Australien

Rauchmelder, Rumpeltram und weiter nach Adelaide

Der Tag beginnt wieder zweigleisig sportlich: Andreas ist früh unterwegs auf seiner morgendlichen Laufrunde, während ich mich der etwas entspannteren Disziplin widme – Duschen.

Dabei teste ich unfreiwillig auch gleich die Funktionstüchtigkeit des Rauchmelders. Ergebnis: äußerst zuverlässig. Ein schrilles Signal, das sich weder ignorieren noch selbst ausschalten lässt. Erst ein Anruf bei der Rezeption bringt Erlösung. Der freundliche Tipp von dort: einfach mal kurz die Balkontür öffnen. Funktioniert. Krise abgewendet. ✔️

Gegen 8:30 Uhr checken wir aus. Unser Gepäck dürfen wir noch bis mittags im Hotel lassen, was uns einen angenehm freien Vormittag beschert. Auf der Suche nach einem Frühstück landen wir im Grain Store – eine sehr gute Entscheidung. Der Laden ist cool, leicht chaotisch, ziemlich laut und gut besucht. Besonders nett: Hier wird man einfach zu anderen Gäste an den Tisch gesetzt. Motto: Make new friends. Finden wir großartig.

Es gibt Cappuccino für beide, dazu für Andreas Steak & Eggs und für mich Eggs Benedict mit Avocado. Satt, zufrieden und bestens gestärkt starten wir in den Tag.

Danach wagen wir uns zum dritten Mal an die City Circle Tram. Spoiler: Auch diesmal werden wir keine Freunde. Wieder stehen Menschen in orangenen Westen an der Haltestelle und erklären uns ausführlich, warum die Bahn heute leider nicht fährt. Die Kurzfassung unserer Erkenntnis: Man weiß bei dieser Tram eigentlich nie so genau, ob sie fährt oder nicht. Heute vermutlich ein Konflikt mit zusätzlichen Bahnen zu den Australian Open. Wir nicken verständnisvoll, geben innerlich auf und ändern erneut den Plan.

Stattdessen versuchen wir unser Glück bei der St Paul’s Cathedral. Bisher war sie bei unseren Spaziergängen immer geschlossen – heute soll sie um 10:00 Uhr öffnen. Und tatsächlich: Wir kommen hinein.

Die anglikanische Kathedrale ist eines der großen Wahrzeichen Melbournes. Sie wurde im neugotischen Stil entworfen und Ende des 19. Jahrhunderts fertiggestellt, die markanten Türme folgten erst einige Jahrzehnte später. Innen ist es angenehm kühl, ruhig und beeindruckend hoch. Ein schöner Kontrast zur geschäftigen Stadt draußen.

Kaum wieder draußen, passiert dann doch noch das Unfassbare: Eine City Circle Tram fährt ein. Wir steigen ein – diesmal wirklich.

Die offizielle Beschreibung verspricht eine entspannte Rundfahrt in historischen Trams mit Audiokommentar zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Die Realität: eine vollgestopfte Bahn, Menschen wie Sardinen in der Dose, ein infernalisches Quietschen auf den Schienen und ein Audiokommentar, von dem man akustisch vielleicht jedes dritte Wort versteht. Die Fenster sind so schmutzig, dass selbst fotografieren keine Option ist. Nach einer halben Runde steigen wir wieder aus – erleichtert über frische Luft und mit dem Gefühl, jetzt wirklich alles versucht zu haben. Immerhin verstehen wir nun, warum diese Bahnen bei Hitze nicht fahren.


Als Nächstes steuern wir die State Library of Victoria an – ein Tipp, den wir für heiße Tage bekommen hatten. Volltreffer.

Das Gebäude ist beeindruckend, vor allem der große, runde Lesesaal mit seiner Kuppel. Still sitzen hier Menschen an langen Tischen, lesen, lernen, schreiben. Eine besondere Atmosphäre – ehrfürchtig, ruhig, fast ein bisschen ehrwürdig. Definitiv einer der Orte, die hängen bleiben.


Gegen 12:30 Uhr kehren wir zum Hotel zurück, holen unser Gepäck ab und rufen uns einen Uber. Der ist gefühlt sofort da. Eine halbe Stunde später stehen wir schon am Flughafen.

Der Check-in läuft diesmal wieder über Automaten – zumindest theoretisch.

Der Automat weigert sich hartnäckig zu akzeptieren, dass wir unseren dritten Koffer bereits bezahlt haben. Zwei hilfsbereite Mitarbeiterinnen versuchen ebenfalls ihr Glück, ohne Erfolg. Am Ende geht es zum einzigen offenen Schalter, wo unser Gepäck schließlich doch noch seinen Segen bekommt. Mal sehen, ob es auch wirklich in Adelaide ankommt.


Der Flug ist angenehm und sogar etwas schneller als geplant: Landung um 15:45 Uhr, zehn Minuten früher. Die Koffer kommen fast sofort, der Uber lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten — besser läuft es kaum. Gegen 16:30 Uhr checken wir im Hotel in Adelaide ein.

Besonders erfreulich: Mein Paket, das ich mir hierher habe schicken lassen, ist ebenfalls angekommen. Wir werfen eine Waschmaschine an, sortieren um, richten uns ein – kurz Alltag zwischen zwei Reiseetappen.


Eine gute Stunde später brechen wir noch zu einem ersten Spaziergang auf. Adelaide überrascht direkt: viel Grün, breite Wege, entspannte Stimmung. Wir laufen durch den Botanic Garden, vorbei am Zoo und dann am Torrens River entlang.

Ein Hinweisschild warnt vor Flying Foxes – riesigen Flughunden. Sollte man gebissen werden, solle man sofort einen Arzt aufsuchen. Offenbar übertragen diese Tiere gefürchtete Krankheiten. Wir bleiben lieber auf Abstand und schauen nur aus sicherer Entfernung nach oben.

Weiter geht es vorbei an der University of Adelaide, dem Police Heritage Site und schließlich hinein in die Innenstadt. Viele schöne, historische Gebäude säumen den Weg, darunter auch das South Australian Museum. Adelaide wirkt ruhiger als Melbourne, weniger trubelig, aber sehr angenehm.


Am Abend essen wir im VON, einem modernen Thai-Restaurant. Andreas entscheidet sich für Rindfleisch mit knusprigen Nudeln, ich nehme ein Toasted Duck Curry. Beides ordentlich scharf, sehr lecker und genau das Richtige nach diesem Reisetag.

Gegen 21:00 Uhr sind wir zurück im Hotel, werfen die Wäsche noch in den Trockner, schauen eine Runde Fernsehen – und dann geht das Licht aus.