Australien
Great Ocean Road: Küstenkino, Schaumblasen und Selfie-Schlangen
Heute sind wir ziemlich früh dran, denn wir haben viel vor: es geht auf die berühmte Great Ocean Road.
Allerdings schaut der Himmel am Morgen noch recht bedeckt und nieselig aus, sodass wir zum ersten Mal überhaupt im Camper drinnen frühstücken. Dafür wird’s hinterher umso besser.
Pünktlich um 8:00 Uhr startet der Camper (ohne Batterie-Drama, hurra) und wir rollen wieder auf dem Princes Highway, der uns seit vielen Tagen schon immer wieder begleitet hat, weiter Richtung Osten.
Unterwegs hört der Nieselregen auf, und die Sonne kämpft sich langsam aber sicher durch die Wolken.
Unser erster Stopp ist in Port Fairy, wo wir uns das charmante Port Fairy Lighthouse auf Griffiths Island anschauen.
Wir laufen eine Runde um die Insel und genießen den Blick über den Ozean.
Auf der Insel brüten große Kolonien von Shearwater-Vögeln, die weite Teile der südlichen Hemisphäre überqueren – unter anderem auch aus Alaska und anderen nördlichen Regionen. Ein erstaunlicher Vogelzug.
Während wir dort stehen, beobachten wir auch eine Weile Surfer, die auf den metergroßen Wellen tanzen. Die Kraft des Meeres ist hier schon sehr beeindruckend.
Weiter geht’s zum Tower Hill Wildlife Reserve. Kaum am Parkplatz, begrüßen uns gleich zwei Emus.
Wir laufen eine Runde um den Wagon Bay Pond, sehen aber dort kaum weiteres Getier. Macht nichts: In den letzten Tagen haben wir schon so viel Wildlife gesehen, dass wir uns nicht beschweren.
Und dann drückt die Sonne endgültig durch. Die ersten blauen Flecken am Himmel lassen uns beschwingt weiterfahren.
Gegen 11:00 Uhr erreichen wir schließlich die Great Ocean Road auf dem Abschnitt, der wirklich all die Postkarten-Kulissen bietet, die man sich darunter vorstellt.
Unser erster Halt ist am Rifle Range Lookout. Dort legen wir eine Pause ein und essen unsere Lunch-Brote mit einer traumhaften Aussicht über zerklüftete Küste, Meer und Felsen. Der Himmel ist jetzt strahlend blau – perfektes Sichtwetter.
Dann steuern wir die Stanhope Bay an. Der Weg dorthin führt über eine enge, sandige Gravel Road und Andreas’ Puls steigt ein kleines bisschen, als wir mit dem Camper die letzten zwei Kilometer über diesen Untergrund tänzeln. Aber oben angekommen werden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt.
Weiter geht’s zur Bay of Islands. Hier ist die Reaktion auf die Aussicht ganz einfach: WOW. Allerdings ist der Parkplatz rappelvoll mit weiteren Touristen, die sich genau dasselbe denken. Trotzdem lohnt sich der Blick über die bizarren Felseninseln im Meer, die wie Natur-Skulpturen aus dem Wasser ragen.
Unser nächster Stopp ist dann Crofts Bay – und hier sind wir wieder ganz für uns allein. Wir spazieren barfuß durch den warmen Sand und genießen diesen stillen Moment mit Meerblick und Einsamkeit. Auch solche Augenblicke gibt es an der Great Ocean Road.
Ein paar Kilometer weiter erreichen wir die Bay of Martyrs. Wir laufen den kurzen Weg hinaus zum Halladale Point. Von hier aus blickt man auf die wilde Küste – und auf eine Geschichte, die heute nur noch auf den Schautafeln weiterlebt:
Die HMS Halladale, ein britisches Segelschiff, strandete hier Anfang des 20. Jahrhunderts. Vom Wrack selbst ist längst nichts mehr zu sehen, aber irgendwie macht genau das den Ort fast noch eindrucksvoller.
Dann kommt einer der sehr bekannten Spots: The Grotto. Schon am Parkplatz lässt sich erahnen, wie beliebt dieser Ort ist – eine kleine Armee an Reisebussen spuckt Touristen aus.
Auf dem kurzen Weg vom Parkplatz zum Grotto begrüßen uns als erstes riesige Schaumblasen, die immer wieder durch die Luft geweht werden – als hätte jemand gigantische Portionen Waschmittel ins Meer gekippt.
Tatsächlich handelt es sich wohl um natürlichen Meeresschaum, der entsteht, wenn die Brandung Algen und organisches Material aufschäumt und der Wind die Blasen über die Küste jagt.
Zur eigentlichen Grotto-Formation führt eine Treppe hinunter. Dort steht eine lange Menschenschlange – und die besteht vor allem aus Gruppen, die sich gegenseitig in sämtlichen Kombinationen fotografieren: Mutter & Tochter, Mutter & Sohn, Sohn & Tochter… Selfie-Olympiade mit 20 Posen pro Person 🙄
Nein danke. Wir haben keine Lust, uns in dieser Mammut-Schlange anzustellen: Ein Foto ohne uns reicht uns völlig.
Weiter Richtung London Bridge – hier das gleiche Spiel: Massen, Busse, Gedränge. Kurzer Stopp, ein paar Fotos von oben – und dann reicht es auch wirklich für heute.
Gegen 16:00 Uhr checken wir auf dem NRMA Port Campbell Holiday Park ein. Schnell Strom anschließen, dann erstmal eine längere Runde telefonieren mit Christian, bevor es bei ihm zu spät wird. Immerhin ist er 6 Stunden voraus.
Der Rest des Nachmittags gehört dem Chillen, denn das gehört zum Urlaub schließlich auch irgendwie dazu.
Am Abend – heute ist Valentinstag – habe ich meinen lieben Mann in eine Brewery eingeladen, also fällt das Kochen heute aus.
Wir gehen in den Sow & Piglets Brew Pub. Andreas nimmt ein IPA, ich probiere ein Tasting Board mit fünf verschiedenen Sorten – am besten gefällt mir das Ginger Beer, weil es am wenigsten nach klassischem Bier schmeckt 😅
Zum Essen gibt es für Andreas einen Burger und für mich ein Thai Curry – beides richtig gut.
Danach spazieren wir noch eine Runde auf dem Port Campbell Discovery Walk, einfach zum Verdauen und um die Aussicht von oben zu testen.
Gegen 20:30 Uhr sind wir wieder am Campground. Die Sonne steht gerade im Untergang – perfekt, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.