Australien
Bruny Island: Labillardiere Peninsula und wilde Begegnungen
Mit dem ersten Licht werden wir wach und genießen noch eine halbe Stunde lang das „Fernsehen“ aus dem Panoramafenster: Pademelons hüpfen über die Wiese, der Regen von gestern hat sich verflüchtigt, und die Sonne blinzelt durch den Himmel – ein vielversprechender Start in den Tag.
Nach dem Frühstück mit Granola, frischem Obst, Joghurt, Kaffee und O-Saft packen wir unsere Sachen für die Wanderung und brechen gegen 8:30 Uhr auf zum South Bruny National Park.
Eine halbe Stunde später erreichen wir den Trailhead.
Der Labillardiere Peninsula Circuit, den wir heute erkunden wollen, war bis vor kurzem noch gesperrt wegen eines Buschfeuers im November 2025.
Am Trailhead weist ein großes Warnschild darauf hin, dass Bäume und Äste jederzeit umstürzen können. Das Feuer hatte ausgedehnte Teile der Peninsula erfasst, viele Bäume beschädigt und auch der Waldboden wurde stark beansprucht. Einsatzkräfte konnten die Flächen erst nach Tagen unter Kontrolle bringen.
Wir starten um kurz nach 9:00 Uhr mit unserer Wanderung. Es ist noch frisch, doch die Sonne lässt den Himmel strahlen, und manchmal zeichnet ein Regenbogen die Szene perfekt.
Der Weg beginnt an der Jetty Bay Camp Area, führt über zwei kurze, steile Hügel und wird dann allmählich flacher.
Irgendwann kommen wir an den Stellen vorbei, an denen das Buschfeuer gewütet hat. Noch heute zeugen verkohlte Stämme und verkokelte Äste von der Kraft des Feuers. An manchen Stellen riecht es sogar noch immer intensiv nach Feuer.
Aber auch schön zu sehen, wie schnell sich die Natur nach so einem Brand wieder erholt: Überall sehen wir neue grüne Triebe und Farn, die sich durch die Asche kämpfen und sogar auf den verkohlten Ästen sprießen neue grüne Triebe.
Was uns auch auffällt: an sehr vielen Stellen, wo es gebrannt hat, liegen extrem viele zerbrochene Flaschen und Glasscherben zwischen den Bäumen, und alle sind von der selben Art: braunes Glas ohne irgendwelche Etiketten.
Bei den ersten sind wir noch versucht, diese aufzuheben und mitzunehmen, um Müll aus dem Nationalpark zu entfernen. Aber es werden immer mehr. Bestimmt an die 40-50 solche Glasscherbenhäufen. Und alle sind gleich. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang mit dem Brand?
Wir werden neugierig und sehen uns die Stellen genauer an. Auffällig ist, dass rund um jede Glasscherbenhäufung alles deutlich intensiver verbrannt ist. Sehr merkwürdig - wir hoffen, später irgendwann einen Ranger zu treffen, den wir fragen können.
Nach zwei Stunden überrascht uns Petrus plötzlich mit einem kräftigen Regenguss. Der Wind an der Küste tut sein Übriges, so dass der Regen von allen Seiten kommt und wir werden ordentlich nass.
Ein kleines, auffallend helles Echidna lässt sich davon allerdings überhaupt nicht beeindrucken und tapst seelenruhig durch den nassen Waldboden. Erst später erfahren wir, dass es sich dabei um ein Albino-Echidna handelt – etwas, von dem wir bis dahin gar nicht wussten, dass es das gibt.
Nach zehn Minuten ist der Spuk zum Glück wieder vorbei - es klart wieder auf und die Sonne kommt zurück.
Gegen Mittag erreichen wir das nördliche Ende der Peninsula am Hopwood Beach. Die Flut zieht gerade zurück, und wir können wunderbar am nassen Sand entlanglaufen.
Für unsere Mittagspause suchen wir eine idyllische Stelle an der Butlers Beach, genießen unsere Brote und die fast greifbare Stille. Bis jetzt sind wir keinem anderen Wanderer begegnet – herrlich ruhig.
Auf dem Rückweg nordöstlich entlang der Peninsula zeigt sich dann erneut das Ausmaß des Buschbrands: verkohlte Bäume, teils riesige Stämme, die den Blick nach oben fordern. Wir horchen aufmerksam auf knackende Äste, die jederzeit fallen könnten.
Unterwegs begegnet uns noch einmal ein kleines Echidna, das gemächlich durchs Unterholz zieht und sich von uns überhaupt nicht stören lässt.
Und wir kommen auch wieder an einigen idyllischen Buchten vorbei. Der Sand ist noch vom zurückweichenden Wasser nass und das Licht spiegelt sich auf den Wellen - sooo schön 🥰
Gegen 15:15 Uhr sind wir wieder am Parkplatz. Da wir einmal hier sind, machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Cape Bruny Lighthouse, schauen es uns aber nur von außen an – 25 AUD pro Person für Eintritt und Führung sind uns dann doch zu viel.
Also fahren wir zurück zur Unterkunft, wo wir gegen 16:30 Uhr ankommen. Ich lege erst einmal für eine Weile die Füße hoch, während Andreas noch einmal die Laufschuhe schnürt und zu einer kleinen Runde aufbricht.
Gut, dass die Interessen heute so gut aufgeteilt sind und doch gut zusammenpassen 😉
Später schmeißen wir den Grill an - es gibt Lamm Steaks - und vertilgen dazu weitestgehend die Reste aus dem Kühlschrank, denn morgen sind wir in Hobart mit Vollverpflegung und am Sonntag fliegen wir nach Melbourne, da sollen sämtliche Lebensmittel aufgebraucht sein.
Am Abend feuern wir wieder den Kamin an, machen es uns gemütlich, beobachten die Pademelons im Garten und knipsen gegen 22:00 Uhr das Licht aus.