Australien

Singapur: Gold, Götter und Gärten und ganz viel Aussicht

Die zweite Nacht war deutlich besser – wir schlafen bis 7:30 Uhr durch und sind eine gute halbe Stunde später startklar. Den Tag beginnen wir wieder mit einem frisch gepressten Orangensaft aus dem Automaten. - daran kann man sich als Ersatz für Kaffee durchaus gewöhnen 😉.

Danach wollen wir zum Frühstück ins Lau Pa Sat Hawker Center. Das ist zumindest der Plan. In der Realität stehen wir um 8:30 Uhr vor fast durchgehend geschlossenen Ständen. So richtig frühstückstauglich ist das Lau Pa Sat also eher nicht. Wir finden schließlich einen der wenigen offenen Stände und essen ein paar Bohnen und ein undefinierbares Etwas für gerade mal 2,20 SGD. Satt macht es nur so mittel, aber für den Moment reicht es – und wir machen uns auf den Weg nach Chinatown.

Unser erstes Ziel ist der Buddha Tooth Relic Temple – benannt nach der Buddha-Zahnreliquie die hier angeblich aufbewahrt wird.

Schon beim Betreten sind wir beeindruckt: viel Gold, viel Prunk, unzählige Buddha-Figuren. Der Hauptgebetsraum allein ist ein echtes Wow-Erlebnis.

Doch der erst 2007 eröffnete Tempel im klassischen nordchinesischen Stil der Tang-Dynastie hat noch deutlich mehr zu bieten.

Mit einem Aufzug gelangt man in die oberen Stockwerke. Ganz oben befindet sich der sogenannte Sacred Light Hall Chamber, ein Gebetsraum, in dem man die Schuhe ausziehen muss und in dem striktes Fotografierverbot gilt. Hier wird auch die (angeblich) echte Zahnreliquie Buddhas in einem goldenen Stupa aufbewahrt. Die Atmosphäre hier oben ist spürbar ruhiger und sehr besonders.

Darunter liegen zwei weitere Etagen mit Ausstellungen buddhistischer Statuen und Reliquien.


Nach der Besichtigung des Buddha-Tempels wartet nur wenige Meter weiter direkt das komplette Kontrastprogramm: der Sri Mariamman Temple, der älteste Hindutempel Singapurs – und das ausgerechnet mitten in Chinatown.

Gemeinsamkeit mit dem Buddha-Tempel: Auch hier müssen die Schuhe vor dem Betreten des Gebetsraums ausgezogen werden. Ansonsten könnten die Unterschiede kaum größer sein.

Der 1827 erbaute Sri Mariamman Tempel ist der älteste Hindutempel der Stadt und ein wunderbares Zeugnis für das friedliche Miteinander der Religionen in Singapur. Er ist im südindischen Dravida-Stil erbaut und der Göttin Mariamman gewidmet, die vor allem im Süden Indiens und in Sri Lanka verehrt wird. Schon das Eingangstor – der sogenannte Gopuram – ist ein echter Blickfang: Auf mehreren Ebenen stapeln sich bunte, detailreiche Skulpturen von Gottheiten und mythischen Wesen. Im Inneren ist der Tempel dagegen vergleichsweise schlicht, abgesehen von einigen Schreinen und Deckenmalereien.

Nach all dem Gold und Prunk des Buddha Tooth Relic Tempels wirkt das fast zurückhaltend – aber nicht weniger eindrucksvoll. Uns haben beide Tempel auf ihre ganz eigene Weise begeistert.


Weiter geht es mit der MRT zu den Gardens by the Bay.

Unser erster Stopp ist der Cloud Forest, aktuell mit der Sonderausstellung featuring Jurassic World. Angenehm kühle Temperaturen, üppiges Grün, Nebelschwaden – und mittendrin Dinosaurier. Eine überraschend gelungene Mischung, die richtig Spaß macht und angenehm erfrischt.

Anschließend gehen wir noch einmal zu den Supertrees, diesmal bei Tageslicht und vom Observation Tower aus von oben. Der Blick reicht über das Marina Bay Sands, das große Riesenrad – den Singapore Flyer – und die weitläufigen Gardens by the Bay. Auch tagsüber ist die Aussicht beeindruckend und bietet ganz andere Perspektiven als am Abend.

Zum Abschluss schauen wir noch in den Flower Dome. Die riesige Kuppel ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die Pflanzen aus unterschiedlichen Ländern und Klimazonen zeigen. Ganz nett und durchaus interessant – aber nach all den Eindrücken reicht es dann auch langsam mit den Gärten.


