Australien

Hahndorf & Coorong: Ein Hauch Deutschland & Pelikane im Gleichschritt

Der zweite Tag im Camperleben beginnt ganz entspannt. Andreas startet sportlich und dreht erst einmal eine Laufrunde, während ich mich innerlich noch ein bisschen an das neue Haus auf Rädern gewöhne.

Danach läuft unser Camper-Morgenprogramm an: Frühstück, spülen, alles wieder festmachen, hier noch eine Klappe schließen, dort noch etwas verstauen… und plötzlich ist es schon fast 10:00 Uhr.

Gerade so schaffen wir es, pünktlich zur maximalen Checkout-Zeit den Campingplatz zu verlassen. Und das fällt tatsächlich ein bisschen schwer, denn dieser Platz war richtig gut: sauber, großzügig, tolle sanitäre Anlagen, viel Platz – alles, was man sich wünscht. Er macht die kleinen… nennen wir es freundlich „Startschwierigkeiten“ unseres Campers zumindest ein bisschen wett.

Bevor wir aber endgültig losrollen, parken wir den Camper noch schnell außerhalb und laufen zu Fuß in das charmante Städtchen Hahndorf hinein. Eine Stunde länger bleiben war leider nicht drin – sonst hätten wir vermutlich einfach noch den halben Vormittag hier vertrödelt.

Hahndorf ist ein kleines Stück Deutschland mitten in South Australia. Gegründet wurde es im 19. Jahrhundert von deutschen Siedlern, und diese Geschichte spürt man wirklich an jeder Ecke. Deutsche Bäckereien mit Laugenbrezeln, Cafés mit Apfelstrudel, Geschäfte voller Maßkrüge und Weizengläser… und irgendwo hängt Mitte Februar immer noch Weihnachtsdeko.

Im German Arms gibt es tatsächlich eine Spezialitätenkarte, bei der man kurz vergisst, dass man eigentlich in Australien ist: Bockwurst, Sauerkraut, Kassler, Jägerschnitzel. Und im Laden für German Folk Art stehen – zum Glück keine Kuckucksuhren – aber dafür Räuchermännchen aus dem Erzgebirge. Natürlich.

Gegen 11:00 Uhr reißen wir uns dann doch los und fahren endlich weiter. Das Tagesziel: der Coorong Nationalpark.


Schon nach wenigen Kilometern begleitet uns wieder dieses ominöse Camper-Quietschen. Kein Klappern von schlecht verstauten Sachen – sondern ein echtes Dauergeräusch, das uns sanft in den Wahnsinn lullt. Wir beschließen: Heute Abend wird dem Quietschproblem auf den Grund gegangen. Heute fahren wir erstmal… quietschend.

Unterwegs machen wir noch einen kurzen Stopp bei BCF, einem Campingladen, um ein paar Dinge zu kaufen, die in unserem „voll ausgestatteten“ Camper erstaunlicherweise fehlen.

Dann geht es weiter durch die Weingegend südöstlich von Mount Barker, vorbei an endlosen Reben und hübschen Wineries. Andreas fragt plötzlich völlig ernsthaft, warum wir hier eigentlich kein Wine Tasting machen.

Ich bin kurz sprachlos. Ausgerechnet er. In Argentinien hat er bei jedem Weingut gestöhnt – und jetzt will er freiwillig? Man weiß nie, welche Seite ein Mensch auf Reisen plötzlich entdeckt.

Langweilig wird die Fahrt jedenfalls nicht: Erst müssen wir einer Schafherde Platz machen…

… und kurz darauf stehen wir völlig überrascht vor… einer Fähre.

Die Wellington Ferry überquert hier den Murray River – nur etwa 200 Meter breit, kostenlos, und sie fährt praktisch rund um die Uhr hin und her. Wir hatten das bei der Planung komplett übersehen, finden es aber sofort ziemlich cool. Ein Mini-Abenteuer zwischendurch.

Direkt danach machen wir Mittagspause mit unseren Broten, bevor wir auf dem Princes Highway weiter Richtung Süden fahren.

Wir passieren auch den sogenannten Pink Lake bei Meningie. Laut Schild entsteht die rosa Farbe durch Carotin aus einer Alge, und sie wird intensiver, je trockener der See wird.

Tja. Trocken: ja. Pink: mit sehr, sehr viel Fantasie vielleicht. Aber nein - eigentlich reicht alle Fantasie der Welt nicht aus, um das „pink“ zu nennen:


In Meningie stoppen wir am Lake Albert an einem Viewpoint – und hier wird es plötzlich richtig spannend: Pelikane überall. Wir beobachten fasziniert, wie eine ganze Gruppe von etwa zehn Pelikanen völlig synchron nach Fischen taucht. Kopf runter, Kopf hoch, gleichzeitig, als hätten sie vorher eine Choreografie einstudiert. Fast wie eine Treibjagd – nur eleganter.

Unser Campingplatz liegt zwar schon bereit, aber wir fahren erst noch weiter zum Coorong Lookout. Von hier oben eröffnet sich ein fantastischer Blick über die Lagunenlandschaft des Coorong Nationalparks – ein echtes Paradies für Vogelbeobachter. Die Feuchtgebiete sind ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche bedrohte Arten, und überall sieht man Wasser, Schilf, Himmel und Vögel.


Gegen 15:30 Uhr kommen wir dann endlich am Campingplatz an. Unser Stellplatz direkt am See ist perfekt – besser könnte man ihn nicht aussuchen. Wir richten alles ein, lehnen uns zurück und chillen erstmal, bis die größte Hitze vorbei ist.

Nebenbei wird noch ein bisschen an der Route gefeilt: Little Desert fliegt raus, dafür nehmen wir Mount Gambier mit rein – ein Tipp, den wir in Adelaide bekommen haben und der einfach zu gut klingt. Nägel mit Köpfen: Campingplatz direkt gebucht.

Am späten Nachmittag machen wir noch einen kurzen Spaziergang auf dem Lions Walking Trail. Nichts spektakuläres, aber ein bisschen Bewegung muss sein – und frische Luft gibt’s hier sowieso im Überfluss.

Zurück am See sitzen wir lange draußen, beobachten Pelikane und andere Vögel und genießen diese besondere Campingplatz-Ruhe, die sich einstellt, wenn man einfach nur schaut und nichts muss.

Irgendwann werfen wir den Grill an. Es gibt Caesar Salad, Bratwürste und Brot – simpel, aber genau richtig.

Später wird der Camper wieder in den Nachtmodus umgeräumt, draußen wird es schnell frisch, und wir machen es uns hinten noch ein bisschen gemütlich.

Gute Nacht, Coorong. Das war unser zweiter Camper-Tag.