Australien
Von Tasmanien nach Melbourne – sanfte Landung in der Großstadt
Wir haben es gestern Abend tatsächlich geschafft: Alle Koffer sind gepackt, nichts quillt über – und die magische Grenze von 23 Kilo halten wir auch ein. Gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, was sich auf dem Salamanca Market so alles angesammelt hat.
Der große Vorteil: Heute Morgen kein Kofferstress mehr. Stattdessen können wir den Tag ganz entspannt beginnen und bleiben sogar noch eine Weile im Bett liegen, um im Live-Ticker zu verfolgen, wie Deutschland bei der Handball-EM Norwegen schlägt. Besser kann ein Reisetag kaum starten.
Entsprechend gemütlich stehen wir erst gegen 8:00 Uhr auf. Beim Frühstück am großen Tisch sind diesmal eindeutig die Deutschen in der Überzahl. Es wird viel geplaudert, gelacht und verglichen – und wir stellen fest, dass eines der Paare heute Nachmittag sogar mit uns im selben Flieger nach Melbourne sitzt.
Nebenbei erfahren wir noch, dass die Australian Open, die gerade in Melbourne stattfinden, noch die ganze nächste Woche laufen. Spontane Idee, schnelle Entscheidung: wir kaufen uns direkt Tickets für einen Day Pass am nächsten Tag. Tennisfans sind wir zwar überhaupt nicht, aber wenn man schon mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, sollte man die Atmosphäre wenigstens aufsaugen.
Nach dem Auschecken kommen wir dann erst gegen 10:00 Uhr los. Auf dem Weg zum Flughafen legen wir noch einen kleinen Umweg ein und halten an den Cascade Gardens. Hier soll man mit etwas Glück Platypusse sehen. Ein Schild erklärt uns optimistisch, dass der „Boulder Trap“ einer der besten Plätze dafür sei und sich hier manchmal sogar mehrere Tiere gleichzeitig tummeln.
Wir bleiben eine gute halbe Stunde, starren konzentriert auf das Wasser, entdecken jede Bewegung – aber kein Platty weit und breit. Irgendwann müssen wir uns geschlagen geben und setzen unsere Fahrt Richtung Flughafen fort.
Das Auto tanken wir noch einmal voll und stehen gegen 11:00 Uhr bei Avis zur Rückgabe. Alles läuft reibungslos, und kurz darauf sind wir schon am Check-in-Schalter. Dort dann die kleine Ernüchterung: Gepäckabgabe erst ab 12:30 Uhr. Also heißt es warten – mit Koffern.
Sobald wir sie endlich los sind, ist die Wartezeit gleich deutlich angenehmer. Interessant übrigens: Bei inneraustralischen Flügen gibt es keine Beschränkungen für Flüssigkeiten im Handgepäck – gut zu wissen für die nächste Teilstrecke.
Der Flug startet mit etwa zehn Minuten Verspätung, ist dann aber ausgesprochen angenehm. Für den kurzen Hüpfer gibt es sogar einen Snack und ein Getränk, und das Flugzeug wirkt modern und ziemlich neu. Ehe wir uns versehen, landen wir in Melbourne.
Gegen 16:30 Uhr stehen wir am Gepäckband, und auch hier läuft alles zügig. Mit einem Uber geht es unkompliziert weiter zu unserem Hotel, den Clarion Suites Gateway.
An der Rezeption werden wir sehr freundlich empfangen, bekommen gleich Tipps zur Fortbewegung – innerhalb des CBD ist der öffentliche Nahverkehr kostenlos – und erfahren außerdem, dass wir mit unserem Tennis-Ticket morgen auch gratis zur Arena fahren können.
Unser Zimmer entpuppt sich als großzügige Suite mit Mini-Balkon und tollem Blick – ein Ort, an dem man es definitiv drei Tage gut aushält.
Wir richten uns kurz ein und reservieren dann direkt einen Tisch fürs Dinner.
Danach ziehen wir los zu einem ersten Erkundungsspaziergang. Zunächst laufen wir an der Southbank Promenade entlang des Yarra River, dann über die Princes Bridge auf die andere Seite.
Wir kommen an der St Paul’s Cathedral vorbei – ein beeindruckendes neugotisches Bauwerk aus dem späten 19. Jahrhundert –, die leider schon geschlossen ist.
Gleich gegenüber liegt die Flinders Street Station, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, mit ihrer markanten Fassade, der großen Uhr und einer Geschichte, die bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreicht.
Weiter geht es durch die Union Lane und die Hosier Lane, Melbournes berühmteste Graffiti-Gassen. Die Street Art ist hier nicht nur bunt, sondern auch politisch und gesellschaftlich hochaktuell – jede Wand erzählt ihre eigene Geschichte, und nichts bleibt lange unverändert.
Anschließend tauchen wir noch kurz in Chinatown ein, bevor wir unser Restaurant erreichen.
Im Juni erwartet uns Asian Fusion auf sehr hohem Niveau. Das Essen ist hervorragend, die Cocktails ebenso – besonders der „Golden Child“ hat es uns angetan, dessen Rezept wir zu Hause unbedingt nachmixen wollen.
Ein kurzer Moment der Irritation kommt am Ende der Rechnung: 10 Prozent Sonntagszuschlag. Der Kellner erklärt uns freundlich, dass das in Melbourne – und generell in Australien – üblich ist, da Angestellte sonntags Zuschläge bekommen, die an die Gäste weitergegeben werden. Fair enough.
Nach dem Essen spazieren wir durch die jetzt stimmungsvoll beleuchtete Stadt zurück zum Hotel.
Es wird spät: Erst nach 23:00 Uhr knipsen wir schließlich das Licht aus – müde, satt und mit dem Gefühl, dass Melbourne uns schon am ersten Abend ziemlich überzeugt hat.