Australien

Cape Bridgewater: Robben, Küstenkino und Pferdebremsen

Der Himmel gibt sich heute Morgen bedeckt – da ist noch Luft nach oben beim Wetter. Auch die Temperaturen haben deutlich nachgelassen. Heute Nacht haben wir tatsächlich gefroren und die dicken Schlafanzüge rausgeholt. Es wird langsam etwas herbstlicher hier.

Nach dem Frühstück und den üblichen Morgenverrichtungen fahren wir gegen 9:00 Uhr los – wir wollen zum Cape Bridgewater.

Nach gut 20 Minuten sind wir da. Sonnencreme können wir uns erst mal schenken, und so sind wir zehn Minuten später schon mit den Wanderschuhen unterwegs: auf dem Great South West Walk.

Dieser Fernwanderweg zieht sich über rund 250 Kilometer entlang der wilden Küste zwischen Portland und Nelson – ein echtes Paradies für alle, die Klippen, Wind und endlose Meeresblicke mögen.

Unser erstes Ziel ist die Seals Colony. Der Weg dorthin ist wunderschön, immer direkt an der Küste entlang, und im Gegensatz zu gestern hat man das Meer praktisch die ganze Zeit im Blick.

Am Aussichtspunkt sieht man die Robben allerdings nur aus großer Entfernung. Sie liegen auf den Felsen herum und lassen es sich gut gehen. Ein paar kleinere dribbeln über die Steine, andere nehmen ein erfrischendes Bad. Kein Vergleich zur Seelöwen-Action auf Kangaroo Island, aber trotzdem macht es Spaß, ihnen eine Weile zuzuschauen.

Ein Stück weiter gibt es noch einen zweiten Viewpoint – und hier wird es zoologisch interessant: Ein Schild erklärt, dass wir genau an der Grenze zwischen zwei Kolonien stehen.

Links die territorialen Australian Fur Seals, rechts die New Zealand Fur Seals. Und tatsächlich: Die australischen liegen eher dekorativ auf den Felsen herum, während die neuseeländischen offenbar die Schwimmer sind – im Wasser ist deutlich mehr Betrieb.

Der Weg führt weiter durch schöne Küstenvegetation. Der Himmel bleibt bedeckt, aber zum Wandern ist das Wetter perfekt. Und die Fliegen mögen die Temperaturen offenbar nicht besonders – wir bleiben heute bisher weitgehend verschont.

Wir entdecken sogar einen Fuchs… leider in seiner vergänglichen Form. Sagen wir mal so: er wird nicht mehr weiterwandern.

Später kommen wir am Petrified Forest vorbei. Hier hat die Natur vor sehr langer Zeit ganze Baumstämme mineralisiert – das Holz wurde nach und nach durch Stein ersetzt, bis nur noch versteinerte Überreste übrig blieben.

Faszinierend… aber leider auch der Moment, in dem Pferdebremsen plötzlich in Wolken über uns herfallen. Wir halten es nicht lange aus, machen schnell ein paar Fotos und flüchten wieder.

Bei den Blowholes nur wenig weiter bläst heute übrigens nichts – vermutlich, weil gerade Ebbe ist. An Kraft mangelt es den Wellen jedenfalls nicht: sie donnern mit voller Wucht gegen die Felsen, es spritzt und schäumt gewaltig, nur eben ohne die spektakulären Wasserfontänen.

Unterwegs entdecken wir auch dunkle Lava-Überreste: Cape Bridgewater war früher tatsächlich vulkanisch geprägt und zeitweise wohl sogar eine Insel. Die Landschaft erzählt hier wirklich Geschichte in Schichten.

Kurz vor 15:00 Uhr sind wir zurück am Car Park. Bevor wir nach Portland fahren, machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf die Bridgewater Lakes und die Dünen von Whites Beach – empfohlen von einem Pärchen aus Melbourne, das wir unterwegs getroffen haben. Gute Empfehlung.


Auf dem Rückweg nehmen wir noch einen Umweg über Point Danger, wo die einzige Australasian Gannet Colony auf dem australischen Festland lebt. Australische Tölpel – ein Name, der nicht ganz zur Eleganz dieser Vögel passt.

Normalerweise kann man sie von einem Bird Hide gut beobachten. Aber heute hängt am Zaun ein dickes Vorhängeschloss. Kein Zutritt – dafür steht daneben eine Spendenbox. Zugesperrt, aber zahlen darf man trotzdem.

Also sehen wir die Tölpel nur aus sehr großer Entfernung. Na gut, das war dann heute mal nichts.


Zurück am Campingplatz wartet dafür gleich die nächste Überraschung: Direkt am Eingang sitzen zwei Koalas gleichzeitig in einem Baum. Ein ziemlich netter Ersatz für die Gannets.

Später plaudern wir noch lange mit unserem Camping-Nachbarn, einer jungen Familie aus Melbourne – sehr nette Leute.

Abends wird gegrillt: Chicken-Spieße mit Limetten-Chili-Dressing und Nudelsalat.

Danach noch eine Runde über den Campingplatz und am Strand entlang spazieren, und schließlich lassen wir den Abend ganz entspannt mit Nachrichten lesen und Kontakt nach Hause ausklingen.