Australien

Nichtstun mit kurzen Unterbrechungen

Für heute steht ganz schlicht ein Ruhetag auf dem Programm. Man kann schließlich nicht zwölf Wochen lang durchpowern – und die abgeschiedene Lage der Lodge ist wie gemacht dafür. Das Wetter hält sich allerdings nicht an den Plan: Eigentlich war Regen angesagt, stattdessen scheint die Sonne. Na gut, nehmen wir halt die 😎.

Wir schlafen richtig aus und sitzen erst gegen 8:30 Uhr beim Frühstück. Es gibt Essen à la carte: Andreas entscheidet sich für das Bush Breakfast, ich nehme Eggs Florentine mit Lachs – beides sehr lecker. Im Frühstücksraum sind wir fast allein, was ein bisschen überrascht, denn eigentlich ist Hauptsaison. Aber hier draußen scheint das keine allzu große Rolle zu spielen.

Anschließend werfen wir noch einmal die Waschmaschine an und machen uns gegen 10:00 Uhr ganz entspannt auf zu einem der Bush Walks direkt von der Lodge. Unsere Wahl fällt auf den Trail zum Lake Cethana.

Schon nach wenigen Metern tauchen wir ein in dichten Urwald: riesige Farne, uralte Bäume, eine fast ohrenbetäubende Stille, nur gelegentlich unterbrochen von Vogelgezwitscher. Alles wirkt unglaublich ursprünglich. Der „Weg“ ist eher eine vage Idee davon – auf keiner Karte verzeichnet, lediglich durch ein Schild der Lodge ausgewiesen. Wir fühlen uns ein bisschen wie Hänsel und Gretel und überlegen kurz, ob wir Brotkrumen auslegen sollten, um den Rückweg zu finden. In Zeiten von GPS dann aber doch eher unnötig 😅.

Kein Handyempfang, keine Menschenseele weit und breit. Vor dem Losgehen mussten wir uns in der Lodge in ein Trail-Register eintragen – obwohl der Walk offiziell mit nur zwei Stunden angegeben ist. Anfangs scheint es tatsächlich einmal einen angelegten Pfad gegeben zu haben, vereinzelt hängen noch farbige Markierungsbändchen an den Bäumen. Doch je weiter wir gehen, desto deutlicher wird: Hier ist schon sehr lange niemand mehr unterwegs gewesen. Die Natur hat sich ihr Revier zurückerobert.

Irgendwann verschwindet auch die letzte Andeutung eines Weges vollständig. Angesichts der Tatsache, dass es hier einige äußerst giftige Schlangen gibt, verspüren wir keinerlei Ehrgeiz, uns durchs dichte Unterholz zu schlagen. Wir drehen um – den See erreichen wir heute nicht. Man muss sein Glück ja nicht unbedingt herausfordern.


Nach gut einer Stunde sind wir wieder zurück an der Lodge, tragen uns brav aus dem Register aus und widmen uns dem eigentlichen Hauptpunkt des Tages: entspannen, ausruhen, Füße hochlegen.

Mir gelingt das ausgesprochen gut. Andreas hingegen wird schon nach einer Viertelstunde unruhig, schlüpft in seine Laufschuhe und dreht eine größere Runde über das Lodge-Gelände. Danach faulenzen wir weiter – zumindest eine Weile. Aber selbst mir wird es irgendwann zu ruhig, und so brechen wir gegen 15:30 Uhr noch einmal auf, diesmal zu den Wasserfällen.

Der Weg ist deutlich unkomplizierter: gut markiert, kein Unterholz, keine Abenteuer. Wir kommen bei den Bridal Falls, den Champagne Falls und ein paar kleineren Wasserfällen vorbei. Nett, schön anzusehen – kein Mega-Highlight, aber eine rundum entspannte Nummer für heute.


Gegen 18:00 Uhr sind wir zurück auf dem Lodge-Gelände. Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir mit ein bisschen Papierkram, Telefonaten nach Hause, Reisebericht schreiben und weiterem gepflegten Nichtstun.

Zum Abendessen geht es ins Restaurant der Lodge – heute glücklicherweise wieder geöffnet. Am Nachbartisch sitzt ein Schweizer, mit dem wir schnell ins Gespräch kommen und Reiseerfahrungen austauschen, während wir ein ausgesprochen leckeres Slow Cooked Beef Brisket genießen. Yummy!

Zum Nachtisch wird es dann noch dekadent: Raspberry & Chocolate Brownie für mich, Maple Poached Pear für Andreas.

Danach passiert nicht mehr viel. Da wir morgen relativ früh starten wollen, geht es entsprechend zeitig ins Bett.