Australien

Cradle Mountain: Summit, Weitblick und Wombats

Heute geht es endlich in den Cradle Mountain National Park. Da eine längere Wanderung auf dem Plan steht, starten wir entsprechend früh in den Tag.

Die erste mögliche Frühstücks-Schicht ist um 7:30 Uhr. Bis dahin sind wir längst geduscht, das Auto ist komplett startklar eingeräumt und wir mental bereits auf Wandermodus umgestellt.

Beim Frühstück treffen wir unseren Schweizer vom Vorabend wieder am Nachbartisch und plaudern noch ein wenig, während wir auf unser Bush Breakfast warten – reichlich, lecker und die perfekte Grundlage für das, was vor uns liegt.

Pünktlich um 8:00 Uhr brechen wir auf. In der Nacht hat es ein wenig geregnet, doch jetzt scheint wieder die Sonne. Wir hoffen sehr, dass sie uns auch über den Tag hinweg wohlgesonnen bleibt.

Nach etwa 30 Minuten erreichen wir den Nationalpark. Rucksäcke packen, Wanderschuhe schnüren – dann geht es zuerst ins Visitor Centre. Dort kaufen wir ein 3-Tages-Shuttle-Ticket, bekommen noch ein paar Wandertipps sowie eine Karte. Die Shuttlebusse fahren alle zehn Minuten, und so sitzen wir wenig später schon im Bus Richtung Ronny Creek.

Um 9:30 Uhr geht es dort los. Zunächst folgen wir einem Abschnitt des Overland Tracks, der hier auch gern als Wombat Track bezeichnet wird – denn hier tummeln sich am späten Nachmittag besonders viele der knuffigen Beuteltiere.

Jetzt bekommen wir zwar reichlich Hinweise auf ihre Anwesenheit (Wombat-Hinterlassenschaften überall), die Tiere selbst lassen sich aber noch nicht blicken.

Der Weg ist hervorragend angelegt: viel Boardwalk, um die empfindliche alpine Landschaft zu schützen, kleine Bäche, moorige Abschnitte und immer wieder schöne Ausblicke.

Nach etwa einer Stunde stehen wir am Crater Lake – wunderschön, ruhig, eingerahmt von schroffen Bergketten. Von hier eröffnen sich auch erste Ausblicke auf den Lake Lilla und später auf den Dove Lake.

Hinter dem Crater Lake wird es anspruchsvoller: Der Weg führt stellenweise steil bergauf, an einer Passage helfen Ketten, um sicher voranzukommen.

Nach rund zwei Stunden erreichen wir Marion’s Lookout. Hier ist deutlich mehr los als auf den bisherigen Wegen – der Klassiker im Park eben. Der Vorteil: Endlich ergibt sich die Gelegenheit für ein Foto, auf dem wir beide gemeinsam zu sehen sind.

An der Kitchen Hut legen wir eine kurze Mittagspause ein und stärken uns für den letzten Abschnitt: Die finalen rund 300 Höhenmeter bis zum Summit.

Dieser Teil hat es in dann wirklich sich. Es wird steil, felsig und erfordert ordentlich Körpereinsatz – ohne Hände geht hier gar nichts. Zum Glück sind die Felsen vergleichsweise glatt, nicht scharfkantig und heute auch nicht aufgeheizt. Wir deponieren die Rucksäcke unterwegs auf einem Felsen, um ohne Zusatzgewicht besser voranzukommen.

Es ist ziemlich anstrengend. Ich sterbe gefühlt mindestens zweimal auf dem Weg nach oben.

Aber: Die Mühe lohnt sich. Oben angekommen erwartet uns ein fantastischer Rundumblick über die alpine Landschaft des Nationalparks – ein echtes Highlight.

Der Abstieg ist kaum weniger fordernd, aber wir kommen heil wieder unten an. Gegen 16:00 Uhr sind wir zurück bei den Hütten und nehmen nun für den Rückweg den linken Abzweig, um auf der anderen Seite des Crater Lake zurückzulaufen.

Gegen 17:30 Uhr erreichen wir wieder den Wombat-Track und der Ranger hat nicht zuviel versprochen: Überall Wombats. Gemächlich grasend, völlig unbeeindruckt von den Menschen.

Als Bonus sehen wir sogar noch einen kleinen Ameisenigel, der gemächlich durchs Unterholz stapft.

Dann geht es mit dem Shuttle zurück zum Visitor Centre und von dort mit dem Auto zu unserer Unterkunft.


Hier läuft leider nicht alles ganz rund. Die Rezeption ist bereits geschlossen, und bis wir herausgefunden haben, wie wir an Schlüssel und Informationen kommen, vergeht erst einmal eine Viertelstunde.

Auch kulinarisch wird es kompliziert: Abendessen im Restaurant? Nur mit Reservierung – aber für heute ausgebucht. Selbstversorgung? Scheitert daran, dass der Grocery Store bereits geschlossen hat. Frühstück? Gibt es hier nicht.

Für eines der teuersten Hotels der Reise ist das… sagen wir: ausbaufähig.

Immerhin: Take-away-Essen gibt es noch im Restaurant bis 19:30 Uhr, und das können wir in der Lobby genießen – mit fantastischem Blick auf den Cradle Mountain. An der Bar gibt es ebenfalls noch Getränke. Der Abend ist gerettet.

Da wir noch etwas Zeit haben, beziehen wir erst einmal unser Chalet: zwei Schlafzimmer, gut ausgestattete Küche, Terrasse – letztere allerdings bereits von einem frechen Raben beansprucht.

Diesen unterschätzen wir zunächst gründlich. Wir stellen unsere Wanderschuhe samt müffelnder Socken auf die Terrasse, wollen gerade losziehen, als der Rabenvogel sich blitzschnell einen der Socken schnappt und damit davonfliegt. Weit kommt er allerdings nicht: Andreas sprintet heldenhaft hinterher und erobert den Socken zurück. Eins zu null für uns.

Geduscht wird später – Take-away geht auch ungeduscht.

An der Bar bestellen wir zweimal Fish & Chips, dazu ein Glas Wein für die Dame und ein IPA für den Herrn. Wir werden satt. Und weil wir es uns heute verdient haben, folgt noch eine zweite Runde Wein und IPA.

Dann fällt die Tür ins Schloss, die Füße sind schwer, die Beine müde – und es geht ziemlich direkt ins Bett.