Australien

Gordon River & Sarah Island: Geschichte zu Wasser und auf der Bühne

Heute liegt ein angenehm entspannter Tag vor uns. Für den Vormittag steht eine Bootsfahrt auf dem Gordon River auf dem Programm, für den Nachmittag haben wir ganz spontan einen Theaterbesuch eingeplant – eine perfekte Mischung aus Natur und Kultur.

Der Start in den Tag ist entsprechend relaxt: Andreas dreht seine morgendliche Sportrunde, während ich mich lieber etwas länger der Augenpflege widme. Nach einer ausgiebigen Dusche gibt es ein leckeres Frühstück mit Granola, Mango, Brombeeren und Joghurt – genau richtig für einen Tag ohne Wanderschuhe.

Um 8:30 Uhr brechen wir auf und stehen fünf Minuten später am Hafen. Da wir unsere Bordkarten bereits gestern abgeholt haben, können wir direkt aufs Schiff gehen. Die Plätze im Inneren sind nummeriert, draußen kann man sich jederzeit hinsetzen, wo man will, wenn denn etwas frei ist.

Das machen wir natürlich umgehend, denn der Himmel ist wolkenlos blau, die Sonne strahlt – besser könnte das Wetter wirklich nicht sein.

Zunächst geht es hinaus durchs schmale Hells Gates auf das offene Meer hinaus.

Wir passieren das Entrance Island Lighthouse, später das Cape Sorell Lighthouse – das zweithöchste Leuchtfeuer Tasmaniens. Und kurz darauf gleitet auch das Bonnet Island Lighthouse an uns vorbei.

Dann drehen wir wieder um und fahren hinein in den Macquarie Harbour.

Er ist mehr als doppelt so groß wie der Hafen von Sydney und gleichzeitig nur über diese extrem schmale Einfahrt – Hells Gates misst an der engsten Stelle gerade einmal rund 75 Meter – mit dem offenen Meer verbunden.

Wir passieren moderne Fischfarmen, die von den besonderen Bedingungen hier profitieren: der Mischung aus Süß- und Salzwasser, den starken Strömungen und dem kühlen Klima, das für die Fischzucht nahezu ideal ist.

Ein zentraler Programmpunkt folgt mit Sarah Island, auch bekannt als Settlement Island.

Von 1822 bis 1833 befand sich hier die Strafkolonie Macquarie Harbour – berüchtigt als einer der brutalsten Orte der Verbannung in Tasmanien. Bis zu 380 Sträflinge waren zeitweise hier inhaftiert.

Bei unserer einstündigen Führung über die Insel erfahren wir viel über das harte Leben der Häftlinge:

In Kettenkommandos arbeiteten die Männer als Holzfäller und schlugen das für den Schiffsbau begehrte Huon Pine aus den umliegenden Wäldern. Der Abtransport der schweren Stämme nach Hobart erwies sich jedoch als schwierig, wetterabhängig und extrem zeitaufwendig. Also änderte man den Plan: Statt das Holz zu verschiffen, begann man, die Schiffe direkt hier zu bauen. Trotz der unmenschlichen Bedingungen entwickelte sich Sarah Island innerhalb weniger Jahre zu einer der produktivsten Werften Australiens – über hundert Schiffe wurden hier gebaut. Wer überlebte, verließ den Ort oft als hochqualifizierter Handwerker.

Die Behörden hielten eine Flucht von hier für unmöglich. Dichte, unerschlossene Wildnis und unberechenbares Wetter sollten jede Hoffnung im Keim ersticken. Doch sie irrten sich. Unser Guide erzählt uns unter anderem von einem Sträfling, dem tatsächlich die Flucht gelang: Er schlug sich in sechs Wochen durch die tasmanische Wildnis bis nach Hobart durch – so bemerkenswert, dass ihn die Regierung später einstellte, um Kartenmaterial von Tasmanien zu erstellen.

Nach der Führung gehen wir wieder an Bord und fahren nun weiter in den Gordon River hinein. Währenddessen gibt es Mittagessen, das wir mit Blick auf das Wasser und die dicht bewaldeten Ufer genießen.

Am Heritage Landing – der Grenze für kommerzielle Schiffe – gehen wir noch einmal von Bord. Ein kurzer Spaziergang durch den Regenwald führt über gut angelegte Wege, begleitet von Infotafeln zur einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt dieser Region.

Hier dreht das Schiff um. Für die Rückfahrt suchen wir uns ein schattiges Plätzchen an Deck – die Sonne meint es heute fast ein bisschen zu gut, und von Wolken fehlt weiterhin jede Spur. Entspannt gleiten wir zurück nach Strahan, wo wir gegen 15:30 Uhr wieder im Hafen anlegen.


Nach einem kurzen Abstecher in den Shop verbringen wir noch etwas Zeit auf der Terrasse unseres Häuschens, bevor wir uns gegen 17:00 Uhr auf den Weg zum Richard Davey Amphitheater machen.

Direkt am Macquarie Harbour wird dort „The Ship That Never Was“ aufgeführt – die wahre Geschichte der spektakulären letzten großen Flucht von Sarah Island.

Zehn Häftlinge beschließen: „Wenn wir schon ein Schiff bauen, warum sollten wir es nicht selbst nutzen?“ Sie stehlen das Schiff, noch bevor es offiziell fertiggestellt ist und fahren damit bis nach Chile. Dass dieses Schiff offiziell nie registriert wurde, wird später zum entscheidenden Detail der Geschichte.

Was zunächst nach schwerer Historie klingt, entpuppt sich als temporeiches, witziges und äußerst selbstironisches Theaterstück. Ein Erzähler führt durch die Handlung, die Schauspieler wechseln blitzschnell ihre Rollen, und das Publikum wird immer wieder ganz selbstverständlich eingebunden – mal als Gerichtsversammlung, mal als staunende Zuhörer oder unfreiwillige Statisten.

Alles bleibt locker, und das Gelächter reißt kaum ab. Auch wenn wir nicht jedes Wort verstehen – der australische Akzent verlangt volle Konzentration – haben wir unglaublich viel Spaß. Spätestens am Ende ist klar, warum dieses Stück hier seit Jahrzehnten gespielt wird: Es gehört einfach zu Strahan.

Zwei Stunden später sind wir wieder zurück in unserer Unterkunft. Für den Grill fehlt heute ehrlich gesagt der Hunger, also gibt es nur kalte Küche.

Kaum sind wir fertig, kommen die Nachbarn aus dem Häuschen nebenan vorbei, und wir sitzen noch lange gemeinsam auf der Terrasse, plaudern über Gott und die Welt – bis die Moskitos die Oberhand gewinnen und wir uns schließlich verabschieden.

Dann geht es direkt ins Bett. Morgen wartet wieder ein längerer Fahrtag auf uns.