Australien
Narawntapu: Wildlife zwischen Lagune und Meer
Heute starten wir zum ersten Mal nicht mit Frühstück in Selbstversorgung, sondern genießen das Angebot unseres B&B. Da dieses allerdings erst ab 8:00 Uhr serviert wird, nutzt Andreas den frühen Morgen für eine Laufrunde – in der Hoffnung, den hartnäckigen Husten endlich loszuwerden, der ihn seit Silvester begleitet.
Beim Frühstück gibt es zunächst Joghurt mit Obst, danach freie Wahl von der Karte. Ich entscheide mich für ein Omelett, Andreas für Scrambled Eggs mit Bacon und Hash Browns. Dazu Cappuccino und ein sehr informatives Gespräch mit unserem Gastgeber – ein gelungener Start in den Tag.
Gegen 9:00 Uhr brechen wir auf. Ziel ist heute der Narawntapu National Park. Schon auf der Fahrt dorthin fällt uns erneut auf, wie viele überfahrene Wallabys am Straßenrand liegen – gefühlt alle paar hundert Meter ein weiteres. Offenbar passieren diese Wildunfälle vor allem in der Dämmerung. Für uns steht damit fest: Autofahrten bei Sonnenauf- oder -untergang vermeiden wir künftig, so gut es geht.
Unterwegs nehmen wir eine falsche Abzweigung und machen dadurch einen kleinen Umweg – der sich allerdings lohnt. Wir fahren durch eine ausgesprochen liebliche Gegend:
Gegen 10:00 Uhr erreichen wir den Parkplatz im Nationalpark. Heute gibt es Sonne satt, also wird erst einmal gründlich Sonnencreme verteilt. Dann schlagen wir den Weg nach rechts ein und starten auf den Springlawn Lagoon Circuit Walk.
Gleich zu Beginn werden wir belohnt: Eine Gruppe Kängurus grast friedlich im offenen Grasland. Anfangs beobachten sie uns noch skeptisch, doch als klar ist, dass wir Abstand halten, setzen sie ihre Mahlzeit ganz entspannt fort.
Später entdecken wir weitere Kängurus, schwarze Schwäne in der Lagune – und vor allem eines: Ruhe. Obwohl der Parkplatz recht gut gefüllt war, sind wir hier völlig alleine unterwegs. Offenbar haben sich die anderen Besucher für andere Wege entschieden.
Es ist herrlich entspannt. Man kann keine hundert Meter gehen, ohne irgendwo Kängurus zu sehen – fressend im Gras, trinkend an der Lagune oder einfach schlafend im Schatten eines Busches. Einfach wunderschön 🥰
Hin und wieder liegen allerdings auch angenagte Knochen herum. Es gibt hier also nicht nur Pflanzenfresser, sondern offenbar auch Aas- oder Fleischfresser. Eine Frage, die wir später gern noch geklärt hätten.
Etwas lästig sind lediglich die Fliegen. Sie stechen nicht, schwirren aber permanent um den Kopf herum. Stehenbleiben ist daher keine gute Idee – vielleicht kommen die Fliegennetze doch noch zum Einsatz.
Am Ende der Lagune stoßen wir auf den Archers Knob Track und folgen ihm weiter. Das offene Grasland geht hier in dichteres Busch- und Baumwerk über – und prompt huscht das erste Wombat vor uns über den Weg. Auch die Vogelwelt zeigt sich von ihrer spannenden Seite, unter anderem mit einem schwarzen Kakadu, der auffallend quietschende Laute von sich gibt.
Auf dem Weg nach oben zum Archers Knob eröffnen sich immer wieder Blicke Richtung Meer.
Oben angekommen machen wir eine kurze Pause, genießen die Aussicht auf Lagune und Küste – und sind dankbar für die frische Brise, die die Fliegen zuverlässig vertreibt.
Wieder unten schlagen wir den Weg zur Bakers Beach ein.
Es ist Ebbe, und wir laufen ein Stück über den breiten Strand in Richtung Copper Cove Beach.
Das Meer hat allerlei angespült – erfreulicherweise ausschließlich natürliche Dinge, keinerlei Plastik. 👍
Unterwegs gibt es einen kurzen Schreckmoment, als eine große schwarze Schlange vor uns durchs Gebüsch gleitet. Sie ist mindestens einen Meter lang und erstaunlich kräftig – und zum Glück genauso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht ist.
Als wir zurück an der Bakers Beach sind, ist der Strand deutlich schmaler geworden: Die Flut kommt. Sie bringt jede Menge Treibgut mit sich, darunter auch unzählige augenscheinlich tote Seesterne – Südliche Siebenarm-Seesterne, wie wir später herausfinden.
An Marker Nummer eins biegen wir links ab, überqueren eine kleine Düne und stehen wieder an der Lagune. Kaum dort angekommen, wird es erneut sehr tierisch: Schon nach wenigen Metern entdecken wir ein kleines Pademelon im Gebüsch, dass wir eine ganze Weile lang beobachten.
Einen kurzen Abstecher zum Bird Hide machen wir ebenfalls noch, doch dort sehen wir nichts, was wir nicht auch schon vorher entdeckt hätten – insbesondere wieder viele schwarze Schwäne.
Als wir kurz nach 16:00 Uhr am Visitor Center ankommen, ist dieses leider seit etwa zehn Minuten geschlossen. Schade – wir hätten noch ein paar Fragen gehabt. So entledigen wir uns unserer qualmenden Socken und fahren zurück nach Port Sorell.
Gegen 17:00 Uhr sind wir wieder „zu Hause“. Trotz reichlich Sonnencreme haben wir uns ein wenig verbrannt, also ist erst einmal etwas Körperpflege angesagt.
Danach entspannen wir auf der Terrasse. Ich stöbere durch den Bücherschrank unserer Gastgeberin Bev, der mindestens 200 Koch- und Backbücher umfasst. Bev ist leidenschaftliche Köchin, bietet Dinner für ihre Gäste, Essen to go, Catering und sogar Kochkurse an. Jetzt wissen wir endgültig, warum es bei ihr so gut schmeckt 😉
Für heute Abend haben wir Chicken Burrito mit Salat für mich und eine Hunter’s Venison Chunky Pie für Andreas bestellt. Beides ist wieder ausgezeichnet.
Nach dem Essen kommen wir noch ins Gespräch. Da wir unsere Fragen im Nationalpark nicht mehr stellen konnten, schildern wir Bev unsere Schlangenbegegnung. Sie meint, es könnte sich um eine Black Snake oder Tiger Snake gehandelt haben – beide zählen mit zu den giftigsten Schlangen Australiens. Puh. Mit dieser Information sieht man die Begegnung im Nachhinein gleich mit etwas anderen Augen …
Den Abend lassen wir ganz entspannt ausklingen: mit einem Glas Portwein aus der B&B-Bar und einer Runde Netflix.