Australien
Kangaroo Island: Rauch am Horizont und Sand zwischen den Zehen
Der neue Tag beginnt mit einem kleinen Adrenalinschub – noch bevor wir überhaupt einen Fuß aus dem Bett gesetzt haben. Eine E-Mail von Sealink informiert uns darüber, dass alle Fähren zurück zum Mainland für heute gestrichen wurden. Grund: ein großes Buschfeuer bei Cape Jervis, inklusive gesperrter Zufahrtsstraßen. Aha. Daher also gestern dieser intensive Rauchgeruch.
Noch geraten wir nicht in Panik – unsere Fähre soll ja erst morgen gehen. Trotzdem klären wir vorsorglich mit unserer Vermieterin ab, ob wir im Zweifel ein paar Tage länger bleiben könnten. Die Antwort ist beruhigend: kein Problem.
Die Wohnung ist großartig, Internet und Infrastruktur passen – und ehrlich gesagt gibt es deutlich schlechtere Orte, um ungeplant festzusitzen.
Es hätte uns auch härter treffen können. Im schlimmsten Fall verlieren wir ein paar Camper-Tage und zahlen Mietwagen und Unterkunft länger. Aber: Wir sind sicher, komfortabel untergebracht und können abwarten. Also beschließen wir, genau das zu tun – und starten erst einmal entspannt in den Tag.
Beim Frühstück telefonieren wir mit Jan und Alida aus Holland, die sich direkt melden, als sie von den Buschfeuern hören. Ein bisschen Welt-da-draußen-Gefühl tut gut.
Gegen 9:30 Uhr brechen wir auf – Plan A gilt weiterhin. Unser erstes Ziel ist Prospect Hill, einer der wenigen Aussichtspunkte auf Kangaroo Island, von dem man wirklich alles sieht.
Der kurze Aufstieg über rund 60 Höhenmeter lohnt sich sofort: Blauer Himmel, türkisfarbenes Wasser, strahlender Sonnenschein. Postkartenwetter. Und gleichzeitig – gut sichtbar – eine Rauchfahne am Horizont in Richtung Cape Jervis. Schön und beunruhigend zugleich.
Von hier oben entdecken wir auch die Pennington Bay. Ein Blick reicht – da wollen wir hin. Jetzt.
Unten bestätigt sich unser Eindruck sofort:
Ein fantastischer Strand, kräftige Wellen, tiefblauer Himmel, perfekte Bedingungen.
Ein paar Surfer haben das genauso erkannt – und selbst die Hunde wirken, als hätten sie ihren besten Tag der Woche.
Wir ziehen die Schuhe aus und laufen barfuß ein langes Stück am Strand entlang, suchen uns im Schatten einiger Felsen ein geschütztes Plätzchen und machen… nichts. Einfach sitzen. Schauen. Staunen.
Wir beobachten die Surfer, die sich in die mächtigen Wellen werfen, die Hunde, die im Wasser herumtoben, und diese unglaubliche Kraft, mit der das Meer hier auf den Strand donnert.
Irgendwann widmet sich Andreas dem Burgenbau, was natürlich sofort die Aufmerksamkeit eines kleinen, sehr neugierigen Hundes auf sich zieht. Qualitätskontrolle muss sein.
Gegen 13:00 Uhr reißen wir uns schließlich los. Lange genug gefaulenzt – der Tag hat ja noch mehr vor.
Unser nächster Stopp ist American River. Hier laufen wir ein Stück den Cannery Walk entlang – schattig, ruhig, angenehm nach der Sonne.
Die erhofften Pelikane lassen zunächst auf sich warten, dafür entdecken wir unterwegs die Austernzucht- und Restaurierungsgebiete. Spannend:
Hier wird gezielt daran gearbeitet, native Austernriffe wieder aufzubauen – mit recycelten Schalen, Kalkstein und speziellen Modulen. Diese Riffe waren früher ein zentraler Bestandteil der Küstenökosysteme: Sie filtern das Wasser, stabilisieren den Meeresboden und bieten Lebensraum für zahlreiche Fischarten.
Am Ende des Weges dann doch noch ein pelikanischer Lichtblick: ein einzelner Pelikan, ganz für sich, als hätte er den perfekten Auftritt geplant.
Gegen 16:00 Uhr sind wir zurück in Kingscote.
Wir schauen noch im Büro von Sealink vorbei – konkrete Neuigkeiten gibt es leider nicht. Erst morgen früh um 6:00 Uhr wird entschieden, ob unsere Fähre fährt.
Zur Sicherheit buchen wir bereits eine Ersatzverbindung am Nachmittag, falls die frühe Fähre gestrichen wird. Auch unsere Vermieterin bleibt entspannt: Frühestens Freitag kommen neue Gäste – und selbst die würden bei weiterem Fährausfall ja gar nicht anreisen.
Am Abend gibt es dann noch eine ganz andere kleine Planänderung: Unsere Restaurantreservierung wird kurzfristig storniert. Technisches Problem. Kann passieren.
Also Plan B: Bella’s Pizza. Überraschend gut und sehr sättigend. Gerade noch zu schaffen.
Zum Abschluss drehen wir noch eine Runde zum Jetty, wo sich tatsächlich wieder ein paar Pelikane einfinden – als wollten sie uns sagen, dass hier eigentlich alles ganz normal weiterläuft.
Zurück im Apartment packen wir unsere Koffer optimistisch zur Abreise. In der wahnwitzigen Hoffnung, dass morgen früh um sechs eine gute Nachricht auf uns wartet.
Entsprechend geht es heute nicht allzu spät ins Bett.
Und Kangaroo Island zeigt uns einmal mehr: Selbst mit Rauch am Horizont kann ein Tag verdammt schön sein.