Australien

Grampians: Batterie-Wahnsinn die dritte und Trost am MacKenzie River

Heute schlafen wir ausnahmsweise mal etwas länger. Andreas lässt sogar die Laufschuhe stecken – ein seltenes Ereignis – und wir frühstücken ganz gemütlich. Wir sind optimistisch: Heute klappt alles. Schließlich haben wir den Camper inzwischen ordnungsgemäß gelockt in jeder freien Sekunde. Verriegeln ist mittlerweile fast schon ein Reflex.

Also machen wir uns aufbruchbereit, setzen uns hoffnungsvoll hin, drehen den Schlüssel und dann…

Nichts.

Es ist doch zum Verrücktwerden. Dieses Scheißding von Batterie ist schon wieder leer. Wir kommen nicht weg. Schon wieder. 🤯🤯🤯🤯🤯

Ehrlich gesagt habe ich diese ganze „Ihr müsst nur richtig abschließen“-Geschichte sowieso nie so richtig geglaubt – und jetzt bestätigt sich das auch noch. Wir rufen erneut bei THL an und bestehen diesmal darauf, dass die Batterie gewechselt wird. Am liebsten hätten wir ja gleich den ganzen Camper gewechselt. Aber das sei leider nicht möglich.

Diesmal soll es bis zu zwei Stunden dauern, bis jemand kommt.

Und weil wir hier ziemlich remote sind, bleibt uns genau… nichts. Also waschen wir halt noch eine Ladung Wäsche. Die vermutlich vernünftigste Art, wie man einen halben Urlaubstag in den Grampians verbringen kann.

Als die Wäsche fertig ist, sind die zwei Stunden natürlich noch lange nicht um. Andreas geht eine Runde laufen, ich lese ein bisschen. Klar – wozu ist man denn sonst in einem Nationalpark. 😢

Gegen 11:00 Uhr taucht endlich der Service-Mann auf und tauscht die Batterie. Auch er hat allerdings keinerlei Idee, was das Ganze verursacht haben könnte. So langsam haben wir die Nase voll von diesem Camper. Wir hoffen einfach, dass sich das Problem mit der neuen Batterie erledigt hat.

Nach dem Wechseln springt der Motor zwar an, aber das Display zeigt immer noch „Low Voltage“ an. Mit brandneuer Batterie. Voll geladen. Logik: irgendwo zwischen Outback und Paralleluniversum.

Der Service-Mann empfiehlt, Mercedes zu kontaktieren.

Wir rufen nochmal bei THL an und drängen jetzt wirklich darauf, dass wir ein neues Fahrzeug bekommen. Die Dame am Telefon möchte erst ein Foto vom Display. Wir schicken es. Sie müsse „ein paar Sachen im Hintergrund klären“ – wir sollen warten.

Wir einigen uns darauf, dass wir jetzt wenigstens losgehen, um irgendetwas Vernünftiges mit diesem Tag anzufangen.

Gegen 12:00 Uhr schaffen wir es tatsächlich ins Visitor Center, um nach kürzeren Hikes zu fragen – unsere ursprüngliche Tour können wir nach diesem Chaos natürlich vergessen.

Während wir noch mit der Rangerin sprechen, ruft THL an: Wir sollen zu einer Service Station fahren, angeblich 15 Minuten entfernt. Wenn das nichts bringt, würden sie über einen Fahrzeugtausch nachdenken.

15 Minuten.

Ja. Klar.

Es werden 72 Kilometer bis nach Horsham. Eine Stunde Fahrt. One way.

Ich glaube, den Tag können wir endgültig abhaken.

Um 13:30 Uhr sind wir endlich dort – nur um in der Werkstatt zu hören, dass sie noch gar nicht anfangen können. Es fehlt die Purchase Order von THL. Ohne die machen sie nicht mal die Motorhaube auf. Business halt.

Also warten wir weiter. Darin sind wir mittlerweile ziemlich geübt.

Nach einer weiteren Viertelstunde rufen wir nochmal bei THL an. Die Dame am Telefon behauptet stur, sie hätte alles an die Werkstatt geschickt. Hier ist aber nichts angekommen. Irgendwann stellt sich dann heraus: Tippfehler in der E-Mail-Adresse. 😵‍💫

Als das endlich geklärt ist, schauen sich die Jungs vom Auto Electrical alles an – und finden erwartungsgemäß: nichts. Batterie lädt. System okay. Keine Erklärung.

Uns beruhigt das exakt gar nicht.

Also kaufen wir direkt noch ein Jump Starter Power Pack. Teuer, aber wir haben keine Lust mehr, beim nächsten Mal wieder stundenlang auf Rettung zu warten. Vielleicht können wir THL ja irgendwie dazu bringen, die Kosten zu übernehmen. Vielleicht auch nicht. Aber wenigstens haben wir dann ein kleines Stück Kontrolle zurück.

Wenn wir schon mal in Horsham sind, kaufen wir hier auch gleich noch einen neuen Campingstuhl – der alte hat sich ja gestern spektakulär verabschiedet – und tanken noch.

Dann wieder eine Stunde zurück.

Um 16:00 Uhr sind wir wieder in Halls Gap. Den Tag haben wir ja wirklich hervorragend genutzt. 🙄


Aber wenigstens passiert jetzt endlich noch etwas Gutes.

Wir halten am Zumstein Car Park. Von hier wollen wir wenigstens noch zu den Fish Falls und den MacKenzie Falls. Gleich am Anfang steht ein Schild, dass in diesem Gewässer Platypus zu Hause sind.

Platties!

Das wäre doch mal eine kleine Kompensation für den ganzen restlichen Irrsinn.

Der Weg ist angenehm entspannt, flach und führt am MacKenzie River entlang. Endlich mal keine Hotline-Musik, keine Fehlermeldungen, keine Purchase Orders – nur Wasser, Eukalyptusbäume und dieses beruhigende Gefühl, dass Natur sich nicht für Bordcomputer interessiert.

Zuerst erreichen wir die Fish Falls, wirklich beeindruckend, wie das Wasser über die Felsen stürzt.

Und später dann die MacKenzie Falls – noch größer, noch wilder, und als Bonus spannt sich sogar ein Regenbogen in den Sprühnebel.

Und plötzlich ist sie wieder da: die gute Laune.

Genau dafür sind wir doch hier.


Gegen 19:00 Uhr sind wir zurück am Parkplatz, eine halbe Stunde später wieder am Campground. Unterwegs ruft noch eine Dame von THL an, um nach dem Status zu fragen – aber die Verbindung bricht ständig ab. Der Empfang hier ist ungefähr so stabil wie unsere Bordelektronik.

Zurück am Platz haben wir endgültig keine Muse mehr zum Kochen. Es gibt nur einen Caesar Salad mit Chicken. Das muss reichen.

Während wir das Ganze halbherzig vorbereiten, bekommen wir noch unerwartete Gesellschaft: Ein lachender Hans hat es sich auf unserem Stuhl gemütlich gemacht und beobachtet uns ganz genau – offenbar in der Hoffnung, dass etwas für ihn abfällt. Ein ziemlich unterhaltsamer Küchenhelfer auf Zeit.

Dazu ein Drink, um den restlichen verbliebenen Ärger runterzuspülen.

Morgen ist ein neuer Tag. Und bitte… bitte mit voller Batterie.