Australien
Adelaide: Marktverführungen, Museen und heiliges Wasser
Der Morgen beginnt in Adelaide wie inzwischen fast schon gewohnt: Andreas ist sportlich unterwegs und dreht seine Laufrunde, ich bleibe im Bett, schreibe am Reisebericht weiter und halte Kontakt zur Heimat – aktives versus passives Training sozusagen.
Wir lassen alles entspannt angehen, zumal es in unserer Unterkunft kein Frühstück gibt. Macht aber nichts, denn unser Ziel für den Vormittag steht ohnehin fest: der Adelaide Central Market.
Gegen 8:30 Uhr machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Was uns in Adelaide sofort wieder auffällt – und richtig gut gefällt – sind die vielen schönen, gepflegten Häuser. Die Stadt wirkt elegant, aber nicht geschniegelt, lebendig, aber nicht hektisch.
Unterwegs kommen wir an der St Francis Xavier’s Cathedral vorbei – und sie hat tatsächlich geöffnet.
Ein Blick hinein lohnt sich, nicht zuletzt wegen eines sehr zeitgemäßen Details: Die Kollekte kann hier elektronisch gespendet werden. Wir begnügen uns damit, unsere Trinkflaschen mit „heiligem Wasser“ zu füllen 😉 und ziehen weiter Richtung Markt.
Der Adelaide Central Market ist dann erst einmal… überwältigend. Ein Fest für alle Sinne. Wir bremsen uns bewusst, denn am liebsten würden wir an jedem Stand probieren.
Zum Einstieg beginnen wir mit einem Cappuccino und teilen uns ein kleines Stück Pistazienkuchen beim Perser – genau richtig, um langsam reinzukommen.
Dann schlendern wir weiter durch die Hallen, schauen, staunen, kommentieren.
Besonders hängen bleiben wir an einem Fischstand, an dem ganze Lachse in einer Art Trockenschrank hängen. Bis zu vier Monate sollen sie dort trocknen, erfahren wir – eine australische Spezialität, die später zum Kochen und Backen verwendet wird. Gesehen haben wir so etwas noch nie.
Wir verlieren uns ein wenig im Markt: Stände mit Bergen von Nüssen und Trockenfrüchten, daneben Weinflaschen in allen Formen und Farben, richtig gutes Brot, ein „Mushroom Man“ mit einer beeindruckenden Auswahl an Pilzen und natürlich auch jede Menge Süßigkeiten.
Dazwischen das ganz normale Markttreiben – frisches Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch – alles dicht an dicht und wunderbar bunt gemischt.
Im Gewürzhaus wird es plötzlich sehr deutsch: Brathendl-Gewürz, Bratkartoffel-Spice und sogar eine Mischung für „Oma Rosas Gulasch“. Offenbar genießt die deutsche Küche in Australien hohes Ansehen.
An vielen Ständen bleiben wir beim Schauen, beim Joghurt dann aber nicht mehr – nächste Futterpause.
Zwischendurch entdecken wir, dass man hier auch Kängurufleisch kaufen kann. Der Markt bietet wirklich alles.
Erst ganz zum Schluss werden wir noch einmal schwach und teilen uns eine kleine Portion algerische Paella, dazu – ganz profan – Eistee und „heiliges Wasser“.
Und als wir den Markt eigentlich schon verlassen wollen, erwischt uns noch der Stand mit portugiesischem Gebäck. Natürlich kommen wir nicht daran vorbei, uns zwei dieser kleinen Tortelettes zu gönnen – Pastéis de Nata, „erfunden in Portugal und perfektioniert in Australien“, wie das Schild stolz verkündet. Wer wären wir, das nicht zu überprüfen?
Gegen 11:00 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg zurück ins Hotel, um unsere Einkäufe abzuladen. Danach ziehen wir noch einmal los: durch Downtown, durch die Fußgängerzone, Getränke besorgen, und schließlich langsam Richtung Fluss.
Unterwegs fallen uns immer wieder schön gestaltete Hausfassaden auf – großflächige Murals, die uns ehrlich gesagt deutlich besser gefallen als die berühmte Street Art in der Hosier Lane in Melbourne.
Es ist wieder ordentlich warm. Keine 43 Grad wie in Melbourne, aber gut über 35 – und Schatten ist gefragt. Am Torrens River ist der leider eher rar, doch unter einzelnen Bäumen lässt es sich aushalten. Wir beobachten Pelikane im Wasser und entdecken am Ufer ein Warnschild, dass diese durchaus zubeißen und angriffslustig sein können. Gut zu wissen – wir bleiben lieber Beobachter.
Irgendwann wird es uns trotzdem zu heiß. Kino? Waren wir gerade erst. Die Lösung liegt nahe: Museum. In Australien ohnehin immer eine gute Option, denn Museen sind hier kostenlos (Spenden gern gesehen). Also ab ins South Australian Museum.
Besonders beeindruckend ist die Australian Aboriginal Cultures Gallery. Auf zwei Etagen werden mehr als 3.000 Objekte gezeigt, die aus ganz Australien stammen. Die Ausstellung vermittelt eindrücklich, wie die Aborigines auf einem der rauesten Kontinente der Erde über Jahrtausende hinweg kreative, angepasste und hochentwickelte Lebensweisen entwickelt haben. Werkzeuge, Alltagsgegenstände, Kunst – alles erzählt Geschichten von Wissen, Anpassung und tiefer Verbindung zur Natur.
Auch die Abteilung zu den Kulturen des Pazifikraums, etwa aus Papua-Neuguinea, ist spannend. Masken, Schnitzereien und Ritualobjekte zeigen, wie vielfältig und symbolreich diese Kulturen sind – und wie eng Kunst, Spiritualität und Alltag miteinander verwoben waren und sind.
Als wir das Museum wieder verlassen, ist es 17:00 Uhr und zum Glück etwas abgekühlt. Wir gehen zurück zum Fluss, spazieren noch ein Stück am Torrens entlang, beobachten junge Frauen beim Rudertraining und genießen den späten Nachmittag in Adelaide. Eine angenehme, ruhige Stimmung liegt über der Stadt.
Zum Abendessen wird es heute italienisch: Enoteca Lounge & Cucina. Andreas entscheidet sich für ein Steak, ich für Pasta, und zum Abschluss teilen wir uns noch ein Panna Cotta. Sehr lecker.
Zurück im Hotel packen wir unsere Sachen „Uber-tauglich“ zusammen und gehen heute vergleichsweise früh ins Bett – morgen müssen wir sehr früh raus.