Australien
Kangaroo Island: Küstenpfade und uralte Felsen
Der neue Tag auf Kangaroo Island beginnt – wie könnte es anders sein – sehr unterschiedlich für uns beide. Andreas startet sportlich, ich entscheide mich für die Variante Regeneration im Bett. Teamwork eben. Entsprechend gemütlich geht es los: Müsli, ein entspanntes Frühstück, Brote für unterwegs schmieren. Gegen 9:00 Uhr rollen wir schließlich vom Campingplatz.
Unser Ziel ist der Parkplatz am Cape du Couedic Lighthouse, ganz im Südwesten der Insel. Der Leuchtturm steht hier seit 1909 auf den schroffen Klippen und warnte jahrzehntelang Schiffe vor der tückischen Küste. Auch heute wirkt er eher wie ein stiller Wächter am Rand der Welt – viel Wind, viel Meer, wenig Menschen.
Von hier starten wir auf den Kangaroo Island Wilderness Trail, zunächst in Richtung Weirs Cove. Laut Beschreibung erwartet uns spektakuläre Küstenlandschaft auf dem Weg zu einem historischen Ort, der einst entscheidend für das Überleben der Leuchtturmwärter war. Klingt gut – nehmen wir.
Der Himmel zeigt sich weiterhin grau und schwer, aber wir hoffen, dass die Wettervorhersage mit Schneefall (ja, wirklich) eher unter die Kategorie „verfrühter Aprilscherz“ fällt.
Der Weg führt durch wunderschöne Heide- und Küstenvegetation, dazwischen ein sandiger Pfad, der sich sanft durch die Landschaft schlängelt. Es ist ruhig. Sehr ruhig. Wir sind mal wieder komplett alleine unterwegs – keine Menschenseele weit und breit, nur Wind, Wolken und Meer.
An der Weirs Cove stoßen wir auf die Überreste eines alten Store Houses. Von hier aus wurden früher die Leuchtturmwärter und ihre Familien versorgt. Zwischen 1907 und den frühen 1930er-Jahren kam der Nachschub nur etwa alle drei Monate per Dampfschiff. Alles – von Lebensmitteln bis Brennstoff – musste eingelagert werden. War etwas aufgebraucht, gab es keinen Ersatz bis zum nächsten Schiff.
Auch die Reste der alten Seilbahn, mit der die Vorräte von der Bucht hinauf transportiert wurden, sind noch gut zu erkennen. Ein unscheinbarer Ort, der viel über das damalige Leben erzählt.
Von hier laufen wir weiter in Richtung Remarkable Rocks.
Wildlife zeigt sich unterwegs nur vereinzelt, dafür begegnen wir immerhin der wohl eindrucksvollsten Ameise Australiens: der Bull Ant. Bis zu 2,5 cm groß, ausgesprochen wehrhaft und mit einem Ruf, der ihr weit voraus eilt. Wir hatten in der letzten Unterkunft sogar noch Infomaterial inklusive Video über sie gesehen – heute also die Live-Version.
Der Weg wird zunehmend steiniger und mündet schließlich auf die Straße. Rund zwei Kilometer Asphalt liegen vor uns – nicht gerade der Höhepunkt des Tages, aber immerhin ist so gut wie kein Verkehr unterwegs.
Ein kurzer Stopp am Boxer Drive Lookout belohnt uns mit einer großartigen Aussicht auf die Küste. Und siehe da: Die Sonne kommt tatsächlich kurz heraus ☺️. Nicht lange, aber lang genug, um Hoffnung zu machen.
Sehr gerne – ich baue dir das etwas lebendiger und bildreicher aus, ohne deinen Stil zu verändern:
⸻
Dann stehen wir plötzlich vor den Remarkable Rocks. Hoch oben auf uralten Felsplattformen thronen sie über dem Meer, bizarr geformt und leuchtend orange-golden.
