Australien

Tasman Nationalpark: Zwischen Nebel und Steilküste

Gegen 6:30 Uhr werden wir ganz ohne Wecker munter. So langsam kommen wir in den Rhythmus. Wir lassen den Morgen ruhig angehen: duschen, Müsli-Frühstück, Sandwiches für unterwegs schmieren und die Rucksäcke packen.

Um 8:45 Uhr fahren wir bei unserer Unterkunft los, auf dem Arthur Highway Richtung Süden. Ziel des Tages ist Cape Raoul, wo wir eine Wanderung geplant haben. Den Tasmanien-Nationalparkpass hatten wir uns bereits am Vortag online gekauft – Denise hat ihn für uns ausgedruckt, sodass wir ihn gut sichtbar unter die Windschutzscheibe legen können.

Gegen 9:30 Uhr erreichen wir den Parkplatz an der Stormlea Road. Getränke einladen, Sonnencreme auftragen – dann geht’s los. Am Trailhead tragen wir uns ins Wanderregister ein und reinigen unsere Schuhe, ein wichtiger Beitrag zum Schutz der sensiblen Vegetation.

Der Weg führt zunächst leicht bergauf durch schönen Wald. Schon nach wenigen hundert Metern entdecken wir an einem kleinen Tümpel eine Gruppe Wallabies, die wir eine Weile beobachten. Über uns pfeift und zwitschert es ununterbrochen – der Wald ist voller Leben.

An der ersten Abzweigung halten wir uns rechts und gehen zunächst zum Viewpoint am Shipstern Bluff. Dieser Ort ist weltweit bekannt in der Big-Wave-Surfer-Szene: Die hier brechende Welle gilt als eine der wildesten und gefährlichsten der Welt – nicht nur wegen der gewaltigen Brandung, sondern auch aufgrund der häufigen Sichtungen Weißer Haie.

Am Aussichtspunkt angekommen, zieht allerdings gerade dichter Nebel auf. Blauer Himmel wäre schöner gewesen, aber die Stimmung ist auch so fast mystisch. Wir setzen uns kurz, machen Pause und beobachten die Nebelschwaden – und tatsächlich klart es langsam auf.

Zurück auf dem Hauptweg geht es weiter Richtung Cape Raoul. Am ersten Viewpoint wiederholt sich das Spiel: erst noch Sicht, dann plötzlich dichter Nebel, der innerhalb kürzester Zeit alles verschluckt. Gerade als wir überlegen weiterzugehen, reißt es für etwa eine Minute komplett auf – perfektes Timing, genau am Aussichtspunkt.

Auf dem weiteren Weg zum Kap gibt es noch mehrere Aussichtspunkte, und immer wieder öffnet sich der Blick auf die spektakuläre Steilküste. Zeit für ein paar Fotos.

Mit dem beginnendem Abstieg verändert sich dann die Landschaft: Der Wald wird feuchter, bemooste Steine und Farne säumen den Boden. Später geht der Wald in einen lichten, trockenen Bestand aus She-Oaks über – australischen Bäumen mit nadelartigen Zweigen, die im Wind leise rauschen. Zum Kap hin wird dieser schließlich von windtrotzendem Heide- und Buschland abgelöst.

Am Cape Raoul Lookout machen wir Mittagspause mit unseren Sandwiches – ein geschütztes Plätzchen mit Fernblick, auch wenn der Wind inzwischen ordentlich aufgefrischt hat. Bevor wir den Rückweg antreten, machen wir noch einen Abstecher zum Seal Lookout. Robben lassen sich heute zwar keine blicken, aber die Aussicht ist dennoch beeindruckend.

Es wird zunehmend frischer, also treten wir den Rückweg an. Wir gehen denselben Weg zurück, lassen diesmal jedoch die meisten Viewpoints und den Abstecher zum Shipstern Bluff aus. Gegen 15:45 Uhr sind wir wieder am Parkplatz und tragen uns ordnungsgemäß aus dem Wanderregister aus.


Nach etwa 30 Minuten Fahrt erreichen wir die Port Arthur Historic Site. Gerne hätten wir uns die ehemalige Strafkolonie angesehen – einen der bedeutendsten historischen Orte Australiens. Port Arthur war im 19. Jahrhundert eine der härtesten britischen Strafkolonien, bekannt für ihre isolierte Lage und das strenge System der Einzelhaft. Heute kann man dort gut erhaltene Ruinen, das Gefängnis, die Kirche, ehemalige Wohnhäuser sowie die berüchtigten Zellen des „Separate Prison“ besichtigen.

Leider sind wir etwas zu spät dran: In 45 Minuten schließt die Anlage, und es findet keine Führung mehr statt. Für einen kurzen Rundgang ohne Tour möchten wir die rund 50 AUD Eintritt pro Person dann doch nicht bezahlen – also vertagen wir den Besuch.

Gegen 17:00 Uhr sind wir zurück in unserer Unterkunft. Erst einmal chillen, umziehen, ein bisschen Papierkram erledigen.


Am Abend gehen wir – wie schon am Vortag – wieder ins Norfolk Bay Restaurant.

Heute gibt es eine Premiere: Papageienfisch. Zumindest für Andreas, denn der Fisch wird im Ganzen serviert – und Gräten auf dem Teller sind für mich ein absolutes No-Go. Geschmacklich ist das Ganze aber hervorragend, und wir würden glatt morgen noch einmal wiederkommen, wenn das Restaurant geöffnet hätte. Abendessen gibt es hier allerdings nur freitags und samstags.

Stattdessen nehmen wir direkt ein Kochbuch der Küchenchefin Eloise Emmett mit. Sie ist preisgekrönte Autorin mehrerer Seafood-Kochbücher und bietet auch Kochkurse an – hätten wir das mal früher gewusst. So haben wir zumindest ein sehr schönes Mitbringsel.

Nach dem Essen laufen wir zurück zur Unterkunft, tauschen noch Nachrichten mit den Daheimgebliebenen aus und verschwinden heute mal relativ früh im Bett.