Australien

Grampians: Batterie-Alarm und Wege durchs Wonderland

Heute startet eigentlich alles wie gewohnt: Andreas dreht seine morgendliche Laufrunde, ich kümmere mich schon mal ums Frühstück, und danach steht der übliche Umbau vom Schlafmodus in den Fahrmodus an. Wir sind inzwischen richtig eingespielt.

Tja. Dachten wir.

Denn kaum wollen wir los, kommt das Déjà-vu mit voller Wucht zurück: Der Camper springt nicht an.

Wir versuchen es fünf-, sechs-, … zehnmal. Erst passiert gar nichts, dann kommt er irgendwann zögerlich, widerwillig, fast beleidigt. Und auf dem Display blinkt uns eine Sammlung an Fehlermeldungen entgegen, allen voran: Flat battery.

Das kann doch wirklich nicht wahr sein. 🤯🤯🤯

Also rufen wir wieder bei THL an. Nach einer langen Diskussion, technischen Erklärungen und australischem Support-Englisch verstehen wir am Ende Folgendes:

Man müsse den Camper angeblich nach dem Abstellen immer komplett abschließen, sonst läuft irgendein Bordcomputer weiter und zieht heimlich Strom. Und danach solle man ihn bitte nur noch über die Seiten- oder Hintertür betreten — denn sobald man die Fahrer- oder Beifahrertür öffnet, „wacht“ das System wieder auf und beginnt erneut zu saugen.

Klingt… sagen wir mal… mathematisch fragwürdig. Immerhin war der Camper über Nacht ja abgeschlossen. Aber gut. Wir nehmen es erstmal so hin, auch wenn wir nicht wirklich überzeugt sind.

Zur Sicherheit fahren wir noch extra zwanzig Kilometer sinnlos die Straße rauf und runter, einfach nur, damit die Batterie sich hoffentlich wieder berappelt.


Gegen 10:30 Uhr können wir dann endlich loslaufen — nur eine Stunde Verspätung. Man wird ja bescheiden.

Unser Ziel heute: der Wonderland Loop, eine der schönsten Wanderungen rund um Halls Gap.

Gleich am Anfang machen wir einen kurzen Abstecher zu den Venus Baths. Hier sieht man wunderbar, wie Wind und Wasser über Millionen Jahre die Felsen geformt haben: kleine Becken, glatte Rillen, verwitterte Strukturen. Frühe Siedler waren von diesen natürlichen Skulpturen so beeindruckt, dass sie das Gebiet gleich „Wonderland Range“ tauften.

Man kann sich gut vorstellen, wie hier an heißen Tagen die Füße im Wasser baumeln — heute ist es eher ein kurzer Stopp zum Staunen.

Weiter geht es zu den Splitter Falls. Wobei „Falls“ fast schon ein bisschen optimistisch ist: Ein winziges Rinnsal tröpfelt die Steine hinunter, mehr Splitter als Wasserfall. Aber hey — es zählt als Sehenswürdigkeit.

Danach wird es richtig eindrucksvoll: Wir wandern durch den sogenannten Grand Canyon der Grampians.

Natürlich kein Vergleich zu Arizona, aber trotzdem überraschend spektakulär: schmale Felspassagen, hohe Wände, schattige Einschnitte — ein kleiner Canyon-Moment mitten in Victoria.

Das Gestein hier ist übrigens überwiegend Sandstein und Schieferquarzit, typisch für die Grampians: uralte, gefaltete Sedimente, die heute diese zerklüftete Landschaft formen. Zwischendurch fühlt es sich tatsächlich ein bisschen an wie die Sächsische Schweiz — nur eben australischer, wilder, und mit deutlich aggressiverem Fliegenaufkommen.

Der Höhepunkt der Runde ist schließlich The Pinnacle.

Oben werden wir mit einem fantastischen Blick über die zerklüfteten Grampians belohnt, hinunter nach Halls Gap und bis zum Bellfield Lake. Ein Moment zum Durchatmen — auch wenn man dabei gleichzeitig schwitzt und Fliegen wegwedelt.

Der Rückweg zieht sich etwas, viel geht seicht bergab über Stufen, was meine Knie nur mäßig begeistert. Aber gegen 16:00 Uhr sind wir wieder am Auto.


Wir testen nicht sofort, ob der Camper anspringt — wir schmeißen erstmal nur alles rein, schließen ordnungsgemäß ab (wir lernen ja dazu 😎) und gehen zur Belohnung ein Eis essen.

Zurück am Camper wird dann gewaschen, gechillt, Papierkram erledigt und schließlich gekocht:

Pasta mit Meatballs. Keine Sterneküche, aber absolut campinggerecht.

Und als wäre der Tag nicht schon abwechslungsreich genug, bricht beim Essen plötzlich Andreas’ Stuhl zusammen — einer der geliehenen Campingstühle vom Vermieter.

Natürlich.

Ich schreibe Maui eine Mail mit dem Vorschlag, einen neuen zu kaufen. Und überraschenderweise kommt schnell eine Antwort: Entschuldigung, defekter Stuhl, bitte ersetzen und den alten entsorgen.

Immerhin etwas, das heute mal unkompliziert läuft.

Abends dann das Übliche: runterkommen, Nachrichten lesen, Kontakt nach Hause, Reisebericht schreiben…

Und hoffen, dass der Camper morgen früh nicht wieder beschließt, ein eigenes Drama zu starten.