Australien
Leuchttürme, die Nut und ein Rendezvous mit Pinguinen
Der Tag startet ähnlich wie der gestrige: Andreas versucht mit einer Laufrunde, seinem Husten den Garaus zu machen, dann genießen wir Bev‘s hervorragendes Frühstück und ihre angenehme Gesellschaft zum plaudern.
Wir checken aus, zahlen noch die Rechnung für zweimal Abendessen, die erstaunlich niedrig ausfällt und sitzen um 9:00 Uhr im Auto und fahren Richtung Stanley im äußersten Nordwesten Tasmaniens.
Erster Halt: Mersey Bluff Lighthouse in Devonport. Der Leuchtturm wurde 1889 erstmals mit Kerosin betrieben, 1920 auf Gas umgestellt und 1952 elektrifiziert. Ein schönes Fotomotiv direkt an der Küste – wir genießen den Ausblick, machen ein paar Bilder und steigen wieder ins Auto.
Wir fahren weiter westwärts entlang der Küste und machen kurz Halt in Chasm Creek, wo das Round Hill Lighthouse zu sehen ist – etwas schwer zugänglich, direkt am Highway.
In Burnie legen wir einen kleinen Zwischenstopp im The Chapel ein, einem kultigen Café in einer ehemaligen Kirche. Hier herrscht richtig viel Betrieb. Die Leute, die Take-away bestellt haben, sitzen geduldig auf den ausgemusterten Kirchenbänken und warten, bis ihre Bestellungen fertig sind.
Wir haben einen Tisch genommen und warten ebenfalls geduldig auf Cappuccino und Kuchen - unsere Parkzeit am Automaten rinnt dahin.
Aber letztlich schaffen wir es ohne Strafzettel und sind gegen 12:00 Uhr wieder in on the road.
Eine Stunde später erreichen wir den Rocky Cape Nationalpark. Hier gibt es einen weiteren Leuchtturm und einen kurzen Weg zur North Cave, die für die Tasmanischen Aborigines kulturell bedeutend ist. Aus Respekt bleibt die Höhle allerdings für Besucher geschlossen, wir genießen nur die Aussichtsplattform und die Küstenblicke.
Kurz nach 14:00 Uhr erreichen wir Stanley. Unsere Unterkunft für die Nacht heißt schlicht Number 10 und macht von außen schon einen hübschen Eindruck.
Wir holen den Schlüssel aus dem Safe und gehen hinein – ein großzügiges Zimmer mit King-Bett und Blick auf die Bay, und noch ein Aufenthaltsraum zum gemütlichen Sitzen am Abend — perfekt für unseren Aufenthalt.
Im Kühlschrank liegen Frühstücksutensilien für morgen früh bereit, im wesentlichen für ein Frühstück mit Serials, Joghurt, Toast und Marmelade. Aber das ist okay, wir haben ja die letzten zwei Tage deftig gefrühstückt. Das geht absolut in Ordnung.
Catherine, unsere Gastgeberin, gibt uns noch wertvolle Tipps: besonders zur kleinen Pinguinkolonie am Godfreys Beach. Die hier heimischen Little Penguins sind die kleinsten Pinguine der Welt. Jedes Frühjahr und Sommer kehren sie hierher zurück, um ihre Eier zu legen und die Küken aufzuziehen – Stanley ist für diese Beobachtung besonders bekannt.
Wir sitzen noch ein bisschen auf der Terrasse und brechen dann nochmal auf - hinauf auf die „Nut“, den markanten Berg von Stanley, der aus der Ferne ein wenig an Kapstadts Tafelberg erinnert – nur eben deutlich kleiner. Der Weg ist kurz, aber sehr knackig steil. Es gäbe sogar einen Gondelbahn - aber so alt sind wir dann doch noch nicht 😉.
Oben angekommen, gehen wir den angelegten Rundweg um die Nut herum.
Hier nisten viele Peregrine Falcons, die schnellsten Vögel der Welt. Die Klippen der Nuss sind ideale Brutplätze, von hier aus jagen sie entlang der Küste – imposant und faszinierend.
Wir entdecken viele Brutlöcher und verstreute kleine Federn. Laut Infotafeln werden die Jungvögel meist in der dritten Januarwoche flügge, dafür sind wir noch etwas zu früh. Aber die Aussicht und die Rundsicht auf das chillige Städtchen Stanley und die Bay sind fantastisch.
Auf dem Rückweg nach unten sind meine Knie dann für ein paar Sekunden in Versuchung, die Gondel zu nehmen – aber bei 14 AUD für die paar Meter laufen wir dann doch lieber und investieren das Geld stattdessen unten im Shop in einen kleinen Kühlschrankmagneten als Erinnerung.
Als wir wieder unten sind, steuern wir noch die Pinguin-Plattform am Godfreys Beach an. Zwar sind wir noch zu früh, um die Tiere zu sehen (die kommen erst nach Sonnenuntergang), aber die Infotafeln, die hier stehen, sind sehr interessant: wir erfahren zum Beispiel, dass die Pinguine ihre Jungen zwar füttern, ihnen aber weder beibringen wie man schwimmt noch wie man fischt – das müssen die kleinen Tiere selbst herausfinden.
Gegen 18:00 Uhr sind wir wieder im B&B. Wir setzen uns auf die Terrasse mit Blick auf die Bay, lassen die Seele baumeln und genießen die Ruhe, bevor es zum Abendessen geht.
Eine Stunde später machen wir uns auf den Weg zum Hursey Seafoods, gleich neben unserem B&B. Das Restaurant ist rappelvoll, laut, aber gemütlich – zum Glück haben wir reserviert.
Andreas entscheidet sich für die Fisherman’s Plate, ich nehme zwei Vorspeisen: Lobster Cocktail und Seafood Chowder. Das Essen ist hervorragend, die Portionen reichlich - wir haben zu kämpfen.
Nach dem Essen laufen wir nochmal zur Viewing Platform am Godfreys Beach, um die Little Penguins bei ihrer nächtlichen Heimkehr vom Fischfang zu beobachten. Schon einige Besucher haben sich versammelt; wir kommen mit einem netten Paar aus UK ins Gespräch, während wir warten. Es wird ziemlich frisch - Jacken wären angeraten gewesen - und die Pinguine lassen uns geduldig zappeln.
Endlich, gegen 21:30 Uhr, zeigen sich die ersten Bewegungen am Wasserrand. Und dann kommen alle auf einmal: die kleinen Tiere kommen aus dem Wasser, bereit, ihre Jungen zu füttern.
Es ist mittlerweile so dunkel, dass man kaum noch etwas erkennen kann – Fotografieren mit Blitzlicht und Taschenlampen sind verboten.
Ein sanftes Rotlicht schaltet sich ein, vermutlich für die Besucher. Süß anzusehen, wie die Pinguine über die Steine wackeln und jeder gezielt zu seinem Nest marschiert. Ein kleiner Zaubermoment der Natur.
Nach etwa 15 Minuten ist die Show vorbei. Auf dem Heimweg wird uns bewusst, dass in der Dämmerung hier in Stanley das Leben erst richtig erwacht: mindestens fünf Wallabies hoppeln über die Wiesen mitten in der Stadt, als sei das das Normalste der Welt.
Gegen 22:00 Uhr sind wir zurück im B&B. Ein kurzer Schreckmoment: im Badezimmer liegt ein Skorpion – ein Déjà-vu nach Argentinien. Beim genaueren Hinsehen entdecken wir noch drei weitere Exemplare. Keine Ahnung, ob ich diese Nacht wirklich ein Auge zutun kann…