Australien

Freycinet: Küste, Delfine und Wineglass Bay

Heute beginnen wir den Tag ungewohnt entspannt. Wir schlafen bis 7:30 Uhr und frühstücken anschließend ganz in Ruhe auf der Terrasse unserer Cabin. Kein Wecker, kein Zeitdruck – besser kann man kaum in den Tag starten.

Gegen 9:00 Uhr machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Office von Wineglass Bay Cruises. Unsere gebuchte Tour startet um 9:45 Uhr, und da wir früh dran sind, schlendern wir noch gemütlich an der Bucht entlang.

Am Steg beobachten wir ein paar ambitionierte Angler – im kristallklaren Wasser sind von oben ein kleiner Hai und ein Rochen zu sehen, die neugierig um die Köder kreisen. Sehr spannend.

Pünktlich gehen wir dann an Bord und werden gleich mit Getränken versorgt.

Bevor es richtig losgeht, legt das Boot noch einmal an der Richardson’s Beach an, wo weitere Passagiere zusteigen. Dann heißt es endgültig: Leinen los.

Schon kurz nach dem Ablegen weist uns der Kapitän auf einen Seeadler hin, der regungslos in einem Baum thront und die Küste zu bewachen scheint. Überhaupt ist er während der ganzen Fahrt sehr aufmerksam bei allen Tierbeobachtungen und sorgt dafür, dass wir keine spannende Sichtung verpassen.

Wir passieren den markanten Mount Amos, auf den wir morgen hinaufwandern wollen, und gleiten vorbei an Hazards Bay und Promise Bay.

Immer wieder bleibt der Blick an der zerklüfteten Küstenlinie hängen – aus dieser Perspektive wirkt alles noch einmal wilder und ursprünglicher.

Zwischendurch tauchen die ersten Seals auf, entspannt auf den Felsen liegend oder neugierig im Wasser treibend.

Es gibt einen kleinen Snack und ein Glas Champus – so lässt sich eine Bootstour durchaus aushalten 😅.

Die Stimmung an Bord ist locker, die Gespräche nett und international. Wir kommen mit Leuten aus Melbourne ins Gespräch, die uns gleich mit Tipps versorgen – perfekt, schließlich steht diese Stadt bei uns auch noch auf dem Plan.

Bei Bryan’s Corner entdecken wir dann auch noch das Nest des Seeadlers, den wir zuvor entlang der Küste gesehen haben – erstaunlich groß und massiv, ein echtes Monument aus Ästen.

Anschließend fahren wir durch die Schouten Passage, wo das Gestein in warmen Orangetönen leuchtet – fast ein wenig wie in der Bay of Fires, die wir in ein paar Tagen besuchen werden.

Später, bei der Slaughterhouse Bay, wird die Küste rauer und zerklüfteter. Eine Höhle öffnet sich im Fels, wieder tummeln sich Seals.

Immer mehr wird deutlich: Diese Küste entfaltet ihre ganze Schönheit eigentlich erst vom Wasser aus. Vom Land würde man viele dieser Formen und Farben so nie wahrnehmen.

Kurz vor Lemon Bight dann ein echtes Highlight: Plötzlich sind überall Delfine. Sie begleiten das Boot, springen aus dem Wasser, tauchen wieder ab – ein unbeschreiblich schönes Schauspiel, das wir lange beobachten.

Wenig später ankern wir in der Wineglass Bay. Türkisfarbenes Wasser, heller Sand – fast ein bisschen Südsee-Feeling.

Die namensgebende Form der Bucht lässt sich vom Wasser aus zwar nicht erkennen, aber das tut der Begeisterung keinen Abbruch.

Für fast eine Stunde ankern wir hier und genießen das Mittagessen in aller Ruhe – eine köstliche Auswahl an kalten Speisen, dazu frische Austern und Getränke nach Wahl. Das Ambiente ist einfach traumhaft, und es gibt definitiv schlechtere Orte für einen Lunch 😉.

Zum ersten Mal probiere ich heute Austern, die ich bisher eher skeptisch beäugt habe. Die große Erkenntnis: So glitschig, wie befürchtet, sind sie gar nicht. Geschmacklich bewegen sie sich irgendwo im Bereich „gute Muschel“ – nicht schlecht, aber auch kein Erlebnis, das den sonst hohen Preis und Hype sofort erklärt. Trotzdem spannend, das Thema endlich abgehakt zu haben.

Auf der Rückfahrt fahren wir weitgehend durch, unterbrochen nur von einem weiteren kurzen Halt bei einer Delfingruppe, die sich noch einmal verspielt im Wasser zeigt.

Gegen 15:15 Uhr legen wir wieder am Anleger an, von dort sind es nur noch etwa 15 Minuten zurück zum Campground.


Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es gegen 16:00 Uhr noch einmal los – ein bisschen Bewegung muss sein.

Wir fahren zum Parkplatz an der Sleepy Bay, wo ein Trail in Richtung Mount Parsons startet.

Zunächst umrunden wir die Bucht, dann beginnt der Anstieg – deutlich kraxeliger als erwartet.

Der Weg ist mit Steinmännchen markiert, allerdings nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Mehr als einmal müssen wir kurz suchen und an der ein oder anderen Stelle den Allrad einsetzen 😉

Die Kletterei macht richtig Spaß, aber wir merken bald, dass wir den Zeitaufwand völlig unterschätzt haben.

Es geht nur langsam voran, der Weg durch die Felsen ist nicht immer eindeutig, und manche Passagen erfordern mehrere Anläufe.

Etwa auf halber Strecke ziehen wir die Reißleine: Für 19:00 Uhr haben wir einen Tisch fürs Abendessen reserviert – das würden wir sonst nicht mehr schaffen. Schade, aber die Ausblicke und die Landschaft waren die Mühe trotzdem absolut wert.


Gegen 18:30 Uhr sind wir zurück am Campground. Kurz frisch machen, dann geht es direkt zum Abendessen in die Iluka Tavern, die sich praktischerweise gleich auf dem Gelände befindet.

Die Atmosphäre ist typisch Pub: unkompliziert, lautstärkemäßig belebt und sehr entspannt. Andreas entscheidet sich für Fish & Chips, ich für eine Seafood Linguine. Beides ist absolut in Ordnung – kein kulinarisches Highlight, aber solide und nach diesem langen Tag genau das, was wir brauchen.

In diesem Zusammenhang lernen wir heute noch etwas dazu: In allen Pubs und Restaurants, in denen wir bisher in Australien gegessen haben, lief es gleich ab – Bestellung und Bezahlung erfolgen am Tresen, Essen und Getränke werden anschließend an den Tisch gebracht. Trinkgeld haben wir dabei bislang keines gegeben, weil wir es aus Deutschland so kennen, dass es sich am Service und an der Qualität des Essens orientiert – und die kann man ja schlecht beurteilen, bevor man überhaupt gegessen hat. Ein bisschen seltsam kam uns das trotzdem jedes Mal vor.

Heute Abend fragen wir deshalb einfach nach. Eine Australierin erklärt uns lachend, dass das völlig normal ist: In solchen Restaurants wird kein Trinkgeld erwartet. Wenn man sich dennoch bedanken möchte, steht meist eine kleine Dose am Tresen – ganz freiwillig. Gut zu wissen.


Nach dem Essen sitzen wir noch eine Weile entspannt auf der Terrasse unserer Cabin, lassen den Tag Revue passieren und genießen die milde Abendluft. Viel passiert heute nicht mehr – wir sind zufrieden, angenehm müde und verschwinden schließlich nicht allzu spät im Bett.