Australien

Grampians: Gipfelhitze, Fliegennetze und Campingplatz-Safari

Heute früh klappt alles wie am Schnürchen: Die Batterie zickt nicht, der Camper springt brav an, und um Punkt 9:00 Uhr sind wir schon on the road. Auf geht’s in den Grampians Nationalpark.

Zwischenstopps haben wir keine eingeplant – drei Stunden Autofahrt am Stück. Gut für die Batterie… und vielleicht auch für unser Nervenkostüm 😅

Wir überqueren die Grenze nach Victoria und verlieren dabei eine halbe Stunde durch die Zeitumstellung – nicht der Rede wert.

Die Fahrt selbst bleibt eher ereignislos. Was uns allerdings immer wieder auffällt: Links und rechts der Straße ziehen sich breite, angebrannte Streifen durch die Landschaft. Vermutlich kontrollierte Brandflächen oder Brandschneisen – in Australien gehört Feuerprävention eben genauso zum Alltag wie Verkehrsschilder.

In der Ferne tauchen langsam die ersten Berge auf. An einem Viewpoint halten wir kurz – und treffen dort tatsächlich einen einzelnen Emu. Diesmal kein furchteinflößender Riesen-Dino wie neulich, sondern ein ganz normal großes Exemplar. Friedlich, entspannt, fast schon höflich ☺️

Dann erreichen wir den Grampians Nationalpark – eines der bekanntesten Wandergebiete Victorias. Ein riesiges Schutzgebiet mit Sandsteinbergen, Aussichtspunkten, Wasserfällen und unglaublich viel Wildlife. Und weil der Park so groß ist, dauert es vom Eingangsschild bis nach Halls Gap noch eine ganze Weile.

Gegen 12:30 Uhr kommen wir schließlich an – und freuen uns, dass man hier schon ab 12:00 Uhr einchecken kann.

Wenn man am richtigen Campground ist…

Denn natürlich sind wir das offenbar nicht.

Ich war mir absolut sicher, den Halls Gap Caravan Park gebucht und bezahlt zu haben. Aber an der Rezeption schaut man mich nur freundlich an und sagt: „No reservation.“

Hmmm.

Ich zeige meine Buchungsbestätigung, und die Dame meint trocken: Das sei der Breeze Holiday Parks – Grampians.

Ah. Ja. Das erklärt einiges.

Also fahren wir nochmal ein paar Kilometer weiter zum anderen Campground. Der liegt etwas abgelegener und wirkt deutlich mehr nach „Wildnis“ als nach „Ferienpark“. Aber gut – jetzt sind wir halt hier.

Wir schauen uns kurz um, nutzen das WLAN und telefonieren erstmal eine Runde mit Christian.


Gegen 13:30 Uhr brechen wir dann noch mal zu einer Wanderung auf. Vom anderen Campingplatz hätte man direkt loslaufen können – hier müssen wir eben nochmal ein Stück mit dem Camper fahren.

Unser Ziel: Boronia Peak.

Schon nach den ersten Metern merken wir: Die Fliegen hier haben heute Großkampftag. Sie stechen nicht, aber sie fliegen mit erstaunlicher Zielgenauigkeit direkt in Augen, Nase und Ohren. Zum ersten Mal kommen unsere Kopfnetze zum Einsatz – sehr stylisch, aber absolut notwendig.

Der Trail führt zunächst durch trockenes Buschland, dann wird es langsam steiler. Immer wieder öffnet sich der Blick über die Hügel der Grampians, und man ahnt schon, dass sich der Aufstieg lohnen wird.

Das letzte Stück ist dann tatsächlich ein bisschen kletterig: ein paar Felsen, ein paar Hände zur Hilfe – nichts Dramatisches, aber bei der Hitze fühlt es sich trotzdem nach Abenteuer an.

Oben werden wir belohnt: eine fantastische Aussicht über die zerklüfteten Berge und die grünen Täler der Grampians. Genau so ein Moment, in dem man einfach nur dasteht, schwitzt – und trotzdem glücklich ist.

Nach insgesamt 3,5 Stunden sind wir gegen 18:00 Uhr zurück am Auto und fahren die paar Kilometer zum Campground.


Dort setzen wir uns erstmal mit einem kalten Bier beziehungsweise einer Cola auf unseren Platz – und dann geht plötzlich die Geräuschkulisse los:

Gelbhaubenkakadus kreischen, als gäbe es ein internes Lautstärke-Ranking. Auf der Wiese neben uns grasen völlig entspannt Kängurus. Rosakakadu sitzen in den Bäumen und mischen sich ein.

Und dann spazieren auch noch zwei Emus gemütlich über den Campingplatz.

Ich glaube, wir sind gar nicht auf einem Campground gelandet, sondern mitten im Zoo.

Spätestens jetzt sind wir überhaupt nicht mehr enttäuscht, dass wir aus Versehen den „falschen“ Platz gebucht haben – denn dieser hier ist eine komplette Wildlife Experience.

Am Abend wärmen wir nur noch die Reste vom Butter Chicken von neulich auf. Zu mehr fehlt uns nach der Hitze und der Wanderung einfach der Elan – und weg muss das Zeug ja sowieso irgendwann.

Dann noch spülen, duschen, den Camper wieder in den Schlafmodus puzzeln… und irgendwann fällt die Müdigkeit einfach über uns her, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Gute Nacht, Grampians.