Australien

Freycinet: Von der Bucht zum Gipfel

Nach dem gestrigen ruhigen Tag steht heute wieder deutlich mehr Bewegung auf dem Programm. Wir wollen den Mount Mayson umrunden und dabei die Wineglass Bay und Hazards Beach von oben sehen – also genau die Buchten, an denen wir gestern gemütlich mit dem Boot entlanggefahren sind.

Wir sind früh munter und brechen nach dem bewährten Frühstück in Selbstversorgung bereits um 7:45 Uhr auf. Der frühe Start hat einen guten Grund: Für den Nachmittag schwebt uns noch ein weiteres Ziel vor, und auf Zeitnot haben wir heute wirklich keine Lust.

Trotz der frühen Uhrzeit sind wir überrascht, wie voll der Parkplatz bereits ist. Normalerweise sind wir um diese Zeit eher alleine unterwegs. Vermutlich spielt das Wetter eine Rolle – es soll wieder sehr warm werden, und viele starten deshalb früh.

Um Punkt 8:00 Uhr sind die Wasserblasen gefüllt, die Wanderschuhe geschnürt und wir großzügig mit Sonnencreme eingeschmiert. Los geht’s.

Zwei kurze Fotostopps legen wir gleich am Anfang ein: zuerst am Coles Bay Lookout, dann am Wineglass Bay Lookout. Von hier oben erkennt man die namensgebende Form der Bucht perfekt – eine ganz andere Perspektive als gestern vom Wasser aus.

Jetzt fehlt nur noch die dritte: direkt vom Strand. Dafür geht es allerdings über mehr als 1000 Stufen bergab. Meine Knie sind wenig begeistert.

Auf dem Abstieg begegnen uns mehrere kleine Gruppen mit großen Rucksäcken. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass sie unten an der Wineglass Bay übernachtet haben – was wohl absolut fantastisch gewesen sein soll. Damit erklärt sich auch der volle Parkplatz so früh am Morgen.

Unten angekommen legen wir eine kurze Pause ein. Andreas gönnt sich einen sehr kurzen, etwa 20-sekündigen Badestopp – eher symbolisch als erfrischend 😂.

Ganz alleine sind wir hier natürlich nicht, aber der Betrieb hält sich noch angenehm in Grenzen.

Nach dem kurzen Weg über den schmalen Rücken zwischen den Buchten landen wir auf der anderen Seite am Hazards Beach.

Genau in diesem Moment fährt „unser“ Boot von gestern mit der heutigen Tagestour vorbei. Ein kurzer nostalgischer Moment – gestern vom Wasser, heute vom Land aus. Beide Perspektiven sind auf ihre Art großartig.

Wir laufen ein Stück am Strand entlang, entdecken Muscheln, kleine Krebse und anderes Getier. Es fühlt sich fast ein bisschen an wie Kindheit an der Ostsee – Muscheln sammeln am Strand, kennt man ja.

Einem kleinen Krebs helfen wir zurück ins Wasser — vermutlich war es ihm an Land einfach zu heiß. Ein Seestern, den wir entdecken, hat allerdings schon bessere Tage gesehen.

Das Wasser ist glasklar, der Sand hell, die Farben fast unwirklich schön.

Am Ende des Strandes verlässt der Weg die Küste und führt weiter durch offenes Buschland – weiterhin ohne nennenswerten Schatten.

Unterwegs sehen wir einige Grass Trees – typische Pflanzen Australiens mit langem, grasartigem Blattwerk und dunklem Stamm. Sie wachsen extrem langsam und sind durch Buschfeuer und Lebensraumverlust vielerorts gefährdet. Umso schöner, sie hier noch in freier Natur zu sehen.

Der letzte Abschnitt des Rundwegs zieht sich dann etwas.

Wir halten Ausschau nach einer Bank oder einem schattigen Plätzchen für unsere Mittagspause, werden aber nicht fündig. Die Sonne brennt inzwischen gnadenlos, also laufen wir erst einmal bis zum Parkplatz zurück.


Gegen 13:00 Uhr erreichen wir ihn. Die Situation ist jetzt noch chaotischer als am Morgen: Autos stehen in zweiter Reihe und warten darauf, dass irgendjemand wegfährt. Wir können diesen Wunsch allerdings nicht erfüllen – denn nach der Mittagspause wollen wir noch auf den Mount Amos, dessen Trail ebenfalls hier startet.

Wir machen eine ausgiebige Pause, essen unseren Lunch, packen die Rucksäcke neu (für den Mount Amos nehmen wir nur einen mit) und cremen uns erneut gründlich ein. Als mein roter Kopf halbwegs wieder Normalfarbe angenommen hat, machen wir uns gegen 14:00 Uhr erneut auf den Weg.

Der Aufstieg zum Mount Amos entpuppt sich als ordentliche Kletterpartie. Immer wieder brauchen wir den sprichwörtlichen Allradantrieb – Hände und Füße kommen gleichermaßen zum Einsatz. Wer diese Tour plant, sollte unbedingt an Handschuhe denken (Fahrradhandschuhe reichen völlig): Der Fels ist rau, teils scharfkantig und heute auch noch ordentlich aufgeheizt – meine Hände wissen das am Ende sehr genau.

Die Anstrengung lohnt sich allerdings mehr als deutlich: Oben wartet eine absolut fantastische Aussicht auf die Wineglass Bay.

Wir genießen sie eine ganze Weile, dann geht es wieder hinunter – was sich nicht unbedingt einfacher anfühlt 😉

Auf dem Abstieg begegnen wir unserer ersten Schlange: vermutlich eine Tiger Snake, schwarz, etwa einen Meter lang – und zum Glück genauso schnell wieder im Gebüsch verschwunden, wie sie aufgetaucht ist.

Welche Art es tatsächlich war, bleibt offen – wir sind aber auch ganz froh, dass sich diese Frage nicht weiter klären musste.


Nach insgesamt rund fünf Stunden sind wir wieder am Parkplatz. Auch heute habe ich mich bei der Zeitplanung mal wieder ordentlich verschätzt. Für zukünftige Wanderungen steht also ganz klar: vorher noch gründlicher recherchieren.

Erschöpft, aber sehr zufrieden schaffen wir es gerade noch pünktlich um 19:00 Uhr zurück zum Campingplatz, wo wir wieder einen Tisch in der Iluka Tavern reserviert haben. Heute gibt es Burger für den Herrn und Pizza für die Dame – solide Küche, sehr gut und genau das Richtige nach diesem Tag.

Danach noch ein bisschen Austausch mit den Daheimgebliebenen, dann fallen wir müde ins Bett. Das war ein intensiver, anstrengender – und wunderschöner Wandertag.