Der kleine Hunger meldet sich wieder. Die Bohnen vom Morgen halten definitiv nicht den ganzen Tag. Also fahren wir mit der MRT nach Little Arab – schließlich bietet die multikulturelle Stadt Singapur für wirklich jeden Geschmack etwas.

Wir landen bei einem Streetfood-Stand und essen Lamb Shawarma, eine Art arabischer Wrap mit Kebab – richtig lecker – und gönnen uns danach noch ein Stück Baklava. Da die Sultan-Moschee erst um 14:00 Uhr für Besucher öffnet, bummeln wir noch ein wenig durch das arabische Viertel. Viele schöne Wandmalereien, kleine Läden, in denen gefeilscht wird, und unzählige Restaurants prägen das Viertel.

Zurück an der Moschee haben wir Glück: Kaum haben wir die Schuhe ausgezogen und lange Kleidung übergezogen, beginnt eine Führung. Wir schließen uns spontan an und erfahren viele interessante Details über den Islam. Unter anderem wird erklärt, wie die rituelle Reinigung vor dem Gebet abläuft. Wir werden ermuntert es auch auszuprobieren, wahrscheinlich will der Führer vermeiden, dass Ungläubige die Moschee verschmutzen 😉

Die Sultan-Moschee im Stadtteil Kampong Glam gilt als die schönste historische Moschee Singapurs. Sie wurde 1824 für Sultan Hussein erbaut, eine Schlüsselfigur in der Geschichte des Landes. Die Moschee mit ihrer markanten goldenen Kuppel steht heute unter Denkmalschutz und ist nicht nur religiös, sondern auch historisch von großer Bedeutung.

Nachdem wir in Little Arab alles gesehen haben, was uns interessiert, fahren wir mit der MRT zurück ins Hotel, gönnen uns eine Dusche und etwas Erholung.


Gegen 16:30 Uhr brechen wir erneut auf. Auf dem Plan stehen Dumplings bei Din Tai Fung und danach das Observation Deck des Marina Bay Sands. Wir nehmen wieder die MRT – die Station Telok Ayer liegt direkt neben unserem Hotel, und U-Bahn-Fahren ist hier wirklich angenehm einfach.

Im Restaurant angekommen merken wir, dass eine Reservierung eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre – vermutlich auch wegen der frühen Uhrzeit. Das Essen ist jedenfalls fantastisch. Besonders die Shrimp & Pork Wantons in Peanut Sesame Sauce sind der absolute Oberhammer 😋.


Nach dem Essen laufen wir zum Marina Bay Sands Hotel, für dessen Observation Deck wir bereits Tickets haben. Den richtigen Zugang zu finden, ist gar nicht so einfach, aber irgendwann stehen wir in der langen Schlange vor dem Aufzug. Gut, dass ich die Tickets vorab gekauft habe – für heute ist alles restlos ausverkauft.

Oben angekommen, ist die Aussicht natürlich der Hammer.

Wir bleiben so lange, bis es langsam dunkel wird und immer mehr Lichter die Stadt zum Leuchten bringen. Von hier oben liegt Singapur einem förmlich zu Füßen: Marina Bay, Skyline, Hafen, Straßen – alles glitzert und funkelt, und man könnte ewig schauen.

Von der Dachterrasse entdecken wir auch die Stelle, an der wir vorgestern die Musik-, Licht- und Wassershow gesehen haben. Diese noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben, klingt verlockend – also bleiben wir oben und warten, bis die Show beginnt.

Nach ein paar Minuten wird allerdings klar: Von hier oben wirken Licht und Wasser längst nicht so eindrucksvoll wie von unten, direkt an der Marina Bay. Nach fünf Minuten geben wir auf und machen uns wieder auf den Weg nach unten. Statt weiter auszuharren, schlendern wir lieber ganz entspannt zurück Richtung Hotel.

Unterwegs legen wir noch einen kurzen Stopp an der Marina ein und gönnen uns einen Cocktail mit Blick aufs Wasser – ein schöner, ruhiger Abschluss nach diesem vollgepackten Tag. Gegen 22:00 Uhr sind wir schließlich zurück im Hotel.

Es war wieder ein langer und anstrengender Tag. Aber so sind die Tage in einer Großstadt nun einmal – und da wir nur drei Tage für Singapur haben, sind sie eben entsprechend dicht gepackt. In Australien wird das Tempo dann ganz sicher wieder entspannter.