Ihre Entstehung ist eine rund 500 Millionen Jahre alte Geschichte aus Wind, Regen, Salz und Geduld – und dieser Prozess geht bis heute weiter. Die Geologie hier ist es, die sie so außergewöhnlich macht.
Anfangs sind wir fast alleine, doch nach und nach trudeln ein paar weitere Besucher ein. Wir kraxeln ausgiebig über die Felsen, erkunden neugierig jede noch so kleine Nische und jeden Durchgang und haben dabei richtig Spaß. Immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven – mal Richtung Meer, mal über die zerklüftete Küste.
Zwischendurch lassen wir uns einfach irgendwo auf den warmen Felsen nieder, packen unsere Sachen aus und machen eine entspannte Mittagspause mit bester Aussicht. Dabei warten wir geduldig darauf, dass sich die Sonne endlich durchsetzt. Und tatsächlich: Sie schafft es. Gegen 13:00 Uhr machen wir uns langsam wieder auf den Weg.
⸻
Direkt neben dem Boardwalk entdecken wir dann noch eine große Tiger Snake, die sich gemütlich in der Sonne wärmt. Abstand halten ist angesagt. Passend dazu fällt uns ein, was wir erst gestern Abend von unserem Guide gelernt haben:
Erwachsene Tigersnakes beißen oft „trocken“, also ohne Gift abzugeben. Jüngere Tiere können das noch nicht kontrollieren – bei ihnen ist fast jeder Biss giftig. So oder so gilt: Nach einem Schlangenbiss immer ins Krankenhaus, denn nur dort kann festgestellt werden, ob Gift injiziert wurde oder nicht.
Für den Rückweg wählen wir diesmal nicht die Straße, sondern den Sanderson Trail, der in einem weiten Bogen durch die Heidelandschaft zurück zum Parkplatz führt. Der Weg zieht sich etwas und ist gegen Ende landschaftlich nicht mehr ganz so spannend – aber so ein ruhiger Ausklang gehört eben auch zu einer langen Wanderung dazu.
Gegen 16:00 Uhr stehen wir nach rund 19 Kilometern wieder am Auto. Die Beine merken es, der Kopf ist angenehm leer.
Bevor es endgültig zurückgeht, legen wir noch einen kurzen Abstecher zum Admirals Arch ein.
Und ja: Der ist wirklich beeindruckend. Die Küste hier wird permanent von Wind und Wellen geformt. Die berühmten „Roaring Forties“ jagen aus Westen über den Southern Ocean und verleihen den Wellen zusätzliche Kraft. So sind die hohen Klippen und dramatischen Formationen entstanden – darunter auch der Admirals Arch, einst eine alte Meereshöhle.
Als Bonus gibt es hier noch jede Menge Seerobben zu beobachten. Besonders eine hat es uns angetan: Sie liegt in einer schmalen Felsritze und scheint sich genüsslich selbst den Rücken zu massieren. Man muss Prioritäten setzen.
Zurück am Camp heißt es erst einmal: Fotos sichten, auf der Terrasse sitzen, tief durchatmen. Der Körper ist müde, der Kopf angenehm leer. Zum Abendessen gibt es heute ganz unkompliziert die aufgepeppten Reste von gestern – mehr Ehrgeiz verspüren wir beide nicht mehr, und das ist völlig in Ordnung.
Mit der einsetzenden Dämmerung kommt langsam Bewegung in den Campingplatz. Immer mehr Wallabies lassen sich blicken, rote Rosellas ziehen mit lautem Flügelschlag durch die Luft, und wir drehen noch eine kleine Runde über das Gelände.
Dabei haben wir ein letztes kleines Highlight des Tages: In den Eukalyptusbäumen entdecken wir tatsächlich noch drei Koalas, die regungslos in den Ästen sitzen und ihren Feierabend offenbar schon begonnen haben.
Ein leiser, unspektakulärer Ausklang – und genau deshalb ein ziemlich perfektes Ende für diesen Tag im Nationalpark.