Australien
Zurück zur Küste: Kakadus, Koalas und Cape Nelson
Heute Morgen fühlen wir uns beim Frühstück ein bisschen wie in einem Alfred-Hitchcock-Film: Die Vögel.
Wir sitzen draußen am Tisch, und um uns herum versammelt sich gefühlt die komplette Vogelwelt des Campingplatzes. Da sind die weißen Kakadus mit dem gelben Kopfschmuck, die Flötenkrähen im Schwarz-Weiß-Look – und sogar der Lachende Hans, der plötzlich mehrfach zum Tiefflug ansetzt und ganz unverhohlen versucht, mir das Frühstücksbrot aus der Hand zu klauen.
Wir müssen die Bande wirklich ständig verjagen. Respekt? Fehlanzeige.
Vielleicht liegt es auch daran, dass wir inzwischen fast die einzigen Gäste auf dem Platz sind. Bei niemand anderem ist mehr etwas zu holen. Aber von uns gibt’s auch nichts. Pustekuchen. Sie glauben das nur noch nicht.
Dazu hat es merklich abgekühlt. Der Wind pfeift über den Campground, und beim Frühstück kommt zum ersten Mal seit Tagen wieder ein Fleece zum Einsatz.
Um Punkt 9:00 Uhr drückt Andreas den Startknopf – und der Camper läuft. Hurra.
Auf geht’s zurück ans Meer, Richtung Portland.
Unterwegs erleben wir dann noch eine kleine Überraschung: Ein Koala läuft uns über den Weg. Ja, richtig gelesen – läuft. Offenbar können sie also nicht nur in Bäumen sitzen, dösen und Eukalyptus kauen, sondern auch ziemlich flink unterwegs sein. So flink, dass wir fotografisch nur noch sein Hinterteil erwischen, bevor er unter einem Zaun hindurch verschwindet.
Unser erster Zwischenstopp führt uns in den Budj Bim Nationalpark. Eine faszinierende, vulkanisch geprägte Landschaft, die gleichzeitig ein bedeutendes Kulturerbe ist: Die Gunditjmara People haben hier über viele tausend Jahre hinweg mit den natürlichen Ressourcen gelebt und eine der ältesten bekannten dauerhaft genutzten Kulturlandschaften der Welt geschaffen.
Das Visitor Centre wirkt leider seit längerem geschlossen, alles ist still und verlassen – aber die Wege sind trotzdem wunderschön.
Wir laufen den Crater Rim Walk einmal um den Lake Surprise. Keine anderen Touristen weit und breit.
Dafür: Koalas. Viele Koalas.
Ein besonders kuscheliges Exemplar schaut uns misstrauisch aus seiner Astgabel an, als hätten wir ihn beim Mittagsschlaf gestört. Immer wieder entdecken wir neue graue Fellknäuel in den Bäumen.
Man sollte diesen Rundweg eigentlich umbenennen in: Koala Walk. 😅
Aber nicht nur in den Bäumen ist etwas los: Immer wieder sehen wir auch Kängurus, die am Wegesrand grasen oder mit ein paar Sprüngen im Busch verschwinden, sobald wir uns nähern.
Gegen 12:45 Uhr fahren wir weiter nach Portland.
Erstmal Großeinkauf bei Woolworth und BWS, dann checken wir gegen 14:30 Uhr auf dem Campingplatz ein. Heute gönnen wir uns einen Ensuite-Platz mit eigenem Bad – kaum teurer als ein normaler Powered Site. Also: warum eigentlich nicht?
Nach dem Lunch geht es nochmal los zum Cape Nelson.
Wir schauen uns das Lighthouse an und laufen eine Runde auf dem Great South West Walk. Erst ein Stück direkt an der Küste entlang – wieder absolut beeindruckend, mit welcher Wucht die Wellen hier gegen die Felsen donnern.
Dann führt der Weg durchs Hinterland zurück. Unterwegs scheuchen wir das ein oder andere Känguru aus dem Gebüsch auf, bevor es wieder durch Küstenvegetation zurück Richtung Meer geht.
Am Wegrand entdecken wir sogar noch ein ziemlich großes Echidna – die haben wir seit Tasmanien nicht mehr gesehen. Es ist allerdings schüchtern und verschwindet schnell im Gestrüpp.
Gegen 18:00 Uhr sind wir zurück am Auto und fahren zum Campground.
Schlafmodus umbauen, dann wird gekocht: Rindergeschnetzeltes mit wildem Brokkoli, Reis und Krautsalat. Dazu ein Glas Wein für mich und ein Bier für Andreas – verdient.
Nach dem Abwasch drehen wir noch eine letzte Runde über den Platz und am Strand entlang.
Ein Tag zwischen Vogelchaos, Koala-Begegnungen und tobender Küste – und endlich wieder Meerluft in der Nase.