Neues.
Danach gehen wir noch zu den Gibson Steps, ohne nochmal umzuparken. Unten am Strand ist es zwar spektakulär, aber auch hier: viele Menschen, viele Kameras, wenig Ruhe. Nach zehn Minuten ziehen wir uns wieder nach oben zurück.
Gegen 14:00 Uhr sind wir zurück am Auto, trinken erstmal etwas Kaltes und fahren weiter nach Princetown.
Der Ort wirkt ziemlich verlassen. Der einzige General Store hat offenbar schon seit Jahren geschlossen.
Auch der Campingplatz, das Princetown Camping Reserve, ist… sagen wir mal: nicht das Niveau der letzten Nächte. Rezeption geschlossen, kaum Gäste, alles sehr basic. Zum Glück bleiben wir nur eine Nacht.
Wir chillen ein bisschen und erledigen Papierkram.
Dann eine wirklich witzige Szene: Zwei asiatische Touristen, die offenbar von ihrem Reisebus für eine Stunde hier abgesetzt wurden, sprechen uns an und fragen ernsthaft, wo es denn „zu den Kängurus“ geht. Wahrscheinlich stand das so in ihrem Reiseführer. Wir müssen ganz schön schmunzeln.
Gegen 16:30 Uhr machen wir noch einen kleinen Spaziergang, einfach weil hier sonst nichts los ist. Wir laufen am Gellibrand River entlang - ein recht idyllischer Weg - bis zum Strand, setzen uns in den Sand und beobachten, wie die Flut langsam näherkommt.
Wir bauen uns einen kleinen Damm und beschließen zu bleiben, bis er bricht. Aber die Wellen scheinen heute Respekt vor unserem Bauwerk zu haben – sie kommen einfach nicht richtig heran. Visuelle Abschreckung, offenbar 😉
Gegen 18:00 Uhr sind wir zurück am Campground, stellen den Camper noch etwas windgeschützter auf und werfen den Grill an.
Heute gibt es Lammhack-Spieße und Couscous-Salat mit gegrilltem Gemüse.
Danach noch ein Telefonat mit Andreas’ Eltern – und ein beschaulicher Tagesausklang.